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Mitteldeutschland Im Osten dreimal so viele Jugendweihen wie Konfirmationen
Region Mitteldeutschland Im Osten dreimal so viele Jugendweihen wie Konfirmationen
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06:02 03.04.2018
Jugendweihe oder Konfirmation: Im Osten entscheiden sich immer noch dreimal mehr für die weltliche statt kirchliche Feier. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Die Jugendweihe erfreut sich im Osten nach wie vor einer großen Beliebtheit. Auch in diesem Jahr werden etwa dreimal mehr Jungen und Mädchen aus den östlichen Bundesländern an der Jugendweihe teilnehmen als an der evangelischen Konfirmation. Das hat eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea ergeben. Demnach werden zwischen Palmsonntag (25. März) und Pfingsten (20./21. Mai) in den Kirchengemeinden in den neuen Bundesländern knapp 15 600 Jugendliche konfirmiert.

Leichter Rückgang bei den Jugendweihen

Bei den Konfirmationen bleiben die Zahlen im Vorjahreszeitraum damit so gut wie konstant – 2017 gab es im Osten insgesamt 15 580 Konfirmanden. Bei den Jugendweihen gibt es im Vergleich zu 2017 einen Rückgang zu verzeichnen. Diesmal haben sich hier rund 43 300 Jugendliche angemeldet – 2017 waren es noch 44 750.

Sachsen: Jeder fünfte Jugendliche wählt die Konfirmation

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens erwartet 5000 Konfirmanden und damit einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (2017: 4830). Pressesprecher Matthias Oelke begründet diese Entwicklung auch mit den Schwankungen der Geburtenjahrgänge. Die zu erwartenden 5041 Konfirmationen spiegelten die leicht gestiegenen Jahrgänge von 2003/2004 wider. Erfreulich für die Kirche: Der Anteil der Konfirmanden an der Altersgruppe liegt damit laut Oelke derzeit bei fast 20 Prozent. Kurz vor der Friedlichen Revolution 1989 habe er hingegen nur 14 Prozent betragen.

Stabile Konfirmandenzahlen in Berlin-Brandenburg, Anhalt und Mecklenburg

Auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist die Anzahl der Konfirmanden laut Pressesprecher Hagen Pietzcker (Berlin) „relativ stabil“. In Regionen mit starkem Zuzug stiegen die Zahlen leicht, in strukturschwachen Gegenden sei hingegen ein Rückgang erkennbar. Wie im Vorjahr rechne man mit mindestens 5500 Konfirmanden. Auch in der Evangelischen Landeskirche Anhalts sowie im Kirchenkreis Mecklenburg erwarten die Kirchen eine gleichbleibende Nachfrage von 150 beziehungsweise 850 Jungen und Mädchen. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) geht man laut Pressesprecher Friedemann Kahl von etwa 3800 Konfirmanden aus (2017: 4000).

Jugendweihe: Veranstalter werben auch auf Messen und Modenschauen

In Sachsen-Anhalt erreicht der Landesverband der Interessenvereinigung Jugendweihe laut Präsidentin Anke Hoffmeister 6600 Jungen und Mädchen und damit zwischen 50 und 60 Prozent aller Achtklässler. Bereits in der 7. Klasse würde demnach mit der Werbung für das Jugendweihejahr begonnen. Neben den Informationsveranstaltungen an Schulen sind mittlerweile auch Messen und Modenschauen „zu wichtigen Bestandteilen unserer Außenwerbung geworden“, so Hoffmeister. Zu den Angeboten der Regionalverbände gehören zudem Jugendreisen, Kurse oder der Besuch von Gedenkstätten. Sie könnten alle jungen Menschen von 12 bis 16 Jahren nutzen – „ganz gleich, ob sie Jugendweihe oder Konfirmation feiern“.

Neue Formate in der Vorbereitung auf beide Feiern

Die Vorbereitung auf die Feierlichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren verändert, heißt es aus der EKM und dem Interessenverband Jugendweihe. „Themen, die lebensrelevant für junge Menschen sind, finden deutlich mehr Beachtung, aktuelle Filme und Musik spielen eine Rolle“, sagte der EKM-Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth. Klassischer wöchentliche Konfirmandenunterricht habe zugunsten anderer Formate abgenommen. Stattdessen gebe es nun mehr Ausflüge, „Konfi-Gruppen“ übernachteten in Kirchen oder besuchten erlebnispädagogische Einrichtungen. Auch würden auf soziale Plattformen im Internet genutzt - für Einladungen, aber auch für Gottesdienste.

Auch in der Vorbereitung auf die Jugendweihe setzten die Verantwortlichen viel auf Exkursionen. „Es geht etwa nach Buchenwald, zu Gerichtsverhandlungen, aber auch Ausflüge zur Berufsorientierung zu Handwerkern kommen vor“, sagt die Sprecherin des Interessensverbands Jugendweihe Thüringen Dana Grosch. Beliebt seien auch Veranstaltungen, die über Internetrecht informierten oder Fotokurse. „Die Jugendliche können selbst entscheiden, was sie tun wollen.“ Oft gehe es auch darum, sich sozial einzubringen.

Zu DDR-Zeiten Jugendweihe mit Sozialismus-Eid

Bei der Jugendweihe werden Jungen und Mädchen mit Ende des 8. Schuljahres offiziell in die Welt der Erwachsenen aufgenommen. Sie hat ihren Ursprung in den freireligiösen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, wurde aber insbesondere zu DDR-Zeiten als sozialistische Alternative zu vergleichbaren kirchlichen Zeremonien, wie der evangelischen Konfirmation und der katholischen Firmung gefördert. In der DDR war die Jugendweihe mit einem Eid auf den Sozialismus verbunden. Inzwischen findet sie freiwillig statt und ist frei von parteipolitischer Bindung, wie der Interessensverband betont.

Von Olaf Majer

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