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Mitteldeutschland In Dresden und Leipzig langen Autodiebe besonders oft zu
Region Mitteldeutschland In Dresden und Leipzig langen Autodiebe besonders oft zu
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17:53 14.10.2015
In Dresden und Leipzig schlagen Autodiebe besonder oft zu.  Quelle: Audi AG
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Leipzig

 Pro Tag verschwinden in Deutschland mehr als 100 Kraftwagen. Im Osten sind es bezogen auf die Zahl der Zulassungen sogar besonders viele. Allein acht ostdeutsche Städte befinden sich unter den Top 10 der Diebstahlhochburgen, darunter Dresden auf Platz fünf und Leipzig auf Platz neun. Den Spitzenplatz hat laut dem Versicherer Allianz Frankfurt/Oder, gefolgt von Görlitz, Berlin und Potsdam.

2014 kamen insgesamt 17.895 Pkw ihren rechtmäßigen Besitzern abhanden. Das waren 4,8 Prozent weniger als im Jahr davor. Allerdings zahlten die Versicherer mit rund 262 Millionen Euro fast die gleiche Entschädigungssumme an ihre Kunden wie 2013, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Das liegt daran, dass es die Diebe vorwiegend auf teure Autos abgesehen hatten“, so GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. Demnach erreichte der durchschnittliche Wert eines geklauten Pkw mit knapp 14650 Euro eine neue Rekordhöhe.

Teure Wagen sind bei Dieben beliebt

Beliebt bei Autodieben sind Modelle der Hersteller Land Rover und Audi. Allein vom Range Rover 3.0 TD wurden im vergangenen Jahr 150 Stück geklaut – das entspricht einer Diebstahlrate von 57,4 pro 1000 Pkw. Bei den Audi-Modellen bevorzugen Diebe besonders die Sport-Limousinen S5 und S4. Unter den Top Ten der geklauten Wagen sind auch BMW (X6, X5, 535d), Toyota (Lexus RX 350, Land Cruiser) und VW (T4 Caravelle). Deutlich weniger Sorgen um einen Diebstahl ihres Autos müssen sich Opel-Fahrer machen: 2014 wurden mit rund 500 Stück knapp 20 Prozent weniger Autos aus Rüsselsheimer Produktion gestohlen als im Vorjahr.

In den einzelnen Bundesländern zeichnen sich unterschiedliche Entwicklungen ab. Während Hessen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland deutlich mehr Diebstähle zu verzeichnen haben, sind die Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern stark rückläufig.

Auch in Sachsen gibt es einen Rückgang, und zwar um 8,7 Prozent auf 1499 entwendete Pkw. Zwar verringerte sich die Diebstahlrate von 1,0 auf 0,9 pro 1000 kaskoversicherter Pkw. Sie lag damit aber immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 0,5.

In Sachsen-Anhalt blieb die Zahl der geklauten Autos mit 637 (2013: 654 Pkw) nahezu konstant. Deutlich weniger schlugen Diebe in Thüringen zu. Sie entwendeten im Vorjahr 272 Autos, 11,4 Prozent weniger als im Jahr davor.

Dass in den neuen Bundesländern Langfinger deutlich häufiger zulangen, liegt insbesondere an der Nähe zu Osteuropa und den dortigen Absatzmärkten für Hehlerware, heißt es beim Bundeskriminalamt. Die starken Rückgänge führt das BKA auf die gestiegenen polizeilichen Kontrollen zurück. Sachsen hat seit dem Vorjahr gemeinsam mit tschechischen Behörden den Druck auf Autoschieber-Banden erhöht. Abgeschreckt durch die Kontrollen treiben die Täter jetzt vermehrt ihr Unwesen in anderen Bundesländern beziehungsweise weichen auf andere europäische Staaten aus.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet gehen die Diebstahlszahlen deutlich zurück. Vor zehn Jahren wurden bundesweit 31700 Fahrzeuge gestohlen, vor zwanzig Jahren waren es noch 105500.

So ärgerlich jeder Diebstahl für den einzelnen Autobesitzer auch ist. Bezogen auf den Gesamtzulassungsbestand (44,4 Millionen Pkw in Deutschland) bewegt sich die Zahl der heute entwendeten Fahrzeuge nur im Promillebereich. Übrigens stammen zwei Drittel der Langfinger aus Deutschland.

Diebe arbeiten mit dem Laptop

Längst haben Kleiderbügel und der große Hammer ausgedient. Wer heute die elektronisch gesicherten Fahrzeuge knacken will, kommt nicht mehr ohne Laptop aus. Profi-Autoknacker schaffen es in weniger als 60 Sekunden, Zentralverriegelung und Wegfahrsperren zu überlisten. Beispielsweise setzen sie einen Jammer ein, eine Art Störsender. So bleibt der Wagen offen, obwohl der Fahrer die Fernbedienung drückt. Ist das Fahrzeug offen, schafft es ein geübter Ganove mit Hilfe spezieller Software ganz schnell, die Wegfahrsperre zu überlisten und den Schließzylinder zu aktivieren.

Auch die Keyless-Go-Systeme einiger Modelle bieten keinen hundertprozentigen Schutz, heißt es bei der Allianz. Überlistet werden sie mit der Zwei-Koffer-Methode. In einem Koffer ist eine Antenne integriert. Mit ihr nähert sich der Dieb dem Träger der Zugangskarte auf ungefähr einen Meter. Die empfangenen Daten sendet er an einen Komplizen, der mit einem zweiten Koffer am Fahrzeug steht. Durch die Übertragung der Daten öffnen sich die Türen automatisch.

Von Andreas Dunte

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