Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Immer mehr Angriffe in Sachsen auf private Wachleute
Region Mitteldeutschland Immer mehr Angriffe in Sachsen auf private Wachleute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:05 07.05.2018
Viele Staatsbedienstete sehen sich Attacken ausgesetzt. Zuletzt waren unter anderem Personen zusehends gefährdet, die in Haftanstalten tätig sind. Quelle: dpa
Leipzig

Attacken auf Staatsdiener, Rettungskräfte und Lehrer in Sachsen sind 2017 zurückgegangen, bleiben aber auf einem hohen Niveau. Gestiegen sind die Straftaten gegen Vollstreckungsbeamte und JVA-Bedienstete. Im Bereich des privaten Sicherheitsgewerbes nehmen die Übergriffe ebenfalls zu. Das geht aus Zahlen hervor, die der Innenexperte Enrico Stange (Linke) aus Antworten des Innenministeriums zusammengetragen hat.

So gab es im Vorjahr 2730 Angriffe auf Polizeibeamte im Freistaat. Ein Jahr zuvor waren es 175 Angriffe mehr. Sanitäter wurden im Vorjahr in 108 Fällen das Ziel von Gewalt (2016: 113). Lehrer waren 95 Mal Opfer, nach 94 ein Jahr zuvor. Allerdings hat sich die Zahl von Übergriffen auf Lebensretter innerhalb von sechs Jahren verdoppelt, die gegen Polizisten nahm im selben Zeitraum um rund ein Viertel zu.

Meist handelt es sich um Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen, so Stange. Verringert hat sich auch die Zahl der Angriffe auf Politiker und Mandatsträger von 239 im Jahr 2016 auf 181 im Vorjahr.

Deutlich gestiegen sind hingegen die Übergriffe auf Justizvollzugsbeamte auf 74 im Vorjahr (2016: 45), Politessen und Gerichtsvollzieher 94 (86) sowie Taxifahrer 37 (18). Einen erneuten Anstieg gab es auch bei Attacken auf privates Wachpersonal mit 652 Fällen (634). Vor sechs Jahren waren es nicht einmal halb so viele (214).

„Das Anwachsen der Angriffe und Straftaten gegen private Wach- und Sicherheitsbedienstete geht sowohl auf Sport- und Fußballveranstaltungen zurück als auch auf die Dienste in Asyl- und Flüchtlingsunterkünften“, sagte Stange. In nicht wenigen Fällen, so der Linken-Politiker, seien die Security-Kräfte selbst Auslöser von Konflikten.

Den Rückgang der Übergriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute führt der Linken-Innenexperte auf weniger Demonstrationen im Freistaat zurück. Einen Grund zur Entwarnung sieht der Landespolitiker aber nicht, denn zumeist würden Polizisten im täglichen Streifendienst angegriffen. Die Statistik führt wie in den Vorjahren Leipzig an, gefolgt von Dresden.

Überproportional viele Polizisten werden in Ostsachsen angegriffen. Lehrer sind außer in den beiden Großstädten vor allem in den Landkreisen Bautzen und Meißen gefährdet, Politessen und Gerichtsvollzieher in Mittelsachsen und Görlitz.

Das Innenministerium in Dresden schätzt die Gewalt gegen Polizeibeamte, Rettungskräfte und Vollstreckungsbeamte als ein Phänomen ein, das Politik und Gesellschaft zunehmend beschäftige. „Der Gesetzgeber hat im Jahr 2017 entsprechend reagiert und die Strafen bei Angriffen auf Polizeibeamte und Rettungskräfte erhöht“, sagte ein Sprecher von Innenminister Roland Wöller (CDU). Jetzt drohten Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Darüber hinaus, so das Innenministerium, stelle der Freistaat seinen Bediensteten Schutzausrüstungen zur Verfügung, um das Gefährdungsrisiko für Leib und Leben insbesondere bei Einsätzen möglichst gering zu halten. Das sei aber nur die eine Seite: Zugleich müsse alles getan werden, um den Umgang zwischen Bürgern und Polizei „weiter und nachhaltig zu verbessern und auf eine respektvollere Basis zu stellen“.

Von Andreas Dunte

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Verfassungsschutzmitarbeiter hat Anfang März interne Daten auf einen USB-Stick kopiert. Es ging wohl um Neugierde - operative Daten sollen nicht betroffen sein. Experten kritisieren Sicherheitsmängel in der Behörde.

07.05.2018

Nach der „Luther-Tomate“ kommt die „Luther-Paprika“. In Wittenberg sind in einem Großgewächshaus die ersten roten Schoten geernet worden. Für das kommende Jahr gibt es bereits neue Pläne.

06.05.2018

Sie war zweieinhalb Jahre im berüchtigten DDR-Gefängnis Hoheneck, jetzt ist Ellen Thiemann gestorben. Der Verein Archiv Bürgerbewegung Leipzig trauert um die frühere Journalistin.

06.05.2018