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Mitteldeutschland Kritik an Verbeamtung von Lehrern in Sachsen
Region Mitteldeutschland Kritik an Verbeamtung von Lehrern in Sachsen
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16:33 09.03.2018
Die Verbeamtung der Lehrer in Sachsen sorgt auch für Kritik. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Leipzig

Die schwarz-rote Koalition hat sich auf Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen verständigt. Dem Vernehmen nach ist die Verbeamtung neuer Lehrkräfte ab Januar kommenden Jahres vorgesehen. Auch bereits beschäftigte Lehrer sollen die Möglichkeit zur Verbeamtung erhalten, wenn sie jünger als 42 Jahre sind. Das stößt auch auf Kritik - zum Beispiel von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Es sei klar gewesen, dass sich nicht einfach aus der Welt schaffen lässt, was die Politik im Freistaat so lange versäumt hatte. „Mit diesen Plänen zieht kein Frieden in den sächsischen Klassenzimmern ein“, sagt GEW-Vorsitzende Ursula-Marlen Kruse. „Sachsen schließt zwar eine Lücke zu den Bundesländern, die ihre Lehrer längst verbeamtet haben.“

Gerechtigkeitslücke?

Ob die Pläne allerdings mehr Kräfte nach Sachsen locken, bezweifelt sie stark. „Dafür kommt das sehr spät und andere Länder werben ebenfalls um Nachwuchs.“ Auch ob in Sachsen ausgebildete Kräfte bleiben, werde sich erst zeigen.

Das größte Problem sieht Kruse allerdings in der Gerechtigkeitslücke, die die Pläne reißen. Sie glaubt, dass Lehrer, die nicht in den Genuss der Verbeamtung kommen, künftig schwer zu motivieren seien. Sachsen zahle einen hohen Preis für eine falsche Politik.

Kritik vom Schülerrat

Kritik kommt auch vom Landeschülerrat (LSR). Vorsitzender Noah Wehn: „Die Verbeamtung ist ein Vorhaben auf dem Rücken der jungen Generation. Durch diese Entscheidung wälzt die Koalition die Kosten des Lehrermangels auf die heutigen Schüler ab, die morgen die entstehenden Mehrausgaben bezahlen sollen, abgesehen davon, dass die Maßnahme schlichtweg nicht mehr zeitgemäß ist.“

Grundsätzlich verdiene die sächsische Lehrerschaft eine angemessene Anerkennung, habe sie doch unter dem Personalmangel der letzten Jahre besonders gelitten. „Die Höhergruppierung von Grundschulleherern und in der DDR ausgebildeten Lehrkräften sind ein wichtiger Beitrag dazu. Ebenso ist es richtig, die wöchentlichen Pflichtstunden nicht von 27 auf 28 zu erhöhen. Viele Lehrkräfte halten aufgrund von Ausfall und allgemeinem Personalmangel bereits mehr Stunden.“

Positiv beurteilt der LSR das vorgeschlagene Mentoring-Programm für Seiteneinsteiger. Dieses ermöglicht den Schulen eine langfristige und den Einsatz begleitende Qualifizierung der Seiteneinsteiger, indem deren Betreuung durch ausgebildete Lehrer besser als bisher sichergestellt werden könne.

"Guter Ansatz"

„Die vorgestellten Maßnahmen sind zwar ein guter Ansatz, gehen aber weitestgehend an der Realität vorbei“, erklärt Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow. „Eine Reduzierung der Unterrichtsstunden stellt keine Lösung dar, ebenso wenig wie die Verbeamtung. Seit Jahren überfällige Maßnahmen werden als Innovation verpackt, grobe Versäumnisse unter den Tisch gekehrt.”

Zastrow zu den einzelnen Vorschlägen: „Die angedachten Maßnahmen zu Höhergruppierungen und höheren finanziellen Anreizen für Lehrer sind sinnvoll. Aber wann werden Taten folgen? Wie lange wollen wir warten bis sich die Situation verbessert? Wir brauchen jetzt mehr Freiheit für unsere Bildungsexperten, denn sie tragen die Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder.“

Nicht länger auf Wertschätzung warten

Eine attraktivere Bezahlung und damit verbundene Wertschätzung der Lehrer dürfe nicht länger auf sich warten lassen. Denn der Wettbewerb um Lehrer zwischen den Bundesländern wird sich weiter zuspitzen, so Zastrow.

Der Vorsitzende der Freien Demokraten Sachsens bekräftigt abschließend: “Die weltbeste Bildung ist nur mit weltbesten und motivierten Lehrern möglich.”

LVZ

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