Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Kontroverse Reaktionen im Bundestag zu Forderung nach Cannabis-Freigabe
Region Mitteldeutschland Kontroverse Reaktionen im Bundestag zu Forderung nach Cannabis-Freigabe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:02 25.01.2012
Die Forderung der Linken nach einer Freigabe von Cannabis und der Schaffung von Clubs zum Anbau solcher Pflanzen hat im Bundestag kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Quelle: dpa
Berlin

Cannabis führe zu physischer und psychischer Abhängigkeit, sagte der Vorsitzende der Suchtkommission der jugendpsychiatrischen Fachgesellschaften, Rainer Thomasius, am Mittwoch in einer Expertenanhörung. Es muss aus seiner Sicht verboten bleiben.

Dagegen ist der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, der Ansicht, das Verbot verhindere Vorbeugung. Es produziere jährlich eine sechsstellige Zahl von Konsumdelikten, die die Strafverfolgungsbehörden beschäftigten. Das Verbot müsse überdacht werden. Der Jugendschutz gehöre dabei beachtet.

Die Linke will Haschisch und Marihuana in Vereinen legalisieren. Aufklärung, Jugendschutz und Prävention sollen vorangebracht und der Schwarzmarkt bekämpfen werden. Erlaubt sein soll der Besitz von 30 Gramm getrocknetem Cannabis.

Oberstaatsanwältin Hannelore Biniok aus Frankfurt am Main strich heraus, das Verbot bleibe nötig, weil neu gezüchtete Sorten einen höheren Wirkstoffgehalt hätten. „Fast jeder, der später Kokain oder Ähnliches konsumiert, hat mit Cannabis angefangen“, sagte der Trierer Staatsanwalt Jörn Patzak.

Hans-Günther Meyer-Thompson von der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin meinte hingegen: „Durch fortgesetzte Kriminalisierung hat sich ein neuer Markt aufgetan.“ Cannabis-Clubs könnten einen geregelten und kontrollierten Zugang für erwachsene Konsumenten ermöglichen. „Der Schwarzmarkt verhindert die Kontrolle, sowohl der Quantität als auch der Qualität“, sagte Nicole Krumdiek von der Universität Bremen.

Der Deutsche Hanf Verband kritisierte, in manchen Bundesländern würden schon beim Besitz von zwei Gramm Cannabis Haus- und Körperdurchsuchungen durchgeführt. Davor müsse man die Konsumenten schützen.

Die Drogenbeauftragte der SPD-Fraktion, Angelika Graf, schlussfolgerte: „Eine Legalisierung in Form von Cannabis-Clubs würde mehr Probleme schaffen als lösen.“ Unionsfraktionsvizechef Johannes Singhammer (CSU) sagte: „Cannabis ist keine Spaßdroge.“ Die Schädlichkeit zu verharmlosen, sei unverantwortlich.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnte: „Eine Legalisierung dieser Einstiegsdroge kann die schädliche Entwicklung noch fördern.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gegner einer Legalisierung von Cannabis argumentieren, neuere Züchtungen hätten einen stark gestiegenen Gehalt des berauschenden Wirkstoffs THC. Davon werde man leichter abhängig.

25.01.2012

Der Erfurter Giftnotruf beobachtet mit Sorge die wachsende Verbreitung der Droge Crystal im Osten. Vor allem in Thüringen und Sachsen sei das gefährliche Methamphetamin - das auch „Meth“ oder „Ice“ genannt wird - im Umlauf, sagte der Leiter des Giftinformationszentrums der betreffenden Länder, Helmut Hentschel, der Nachrichtenagentur dpa.

25.01.2012

Mechthild Dyckmans (FDP), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, lehnt die Legalisierung von Cannabis ab und ist gegen eine Aufweichung des Rauchverbots. Diese werde in einzelnen Bundesländern wie Sachsen betrieben und stelle einen Schritt zurück dar.

25.01.2012