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„Komasaufen“ unter Jugendlichen in Sachsen weiter auf dem Vormarsch

„Komasaufen“ unter Jugendlichen in Sachsen weiter auf dem Vormarsch

Trinken bis zum Umfallen: Unter vielen Jugendlichen in Sachsen ist das sogenannte Komasaufen weiterhin auf dem Vormarsch. Städte und Vereine versuchen mit speziellen Projekten und Präventionsangeboten, das Problem zu bekämpfen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

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Alkohol ist unter Jugendlichen ein wichtiges Thema. Experten fordern mehr Geld für präventive Maßnahmen, um die Heranwachsenden über die Gefahren des exzessiven Konsums aufzuklären.

Quelle: dpa

Dresden. Von mobiler Saftbar bis hin zum Rauschbrillentest gibt es zahlreiche Angebote.

Nach Angaben des Sozialministeriums in Dresden wurden in sächsischen Krankenhäusern 2011 insgesamt 814 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 19 Jahren wegen eines Alkoholrausches behandelt. 2010 waren es noch 831. „Berücksichtigt man aber die Bevölkerungsentwicklung, ist ein Anstieg zu verzeichnen“, sagte Sprecher Ralph Schreiber. Auf 100.000 Jugendliche in diesem Alter kamen im Jahr 2010 nach Angaben Schreibers 598 Fälle, 2011 waren es 631.

Höhere Preise und Altersgrenzen könnten helfen

„Das Problem beschäftigt uns weiterhin“, sagte der Leiter der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS), Olaf Rilke. Vor allem alkoholische Mixgetränke, die in immer neuer Form auf den Markt kämen, seien bei jungen Leuten beliebt. „Die sind süß, das lässt den Anteil der Mädchen unter den exzessiven Trinkern steigen“, erläuterte Rilke. Er kritisierte, dass Alkohol in Deutschland leicht und billig zu haben sei. „Eine Verteuerung könnte helfen.“ Zudem plädierte Rilke dafür, die Abgabegrenze auch für Bier und Wein auf 18 Jahre anzuheben. Er verwies auf andere europäische Länder wie etwa Frankreich, wo ein solches Gesetz mit Erfolg praktiziert werde.

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Ein Schnapsfläschchen gehört für diese Jugendlichen zum Feiern mit dazu.

Quelle: dpa

Barbara Teichmann vom Berufsverband der Kinderärzte Sachsen erlebt in ihrer Notfallpraxis jeden Monat mindestens einen Fall von „Komasaufen“. „Erschreckend ist, dass die Betroffenen immer jünger werden.“ Schon manche Zehn- oder 12-Jährige würden Alkohol in großen Mengen gemeinsam konsumieren. Für Jugendliche, die wiederholt wegen eines Alkoholrausches behandelt werden müssen, schlägt der Verband eine Plicht zur Suchtberatung oder Gesprächsrunden vor. Auch Sozialstunden in Pflegeheimen könnten helfen.

In Sachsen soll das Bundesmodellprojekt „Hart am Limit“ (HaLT) übermaßigem Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen Einhalt gebieten, Projekte gibt es derzeit in Dresden und Leipzig. In Chemnitz und mehreren Landkreisen wird die Umsetzung laut Sozialministerium derzeit geprüft.

Jugendlichen die Folgen extremen Alkoholkonsums vor Augen führen

Krankenhäuser, Suchtberatungsstellen, Städte und Vereine gehen für HaLT das Problem gemeinsam an. „Noch am Krankenbett werden Kinder und Jugendliche von einer Fachkraft beraten“, erklärte Sylke Lein, Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig. Zudem werde sie eingeladen, mit gefährdeten Gleichaltrigen über ihren Alkoholkonsum zu sprechen und Risiken einzuschätzen. „Dort sollen sie auch lernen, dem Gruppendruck besser zu widerstehen“, so Lein. Rund 75 Eltern- und knapp 80 Brückengespräche wurden 2012 für HaLT in Leipzig geführt.

Die Suchtprävention Sachsen will Jugendlichen die peinlichen Folgen von Alkoholexzessen vorführen, unter anderem mit sogenannten Rauschbrillen. Diese simulieren Wahrnehmungsveränderungen, die man mit 1,5 Promille im Blut erleben würde. „Vielen fällt es dann schwer, etwa Kleingeld aus der Tasche zu kramen oder eine Telefonnummer einzugeben“, erklärt Sirko Schamel von der Fachstelle Dresden. Auch ein Mitmach-Parcours zum Thema Sucht haben die Experten entwickelt, der an Schulen oder in Jugendeinrichtungen aufgebaut wird. Ein mobiler „Saftladen“ soll alkoholfreie Cocktails als Party-Alternative schmackhaft machen.

„Es müsste noch mehr in Sachen Prävention getan werden“, sagte Schamel. Doch vielerorts fehle es an Personal und Fachkräften, um gerade an Schulen die Jungen und Mädchen anzusprechen. „Fest steht, Alkohol bleibt ein großes Thema bei den Jugendlichen.“

Christiane Raatz, dpa

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