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Mitteldeutschland Im Rausch der Amethyste
Region Mitteldeutschland Im Rausch der Amethyste
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13:32 22.02.2018
Der Mineralienhändler Jens Häusler hat mit seiner Sammlung den Grundstock für die Ausstellung im Chemnitzer Museum für Naturkunde gelegt. Quelle: Foto: Naturkundemuseum
Chemnitz

Unterirdisch geht es ab Donnerstag im Chemnitzer Naturkundemuseum zu. Dann lädt die Institution zu einer Reise ins Mittlere Erzgebirge ein. Motto: „Brillant, violett, wandelbar – Amethyst aus dem Herzen des Erzgebirges“. Etwa 300 funkelnde Objekte des violetten Quarzes von insgesamt zwölf Leihgebern – der TU Bergakademie Freiberg, den Dresdner Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen und von Privatsammlern – gibt es dort zu entdecken und zu bestaunen. Die Vitrinen mit den Objekten stehen in einem System, wie es Amethyste tatsächlich bilden. „Der Besucher bummelt quasi durch die Gänge des Erzgebirges“, sagt Kustodin Thorid Zierold.

Der Name Amethyst geht auf das griechische Wort amethystos zurück, was „dem Rausche entgegenwirkend“ bedeutet. Ob der Stein tatsächlich gegen Trunkenheit hilft, darf bezweifelt werden. Fest steht aber, dass der beliebte Schmuckstein über alle Zeiten hinweg Damen in einen (Kauf-)Rausch versetzt hat. Der sächsische Kurfürst August der Starke entsandte sogar Edelstein-Inspektoren, um seine Mätressen und Paläste mit den schönsten und prunkvollsten Stücken aus dem Erzgebirge auszustatten: Ketten und Ringe mit historischen, aber auch mit neuzeitlichen Schliffen. „Ein Highlight der Ausstellung sind 15 Amethyst-Gemmen mit den Bildnissen von Kurfürsten, darunter August dem Starken“, schwärmt Zierold. Erst in Vorbereitung der Ausstellung konnte gemeinsam mit der Westsächsischen Hochschule in Zwickau das Rätsel gelöst werden, wer auf diesen Gemmen, die ursprünglich im Erzgebirgsmuseums Annaberg ihren Platz haben, zu sehen ist.

Seine rosa bis dunkelvioletten Farbeinsprengsel enthält der Quarz übrigens durch Eisenatome, die im Kristallgitter die Stelle von Siliziumionen einnehmen. Licht und Wärme können sie deutlich verändern. Intensiv dem Sonnenlicht ausgesetzt, verliert der Amethyst zunehmend seine Farbe. Gleiches geschieht auch beim Erhitzen auf über 510 Grad Celsius.

Zu finden ist der Amethyst in vielen Ländern der Erde – von Brasilien, Uruguay, Madagaskar, Russland bis nach Sri Lanka. Und eben im Erzgebirge. Wiesenbad, Wolkenstein, Warmbad, Drebach, Falkenbach, Herold, Ehrenfriedersdorf und Geyer wurden seit dem 16. Jahrhundert als Fundorte von Amethyst, Bergkristall und Marmor bekannt. Zu sehen ist auch die mit einem Meter größte jemals bekannt gewordene Amethyststufe aus Mildenau.

Allerdings wollen die Ausstellungsmacher die Besucher nicht nur als passive Beobachter entlassen. Deshalb gibt es im Bereich „Nachgedacht“ beispielsweise eine Abbildung des Wandmosaiks „Industrie und Landschaft des Bezirkes Karl-Marx-Stadt“ des Chemnitzer Künstlers Carl-Heinz Westenburger (1924–2008) zu bestaunen, bei dem Amethyst mit verarbeitet wurde. Einst war es Bestandteil des Forums in der Stadt, nun steht es eingehaust und harrt im Dornröschenschlaf der Erweckung. Die Besucher können ihre Meinung bekunden, ob das Bild wieder gezeigt werden soll. In Purschenstein nahe Seiffen gibt es sogar noch eine Amethystfundstelle, die aber nur ganz wenige Eingeweihte kennen. „Unsere Hoffnung ist, dass wir Wissenschaftler animieren können, sich damit zu beschäftigen, wie der Amethyst dort entstanden ist“, sagt Zierold.

Wer selbst gern einen Amethyst sein eigen nennen möchte, wird in Chemnitz schon ab 1,50 Euro fündig. Auch größere Exemplare und ein Bildband mit Zeichnungen des in Thüringen geborenen Künstlers Eberhard Equit sind vorrätig. Das Museum für Naturkunde ist Bestandteil des ehemaligen Warenhauses Tietz, das heute außerdem die Stadtbibliothek, die Städtische Musikschule, die Volkshochschule, das Stadtarchiv und das Städtische Kulturmanagement vereint. In seinem Lichthof kann auch der berühmte Versteinerte Wald von Chemnitz bewundert werden. Die Amethyst-Ausstellung ist bis zum 25. November zu sehen.

www.naturkundemuseum-chemnitz.de

Von Roland Herold

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