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Mitteldeutschland Immer weniger günstige Wohnungen für Studenten in Leipzig und Dresden
Region Mitteldeutschland Immer weniger günstige Wohnungen für Studenten in Leipzig und Dresden
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10:19 01.09.2018
Die Wohnungssuche gestaltet sich zu Beginn des Wintersemesters für Studenten in sächsischen Großstädten schwierig. Quelle: dpa
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Leipzig/Dresden

Noch vor der ersten Vorlesung steht für Tausende Studienanfänger vor Beginn des Wintersemesters die Suche nach einer Unterkunft an. Selbst wenn die Auswahl in Sachsen noch vergleichsweise gut ist - auch in den sächsischen Universitätsstädten werden bezahlbare Wohnungen für Studenten weniger, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Für Plätze in den Wohnheimen des Studentenwerkes gibt es mittlerweile Wartelisten.

Zuzug sorgt für Engpässe

Es sei abzusehen, dass in Städten wie Dresden und Leipzig, die vor allem durch Zuzug stark wachsen, es auf dem Wohnungsmarkt im preisgünstigen Segment knapp werden kann, sagt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Andreas Friedrich. Versorgungsschwierigkeiten und katastrophale Wohnbedingungen für Studenten, die aus anderen deutschen Universitätsstädten berichtet werden, gebe es dennoch nicht.

Friedrich zufolge verfügen die sächsischen Studentenwerke über mehr als 16 000 Wohnheimplätze, zumeist saniert und modern ausgestattet. „Üblich sind Einzelzimmer oder Einzelapartments.“ Mehr als 14 Prozent der Studenten könnten dort unterkommen. „Damit hat Sachsen nach Thüringen den zweitbesten Versorgungsgrad. Das ist deutlich besser als der Bundesdurchschnitt von 9,5 Prozent“.

Private Wohnheime häufig keine Alternative

Der Studentenrat der Technischen Universität in Dresden sieht dennoch Handlungsbedarf. Noch gebe es zwar keine akute Wohnungsnot, bestätigt Stura-Geschäftsführer Alexander Busch. „Aber Dresden wächst, die Wohnungen werden langsam knapp, die Mieten steigen jährlich um etwa fünf Prozent.“ Diese lägen bei einer Einraumwohnung in Uni-Nähe etwa bei 270 bis 330 Euro kalt. Das sei mehr als der für das Wohnen bestimmte BAFöG-Anteil von monatlich 250 Euro.

Die Wohnheime des Studentenwerkes sicherten einkommensschwachen Studierenden zwar günstiges Wohnen. Aber selbst dort kosteten sanierte Zimmer zwischen 240 und 320 Euro, unsanierte um 160 Euro. Private Wohnheime seien keine Alternative. Diese seien zwar zum Teil besser ausgestattet, aber auch deutlich teurer. Deshalb fordere der Studentenrat unter anderem eine Erhöhung der staatlichen Ausgaben für Schaffung und Erhaltung studentischen Wohnraums, sagt Busch.

„Unsere Wohngebiete liegen direkt in Uni-Nähe. Vor allem zu Semesterbeginn ist die Nachfrage erhöht“, sagt die Pressesprecherin der Wohnungsgenossenschaft "Glückauf" Süd Dresden, Dana Jacob. „Gefragt sind vor allem kleine Einraumwohnungen von etwa  27 Quadratmetern. Die sind bezahlbar und liegen preislich zwischen 220 bis 270 Euro.“ Größere von 32 bis 43 Quadratmetern kosteten zwischen 290 und 370 Euro. Spezielle Angebote für Studenten gebe es nicht.

Wohnheimnachfrage in Leipzig stark gestiegen

Das Studentenwerk Leipzig betreibt nach eigenen Angaben 43 Studentenwohnheime in 15 Wohnanlagen mit etwa 5200 Zimmern in Wohngemeinschaften oder als Einzelapartments für aktuell etwa 39 000 Leipziger Studierende. „Die Nachfrage nach Wohnheimplätzen ist in den letzten drei Jahren stark gestiegen“, sagt Michael Mohr von der Öffentlichkeitsarbeit. „Studierende mit knappem Budget finden neben den Angeboten des Studentenwerks Leipzig immer seltener preiswerten Wohnraum am freien Markt.“

Seit einigen Jahren gebe es zu Beginn des Wintersemesters Wartelisten. Vergangenen Herbst hätten sich auf 2372 freie Plätze 3335 Studierende beworben. „Erstmalig konnten wir nicht alle Interessenten versorgen.“  Die Auslastung der Wohnheime habe 2017 im Jahresdurchschnitt bei 98,2 Prozent gelegen. 

Studentenwerke warten auf Millionenzuschuss

„Wenn wir weiter ausreichend bezahlbaren Wohnraum anbieten wollen, sind Investitionszuschüsse des Freistaates notwendig“, sagt Mohr. Die sächsischen Studentenwerke  hätten deshalb für den Doppelhaushalt 2019/20 einen Investitionszuschussbedarf von fast sieben Millionen Euro für Ersatzinvestitionen in Studentenwohnheime angemeldet. Diese seien jedoch im aktuellen Haushaltsentwurf bis jetzt noch nicht berücksichtigt.

Friedrich zufolge hofft der Freistaat auf ein im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehenes Programm für den Neubau und die Sanierung von Studentenwohnheimen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hatte Leipzig noch im vergangenen Jahr in einer Studie attestiert, dass Studenten dort verglichen mit anderen deutschen Universitätsstädten am billigsten wohnen könnten. Zwar seien die Mieten seit Beginn des Jahrzehntes auch dort gestiegen, doch die Preiserhöhungen fielen etwas geringer aus, hieß es.

Von LVZ

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