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Kapitän der entführten Landshut: Der stille Held aus Colditz

Flugzeug-Entführung im Herbst 1977 Kapitän der entführten Landshut: Der stille Held aus Colditz

Nichts erinnerte bislang im beschaulichen Muldenstädtchen an Jürgen Schumann: kein Ehrenbürgertitel, keine Gedenktafel, kein Straßenname. Dabei wurde der Pilot des 1977 entführten bundesdeutschen Flugzeugs „Landshut“ am 29. April 1940 in Colditz geboren.

Die Lufthansa-Maschine "Landshut"

Quelle: dpa

Leipzig. Er war der stille Held im blutigen Herbst 1977. Terroristen hatten die Lufthansa-Maschine gekapert – der 9000 Kilometer lange Irrflug endete am 17. Oktober in Mogadischu. Einen Tag später stürmte die Spezialeinheit GSG 9 die Boeing, alle Geiseln wurden befreit. Kapitän Schumann erlebte das glückliche Ende nicht mehr: Den 37-Jährigen hatten die Terroristen bereits Tage zuvor beim Zwischenstopp in Aden erschossen.

Als Jürgen Schumann im Lausicker Fußweg 7 zur Welt kam, sog er von Anfang an die große Politik mit der Muttermilch auf. Im ausbruchsicheren Schloss hoch über der Stadt saßen zu der Zeit bereits etliche alliierte Offiziere ein. Es waren unter anderem die beiden Piloten Jack Best und Bill Goldfinch, die beschlossen, ein Segelflugzeug zu bauen und damit zu fliehen. Jürgen konnte das Schloss von der grünen Idylle des Lausicker Fußwegs gut sehen. Zufall? Schicksal? Bestimmung? Gut 20 Jahre später gehörte Schumann zur ersten Ausbildungsklasse, die in den USA auf dem modernsten Gerät, das die Luftwaffe zu bieten hatte, fliegen lernte. Auf der Luke Air Force Base in Arizona wurde er zum Starfighter-Piloten geschult.

Stefan Lange (76) war mit Jürgen Schumann gut befreundet. Er wohnte im Nachbarhaus Nummer 9 und erinnert sich, wie beide als Lausebengel auf der Deponie der Steinzeugfabrik zu Schatzgräbern wurden, wie sie Eier stibitzten und – dass plötzlich der Krieg aus war. „Russen und Amerikaner standen sich an der Brücke gegenüber. In unserer Nähe wurden die Mannschaften verpflegt, so staubten wir manche Suppe ab.“ 1949 war Jürgen Schumann mit seiner Mutter und der jüngeren Schwester von Sachsen nach Babenhausen (Hessen) übergesiedelt, wo sich der Vater in Kriegsgefangenschaft aufhielt. „Jürgen besuchte 1957 noch einmal seine Großeltern in Colditz“, weiß Lange. „Ich war damals Autoschlosserlehrling, Jürgen machte drüben sein Abi. Zusammen gingen wir ein Bier trinken.“ Dann riss der Kontakt ab – bis die Schreckensnachricht 1977 kam.

Was Lange und andere Colditzer schmerzt: Alle Versuche, einen Ort der Ehrung für Schumann zu finden, schlugen bislang fehl. Bis jetzt. Am Montag soll in Colditz an der Fassade des Brauereigebäudes auf dem Markt eine Gedenktafel angebracht und enthüllt werden. Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) hatte sich dafür stark gemacht – und Wort gehalten.

Haig Latchinian

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