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Mitteldeutschland Kultusministerium: Noch nichts entschieden zum Thema Unterricht reduzieren
Region Mitteldeutschland Kultusministerium: Noch nichts entschieden zum Thema Unterricht reduzieren
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14:50 02.03.2018
Leeres Klassenzimmer (Symbolbild). Sachsen will den Unterricht in bestimmten Fächern reduzieren. Quelle: dpa
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Das geplante Maßnahmenpaket zu Bekämpfung des Lehrermangels in Sachsen heizt die Atmosphäre in der schwarzen-roten Koalition erstmals seit dem Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) wieder kräftig auf. Seit Wochen verhandeln CDU und SPD darüber, doch durchgestochene Erfolgsmeldungen erweisen sich stets als heiße Luft. Gern wird dabei in Dresden auch über die Bande gespielt.

So auch gestern, als die in Chemnitz erscheinende „Freie Presse“ aus einem gemeinsamen Papier von Kultusminister Christian Piwarz und Finanzminister Matthias Haß (beide CDU) zitierte, das vorsieht, den Unterricht in Sachsen in bestimmten Fächern zu kürzen. Vorgesehen sei, ab dem Schuljahr 2019/20 in den fünften Klassen die Fächer Kunst und Musik um eine Wochenstunde zu reduzieren. Sechstklässler sollen an Oberschulen und Gymnasien eine Stunde weniger in ihrer zweiten Fremdsprache  unterrichtet werden.

Ebenso sei geplant, das Fach Sport einheitlich für alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden zu begrenzen. Zum Ausgleich soll es ab August 2019  flächendeckende Angebote zur sportlichen Betätigung geben. Dafür, so der Plan, könnten dann die Mittel für Ganztagsangebote um jährlich 17,5 Millionen Euro aufgestockt werden.

Schwerpunkte Medien und politische Bildung 

Das Sächsische Kultusministerium bestätigte gestern die Pläne. „Entschieden ist aber noch nichts“, sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Gleichzeitig erinnerte er daran, das die Überlegungen nicht neu seien. So hatte schon Piwarz’s Vorgängerin im Amt, Brunhild Kurth (CDU), im Januar vergangenen Jahres angekündigt, mit dem neuen Schulgesetz auch die Lehrpläne aller Schularten zu prüfen.

So soll der Schwerpunkt im Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schulen künftig in Richtung Medien- und politische Bildung verlagert werden. Und die für Sachsen typische hohe Unterrichtsbelastung abgesenkt werden. Dadurch entstünden zeitliche Räume, um die ab 1. August in allen allgemeinbildendenden Schulen einzurichtenden schulischen Ganztagsangebote nutzen zu können.

Unglücklich allerdings, dass dieses Vorhaben an die Öffentlichkeit kommt, nachdem Piwarz Mitte der Woche einräumen musste, dass im zweiten Schulhalbjahr von 660 freien Stellen bisher nur 622 besetzt werden konnten. Wörtlich hatte Piwarz gesagt: „Es ist fünf nach zwölf.“ Landesschülersprecher Noah Wehn, zeigte sich deshalb gestern „überrascht, dass die Kürzung der Stundentafel nun als Maßnahme gegen den Lehrermangel herangezogen werden soll“. Er erinnerte daran, dass Ministerpräsident Kretschmer angekündigt hatte, dass die Sparpolitik der letzten Jahre beendet wird. Unabhängig davon sei zu diskutieren, wie künftig mit den Fächern Kunst, Musik und Sport umgegangen werden soll.

Geteilte Reaktionen

Diese Verknüpfung bedauert auch Jens Weichelt, der Landesvorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes: „Ich hätte mir gewünscht, dass diese Diskussion nicht vor dem Hintergrund des Lehrermangels geführt worden wäre.“ Fakt sei nämlich, dass sächsische Schüler im bundesweiten Vergleich den umfangreichsten Stundenplan haben. Die Stärkung der politischen  Bildung bei gleichzeitiger Reduzierung von Sport, Musik, Kunst und Unterricht in einer zweiten Fremdsprache habe natürlich auch einen durchaus erwünschten Nebeneffekt: 800 Lehrer würden künftig weniger benötigt.

Mehr Sachlichkeit in der Schuldebatte mahnte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Lothar Bienst an: „Schule muss auf Entwicklungen in der Gesellschaft reagieren und sich bei den Stundentafeln stets modernisieren.“ Wer mehr digitale und politische Bildung wolle, müsse sagen, was dafür weniger unterrichtet werden soll.  Seine Fraktion werde sich jedenfalls aktiv und konstruktiv einbringen. „Das Gleiche erwarten wir auch von unserem Koalitionspartner SPD“, teilte Bienst aus.

Deren Bildungsexpertin Sabine Friedel schoss prompt zurück: „„Es wäre gut, wenn der Koalitionspartner, wie vereinbart, die Argumente mit uns am Verhandlungstisch austauscht und keine veralteten Papiere an die Presse übermittelt.“ Eine Bildungspolitik, die sich auf das willkürliche Streichen einzelner Fächerstunden oder auf einen Beamtenstatus konzentriere, sei für die SPD nicht tragbar. Deswegen verhandele man so hart mit dem Koalitionspartner. Dennoch sei sie zuversichtlich, versicherte Friedel.

Mehr und vertraulich reden

Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, betonte, ihre Partei verfolge „mit großer Sorge die Tendenz, den Fachunterricht in Musik und Kunst an den Schulen aus Kostengründen zu reduzieren“. Im Grundschulbereich würden bereits jetzt 60 Prozent des Kunst- und Musikunterrichts nicht mehr von Fachlehrern und -lehrerinnen unterrichtet. Eine weitere Reduzierung  lehne die Linke ab. Auch GEW-Chefin Uschi Kruse kommentierte gestern: „Dass wir das kritisch sehen, ist doch wohl klar.“

Für die sächsischen Grünen, erklärte deren Sprecherin Petra Zais, sie sei es mittlerweile leid, den koalitionsinternen Streit zu kommentieren. „Ich empfehle, mehr und vertraulich miteinander anstatt mit der Presse zu reden“, so Zais. Eine Einigung über ein Maßnahmenpaket steht nach wie vor aus. Der Vorwurf aus CDU-Kreisen lautet, die SPD überfrachte die Verhandlungen mit immer neuen Forderungen. Die Zeit dafür drängt allerdings. In der Eckwerteklausur am 11. März sollen die Fundamente für den neuen Haushaltsentwurf der Koalition gelegt werden.

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