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Mitteldeutschland Kohlekonzern Mibrag schreibt Millionenverluste - 300 Stellen sollen wegfallen
Region Mitteldeutschland Kohlekonzern Mibrag schreibt Millionenverluste - 300 Stellen sollen wegfallen
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18:59 06.02.2018
Ein Schaufelradbagger überquert eine Straße und Bahnstrecke im Tagebau Profen (Sachsen-Anhalt). Quelle: dpa
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Leipzig

Der Abschied von der Braunkohle und das Schaffen von ausreichend neuen Jobperspektiven wird im Mitteldeutschen Revier rund eine Milliarde Euro kosten. Zu dieser Einschätzung kommt der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich. Das Paket, das die Verhandler für eine neue große Koalition im Bund für den Strukturwandel vorgesehen hätten, sei da nur ein bescheidener Anfang, erklärte der CDU-Politiker am Dienstag in Naumburg.

Union und SPD wollen im Falle einer neuen GroKo einen Fonds in Höhe von 1,5 Milliarden Euro auflegen. Zugleich soll ein Plan zum schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung vorgelegt werden.

Ulrich warnte erneut vor einem schnellen Ausstieg aus der Braunkohle. Im Mitteldeutschen Revier, das sich vor allem über den Süden Sachsen-Anhalts und den Raum Leipzig erstreckt, seien Übergangszeiten bis 2040 nötig. Andernfalls drohten schwerwiegende Konsequenzen, so der Landrat. In der Region hängen den Angaben zufolge 6000 Jobs an der Braunkohle. Es brauche Zeit, um neue gut bezahlte Industriearbeitsplätze zu schaffen und die Pendelwege in nahe Zentren zu verbessern.

Braunkohlekonzern Mibrag schreibt Verluste

Der Braunkohleförderer Mibrag mit Sitz in Zeitz ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. 1900 Menschen sind direkt bei der Mibrag beschäftigt, 800 weitere in der Gruppe. Mibrag fördert Kohle in den Tagebauen Profen und Vereinigtes Schleenhain bei Leipzig. Das Unternehmen rutschte 2016 in die roten Zahlen und schrieb einen Verlust von 43,7 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte die Mibrag noch einen Gewinn von 13,5 Millionen Euro gemacht. Zuvor hatte die „Mitteldeutsche Zeitung“ über das Minus berichtet.

Der Verlust sei von der tschechischen Muttergesellschaft EPH ausgeglichen worden, heißt es im Jahresabschluss der Mibrag. Der Umsatz sank um 6,7 Prozent auf 373,4 Millionen Euro. Hauptgrund sei der deutliche Rückgang des Rohkohleabsatzes. Die Mibrag baute 17,3 Millionen Tonnen Kohle ab, der Absatz ging um knapp 5 Prozent zurück. Inzwischen liege die Kohleförderung wieder über diesem Niveau, teilte die Mibrag am Dienstag mit.

Mibrag will 300 Stellen streichen

Das überdurchschnittliche Windaufkommen und der Ausbau von Windkraftanlagen senkte die Nachfrage nach dem fossilen Brennstoff vor allem im ersten Halbjahr 2016, hieß es. Auch in den kommenden Jahren rechnet die Mibrag mit einem schwierigen Geschäft. Bis 2020 sollen gut 300 Jobs wegfallen. Kündigungen soll es nicht geben, stattdessen sollen frei werdende Stellen nicht nachbesetzt werden.

Die Debatte um die Energiewende und die Zukunft der Braunkohleverstromung sorge auch mittelfristig für Unsicherheit, hieß es. Neben dem Kerngeschäft der Kohleförderung widme sich die Gruppe auch neuen Geschäftsfeldern, teilte Mibrag mit. Erst im Dezember sei der Energiepark Profen als Gemeinschaftsprojekt mit dem Magdeburger Energiedienstleister Getec ans Netz gegangen.

dpa

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