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Mitteldeutschland In Sachsen boomt das Geschäft mit gefälschten Pässen
Region Mitteldeutschland In Sachsen boomt das Geschäft mit gefälschten Pässen
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23:00 28.11.2018
 Die Bundespolizei geht in Mitteldeutschland massiv gegen Schleuser und Urkundenfälscher vor. Quelle: dpa
Leipzig

Immer mehr Migranten und nicht EU-Bürger besorgen sich gefälschte Dokumente, um illegal nach Deutschland zu gelangen oder hier arbeiten zu können. „Wir registrieren auf dem Gebiet einen regelrechten Boom“, sagt Polizeioberrat Markus Pfau. Er leitet die Inspektion Kriminalitätsbekämpfung der für Mitteldeutschland zuständigen Bundespolizei.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind in den drei mitteldeutschen Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt 2435 falsche Papiere festgestellt worden, mit denen Migranten Asyl beantragen wollten. Im gesamten Vorjahr zog man 1616 Urkundenfälschungen aus dem Verkehr, das Jahr davor 976.

Im selben Zeitraum haben die Beamten bei Kontrollen rund 4200 gefälschte Identitätsdokumente (ID) festgestellt – vorwiegend rumänische, griechische und italienische ID-Karten. Die Dokumente werden verwendet, um die Freizügigkeit als EU-Bürger scheinbar legal zu genießen. „Wir hatten wohl noch nie so viele gefälschte Dokumente im Markt“, sagt Pfau. Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der Fälle mehr als verdoppelt (2017: 1996). Zugleich merkt er an, dass seine Behörde ebenso wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Fahndung nach solchen Fälschungen weiter intensiviert, wodurch mehr Fälle aufgedeckt werden.

Aufgrund der verstärkten Fahndung registriere seine Behörde zudem einen signifikanten Anstieg bei unerlaubt eingereisten Migranten. Es gebe Flüchtlinge, die mit gefälschten Pässen einreisen oder auf Dokumenten die Geburtsdaten abändern. Pfau: „Mit falschen Identitäten will man grundsätzlich Behörden überlisten, Soziale Leistungen kassieren oder auch illegale Geschäfte planen.“

Anlass für intensive Ermittlungen sei oft ein Zufall, erzählt Pfau aus dem Arbeitsalltag der Behörde. So stießen die Beamten bei einer Kontrolle an der Autobahn auf einen VW-Kleintransporter mit fünf Moldauern, die gefälschte rumänische Pässe hatten. „Rumänen dürfen in Deutschland legal arbeiten, Moldauer hingegen nicht, da ihr Land nicht zur EU gehört.“ Seine Behörde nahm die Ermittlungen auf und stieß in ein Wespennest. Bei einem Großeinsatz mit rund 900 Beamten in vier Bundesländern hob man dann eine Bande von Russen, Österreichern und Deutschen mit Bezug zur Reichsbürgerszene aus. Die Täter hatten im großen Stil Männer aus Moldawien nach Deutschland geholt, sie mit gefälschten Pässen versorgt und bei einer Sicherheitsfirma beschäftigt. „Die Männer wurden weit unter Mindestlohn zur Bewachung etwa von Asylunterkünften eingesetzt.“ Wegen der äußerst niedrigen Personalkosten gelang es der in Niedersachsen und Hamburg beheimaten Sicherheitsfirma, Ausschreibungen an Land zu ziehen. Die Täter, so der Polizeioberrat, fuhren teure Sportwagen, während die Moldauer zumeist in menschenunwürdigen Unterkünften hausten. Dafür mussten sie auch noch auf einen Teil ihres knappen Lohns verzichten.

Ein weiteres Phänomen sei das Vermitteln von Scheinehen. Im Visier haben die Beamten hier Inder und Pakistani, die bis zu 22 000 Euro bezahlen, um durch die Scheinehe etwa mit Polinnen oder Rumäninnen unbegrenzt in Europa leben und arbeiten zu können.

Von Andreas Dunte

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