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Mitteldeutschland Jeder vierte Sachse ist älter als 65 Jahre – Erwerbstätigkeit nimmt zu
Region Mitteldeutschland Jeder vierte Sachse ist älter als 65 Jahre – Erwerbstätigkeit nimmt zu
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14:18 14.02.2019
Jeder vierte Einwohner von Sachsen ist inzwischen älter als 65 Jahre. Im Bundesschnitt ist es jeder Fünfte. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

In Sachsen leben immer mehr Senioren, inzwischen ist jeder vierte Einwohner im Freistaat älter als 65 Jahre – insgesamt mehr als eine Million Menschen. Genau 694 davon waren zuletzt sogar älter als 100 Jahre. Wie Carolin Schreck, Präsidentin des Statistischen Landesamtes am Donnerstag in Dresden erklärte, gehört der Freistaat im Vergleich der Bundesländer zu den absoluten Senioren-Hochburgen. Im Bundesschnitt ist nur jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahren.

„Der Anstieg der Senioren wird auch in den kommenden Jahren so weitergehen“, sagte Schreck und fügte an: „Das wird übrigens auch wenig von Zuwanderung beeinflusst.“ Hauptgrund für die Alterung der sächsischen Gesellschaft liefern eher die allgemein geburtenstarken Jahrgänge in den 1950er Jahren, „die nun ins Rentenalter aufrücken.“ Zudem steigt die Lebenserwartung stetig an. Neugeborene Mädchen im Jahr 2017 konnten sich im Schnitt auf 83,8 weitere Jahre freuen, Jungs auf immerhin 77,8 Jahre.

Viele Single-Seniorinnen – Erwerbstätigkeit steigt

Aufgrund der höhere Lebenserwartung der Frauen sind diese im Alter auch klar in der Überzahl: mehr als 600.000 Seniorinnen stehen 450.000 Senioren gegenüber. Älteren Frauen leben deshalb vielfach ohne Partner. Bis zu einem Alter von 58 Jahren war die Situation noch genau umgedreht, gibt es in der Statistik deutlich mehr Singlehaushalte mit Männern als mit Frauen.

Jede zehnte Frau zwischen 65 und 70 Jahren ist auch nach ihrem Renteneintritt erwerbstätig. Bei den Männern liege der Anteil sogar bei 15 Prozent. „Vor zehn Jahren waren die Zahlen noch deutlich geringer. Wir haben versucht, dafür in den Daten Gründe zu finden, aber ohne Erfolg“, so Schreck. Fakt ist: Für jeden vierten erwerbstätigen Senioren sind Pensionen und Renten nicht ausreichend, muss stattdessen der überwiegenden Lebensunterhalt über Arbeit finanziert werden – häufig mit Tätigkeiten im Dienstleistungsgewerbe.

Im Gegensatz lobte Sachsens Chefstatistikerin die vergleichsweise geringe Armutsgefährdung im Freistaat. „Sachsen hat nach Thüringen auch die zweitniedrigste Grundsicherungsquote im Alter,“ so Schreck. Bei insgesamt 11.352 sächsischen Senioren reichten 2017 die Renten oder sonstige Einkünfte nicht zum Leben aus, musste die Grundsicherung beantragt werden. Im Bundesschnitt sei die Quote dreimal so hoch. Gründe für die vergleichsweise gute Position Sachsens in dieser Statistik sieht Carolin Schreck auch in der DDR-Zeit: „Die Erwerbsbiographien ostdeutscher Frauen, die ja gearbeitet haben, geben einen Ausschlag.“

Gemeinden mit mehr als 30 Prozent Senioren

Wo leben Sachsens Senioren im Freistaat? Häufig eher auf dem Land und eher in den südwestlichen und östlichen Regionen des Freistaates. Oybin im Landkreis Görlitz hat zum Beispiel einen Senioren-Anteil von 36,4 Prozent – Rekord. Ähnliche Quoten werden auch in Johnsdorf, Klingenthal, Hoyerswerda und Bad Elster erreicht. In Leipzig und Dresden ist der Anteil dagegen unter 25 Prozent, in Kamenz und Nebelschütz sogar unter 20 Prozent.

In den Großstädten nutzen Senioren auch die vorhandenen Möglichkeiten zur Weiterbildung. 40 Prozent der Gasthörer an Sachsens Hochschulen sind älter als 65 Jahre – zuletzt insgesamt 433. Auch hier überwiegt der Frauenanteil und thematisch sticht eine Fachrichtung heraus: Geschichte. Jeder zweite Senioren-Student hatte sich dafür eingeschrieben, gefolgt von Evangelischer Theologie und Rechtswissenschaften.

Weiter hinten in der Liste folgt übrigens auch Informatik. Dazu passt, dass ein großer Teil der sächsischen Senioren inzwischen auch in der digitalen Welt angekommen ist. 77,4 Prozent haben zu Hause einen Internetanschluss, 55 Prozent nutzen diesen. Vor fünf Jahren lag der Anteil der sächsischen Internetuser über 65 Jahren noch bei 36 Prozent.

Von Matthias Puppe

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