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News Interview mit MDR-Autor Axel Hemmerling

Mafia in Mitteldeutschland Interview mit MDR-Autor Axel Hemmerling

Das MDR-Magazin „Exakt – die Story“ deckt in einem TV-Beitrag auf, wie Thüringen zum Mafia-Stützpunkt wurde. LVZ.de sprach mit Autor Axel Hemmerling.

Die Journalisten Ludwig Kendzia und Axel Hemmerling recherchierten zum Thema Mafia in Mitteldeutschland.
 

Quelle: MDR/Lara Rosenhagen

Leipzig.  MDR-Exakt deckt am Mittwoch in einem TV-Beitrag auf, wie Thüringen zum Mafia-Stützpunkt wurde. LVZ.de sprach mit Autor Axel Hemmerling.

Herr Hemmerling, was war die größte Herausforderung bei der Recherche im Umfeld der Mafia-Strukturen?

Axel Hemmerling: Besonders schwierig waren die Recherchen zur russisch-eurasisch organisierten Kriminalität. Die Ermittler tappen da oft selbst noch ziemlich im Dunkeln. Das hat sich erst nach der Schießerei im vergangenen Jahr in Erfurt etwas geändert. Deshalb sind wir tatsächlich abends durch Erfurt gestreunt, haben geschaut, was die Armenier so machen. Wir haben uns die einschlägigen Restaurants angeschaut, oft Griechen, die aber dann in Wahrheit von Armeniern betrieben werden. Das war sehr zeitaufwendig.

Sie nennen Facebook als eine wichtige Quelle Ihrer Nachforschungen. Waren sie erstaunt, wie freizügig diese Leute mit persönlichen Informationen umgehen?

Ja schon. Sie brüsten sich natürlich nicht mit Taten, aber sie posieren selbstbewusst vor ihren Autos, und das sind dann eben auch Autonummern zu sehen. Oder Lokale tauchen immer wieder auf. Deren Namen kann man dann durch Wirtschaftsdatenbanken jagen und bei den Besitzern Querverweise entdecken. Die Chefs und Bosse dieser Organisationen tauchen auf Facebook allerdings nicht auf. Da geht es eher um das Umfeld.

Durch die Veröffentlichung der Recherchen sind Sie den Drahtziehern nun bekannt. Ist das ein komisches Gefühl?

Spätestens seit wir den Prozess nach der Schießerei 2014 unter Armeniern in Erfurt an rund 18 Verhandlungstagen verfolgt haben, kennen uns die Leute. Wichtig ist, immer mit offenen Karten zu spielen und Respekt zu zeigen. Wir haben auch bei den Italienern alle Beteiligten angefragt, sich zu äußern. Wir haben keine verschleierten Anfragen gestellt, sondern immer klar gesagt, worum es geht. Eine Reaktion gab es aber nicht.

Sie sagen, dass eine Kommune wie Erfurt sich der Herausforderung stellen muss, dass sie eine Operationsbasis der Mafia ist. Welche Möglichkeit sehen Sie da?

In Berlin gibt es das Netzwerk „Mafia? Nein Danke!“, das Italiener in der Stadt nach der Schießerei in Duisburg im Jahr 2007 gegründet haben. Gastwirte handeln gemeinsam mit Polizei, Schulen oder dem Konsulat. Und wenn zum Beispiel ein Restaurant eröffnet werden soll, bei dem klar ist, dass das Geld dafür aus dunklen Kanälen kommt, dann können sie der Polizei einen Hinweis geben. So bewirkt man etwas.

„Exakt - Die Story“, am Mittwoch, 4. November, 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen. Nach der Ausstrahlung auch in der Mediathek.

Von Evelyn ter Vehn

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