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Mitteldeutschland Köhlerei Eisenhammer: Holzkohle nach alter Tradition
Region Mitteldeutschland Köhlerei Eisenhammer: Holzkohle nach alter Tradition
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13:37 30.11.2018
Norma Austinat in der Köhlerei Eisenhammer bei Bad Düben Quelle: Hanna Gerwig
Bad Düben

Viel gibt es nicht zu sehen, wenn man auf der Bundesstraße 2 durch den Naturpark Dübener Heide fährt. Links und rechts grenzt der Wald an die Straße, nur vereinzelt fliegen ein paar Häuser am Fenster vorbei. Die Abzweigung zur Köhlerei Eisenhammer könnte man deshalb schnell übersehen. Norma Austinat und ihr Mann Jörn sind darauf angewiesen, dass ihre Gäste und Kunden wissen, wo sie zu finden sind.

Die letzten Köhler in der Region

Seit drei Jahren stellt das Paar aus Leipzig nach alter Handwerkstradition Holzkohle her. Für beide keine nahe liegende Berufswahl. Norma Austinat ist lange im Projektmanagement tätig, Jörn arbeitet selbstständig. Trotzdem erlernt er die Aufgaben eines Köhlers schon als Jugendlicher, indem er bei Hans-Joachim Lindner aushilft, dem früheren Besitzer der Anlage bei Bad Düben. Dieser will irgendwann in Rente gehen. „Konnte er aber nicht“, erzählt Norma in einem scherzhaften Ton. „Er war der letzte Köhler in der Region – seine Kunden hätten ihm das übel genommen“.

Seit etwa drei Jahren betreibt Norma Austinat mit ihrem Mann Jörn die Köhlerei Eisenhammer bei Bad Düben. Nachdem es im vergangenen Jahr Probleme durch Vernässungsschäden gab, will sich die 40-Jährige mit einem Handwerkerweihnachtsmarkt bei ihren Kunden verabschieden.

Sie geht in sich. Die Köhlerei würde der Eigentümer dem Ehepaar gern überlassen, das Arbeitsmaterial ist zu einem großen Teil schon vorhanden, der Absatz stimmt. Auch der Zustand der Ofenanlage ist gut, nur die Industrieglockenanlage ein wenig renovierungsbedürftig, aber das, so schätzt sie, sollte man in den Griff bekommen. 2016 macht sie sich mit einem Einzelunternehmen selbstständig. Auch Jörn Austinat ist für das Vorhaben Feuer und Flamme. Er übernimmt die Produktion. Schnell ist aber klar, dass auch sie mit anpacken muss. „In der ersten Zeit sind wir der Nachfrage hinterher gerannt“, sagt Norma. Sie verliebt sich in das Handwerk. „Dass ich einmal solche Begeisterung für Holzkohle aufbringen kann“, sagt sie. „Das hätte ich auch nicht gedacht“.

Nach turbulentem Jahr: Abschluss mit Weihnachtsmarkt

Tatsächlich trifft man wohl selten einen Menschen, der mit größerer Begeisterung von Verschwelungsprozessen und Brennöfen sprechen kann. Für Schulklassen und Ausflügler bieten die Austinats über ihre Stiftung auch Bildungstage an, auf denen Norma erklärt, wie das mit der Kohleproduktion funktioniert. Dabei wird das Holz in den vier Öfen, beziehungsweise der unterstützenden Industrieanlage des Betriebs aufgeschichtet und punktuell angezündet. Unter verminderter Luftzufuhr schwelt die Glut durch das Holz und lässt nach etwa einer Woche die Kohle zurück. Dabei erreiche man einen Kohlestoffanteil von bis zu 96 Prozent und somit optimale Brennbarkeit, sagt Norma Austinat stolz. Ein Unterschied zur Großindustrie, die sich eine solch lange Produktionszeit nicht leisten könne und so eher auf Quantität statt Qualität setze.

In diesem Jahr hatte die Köhlerei allerdings mit Problemen zu kämpfen. Der Auslöser war ausgerechnet das Wappentier der Dübener Heide: Der Biber. Dieser habe durch seine Dämme für eine Vernässung des Bodens gesorgt und so die Fundamente der Öfen geschädigt, sagt die 40-Jährige. Zwischenzeitlich war sogar die Existenz des Betriebs bedroht. Zum Glück seien dann aber Freunde eingesprungen, die mit viel handwerklichem Geschick einen Teil der Öfen zumindest notdürftig wieder instand setzten. Ein Testlauf soll in den nächsten Tagen starten. Um das Jahr noch zu einem guten Abschluss zu bringen, veranstaltet die Köhlerei am ersten Dezember einen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände –mit Handwerkskunst aus der Region, einer Wahrsagerin, verschiedenen Musikanten und natürlich einem großen Lagerfeuer mit eigener Kohle.

Von Hanna Gerwig

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