Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Immer weniger freiberufliche Hebammen in Sachsen
Region Mitteldeutschland Immer weniger freiberufliche Hebammen in Sachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:09 05.05.2018
Eine Hebamme untersucht in einer Praxis eine Schwangere. In Sachsen verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für Hebammen. Quelle: dpa
Anzeige
Dresden - 

Steigende Versicherungsprämien machen Sachsens Hebammen zunehmend zu schaffen. Laut sächsischem Hebammenverband ist das einer der Gründe, weswegen immer weniger von ihnen freiberuflich arbeiten. Schwangere könnten kaum noch wählen, wo sie ihr Kind zur Welt bringen, schildert die Landesvorsitzende Stephanie Hahn-Schaffarczyk anlässlich des internationalen Hebammentages am Samstag.

„Die Nachfrage ist hoch und nicht mehr jede Frau findet eine Hebamme zur Betreuung. Nur noch etwa zwei Prozent aller Kinder kommen zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt.“ Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes wurden in Sachsen 2016 rund 38 000 Babys geboren.

Bürokratische Hürden

Laut Hahn-Schaffarczyk wird die Haftpflichtprämie für Hebammen von aktuell etwa 7600 Euro jährlich bis 2020 auf fast 10 000 Euro steigen. Zwar könne bei den Krankenkassen ein sogenannter Sicherstellungszuschlag von maximal rund 5500 Euro beantragt werden. „Das ist aber ein komplizierter, bürokratischer Weg. Die Kolleginnen müssen immer in Vorkasse gehen.“ Laut Hahn-Schaffarczyk haben viele wegen der hohen Beiträge resigniert. Zudem dürften nach ihrer Einschätzung in den nächsten 10 bis 15 Jahren viele der Kolleginnen in den Ruhestand gehen.

Im Landesverband sind nach eigenen Angaben derzeit rund 820 Hebammen organisiert - etwa drei Viertel der Frauen arbeiten zumindest teilweise freiberuflich. Noch geschätzt etwa 70 von ihnen kommen zu einer Geburt auch nach Hause. Genaue Zahlen gibt es nicht. Klarheit soll eine Studie des Gesundheitsministerium bringen, die in den nächsten Wochen fertig werden soll.

Linke: Unhaltbare Zustände

Für ein „Programm zur Sicherung der Hebammenversorgung in Sachsen“  stellt das Land seit 2017 jährlich 175 000 Euro bereit. Die Hebammen selbst bekommen davon nur wenig. Denn das Geld fließt unter anderem in eine Koordinierungsstelle beim Verband. Dort werden laut Hahn-Schaffarczyk Schwangere an Hebammen vermittelt - wenn verfügbar. Das funktioniere „wider Erwarten“ gut. Zudem wird von dem Geld freiberuflichen Hebammen eine Aufwandsentschädigung gezahlt, wenn sie Auszubildende bei einem Praktikum betreuen.

Die Linke-Fraktion im Landtag spricht von unhaltbaren Zuständen. Zeit- und Geldnot setzten freiberuflichen Hebammen zu. Viele gäben ihre Arbeit auf, weil sie die Haftpflichtkosten nicht mehr stemmen könnten. Zugleich hätten in den vergangenen Jahren mehrere Kreißsäle dicht gemacht wie erst im Dezember 2017 in Bischofswerda. Werdende Mütter müssten dann auf städtische Geburtskliniken ausweichen, die oft überfüllt seien.

Grüne: Starthilfen geben

„Sachsen braucht dringend bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen und mehr Geburtskliniken“, sagt die Gleichstellungsexpertin der Fraktion, Sarah Buddeberg. Der Fraktionschef der Grünen, Volkmar Zschocke, kritisiert: „Das derzeitige Landesprogramm ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die Ausbildungsplätze an den Hebammenschulen, Hochschulen und Universitäten müssten ausgebaut werden. „Starthilfen für Praxisgründungen sollten vor allem in den Regionen angeboten werden, wo derzeit wenig Hebammen sind.“

Die Stadt Dresden hat für dieses Jahr 50 000 Euro als Hilfe beschlossen für Familienhebammen und -Kinderkrankenschwestern sowie Maßnahmen der frühkindlichen Entwicklungsförderung. Damit sollen laut Gesundheitsbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Linke) Lücken in der Landesförderung geschlossen werden. „Mit diesem Geld sichert die Stadt die erfolgreiche Arbeit der Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern“, sagt sie. 

Von LVZ

Anzeige