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Kunstherz rettet Thüringer Jungen - Fünfjähriger als jüngster Patient an Pumpsystem

Kunstherz rettet Thüringer Jungen - Fünfjähriger als jüngster Patient an Pumpsystem

Weil ein geeignetes Spenderherz fehlte, hat ein Fünfjähriger aus Thüringen zweieinhalb Jahre mit Hilfe eines künstlichen Herzens gelebt. Pascal Häfer aus Tabarz ist damit der jüngste Patient, der je solange an ein Pumpsystem außerhalb des Körpers angeschlossen sein musste.

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Pascal Häfer mit seinem Vater Danny (34): Der Fünfjährige aus Tabarz muss sich noch vor Keimen schützen, kommt aber mit seinem neuen Herzen schon gut zurecht.

Quelle: dpa

Berlin/Tabarz. Erst vor rund zwei Monaten wurde ihm am Deutschen Herzzentrum in Berlin ein Herz transplantiert - mit Erfolg.

Der fünfjährige Pascal greift sich munter Gummibärchen aus der Tüte und lässt seinen Matchbox-Laster über den Tisch sausen. Der Mundschutz und die bunten Handschuhe, die er dabei trägt, scheinen ihn ebenso wenig zu stören wie die Ärzte und Journalisten, die ihn umringen. Denn der Junge aus dem thüringischen Tabarz ist ein besonderer Fall: Mit nur einer Herzkammer geboren, hat er die vergangenen zweieinhalb Jahre im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZ) mit Hilfe eines Kreislauf-Unterstützungssystems überlebt, an das er über zwei Meter lange Schläuche angeschlossen war. Nur ein Mädchen aus Erlangen lebte bereits noch länger mit der externen Herz-Pumpe. Für Pascal fand sich im Frühsommer endlich das ersehnte Spenderherz.

"Eigentlich ist das 'Berlin Heart' für kurze Überbrückungszeiten gedacht. Aber weil immer weniger Organe gespendet werden, werden die Wartezeiten für die Patienten immer länger", berichtete Prof. Felix Berger, Direktor der Kinderkardiologie am DHZ. Auch zwei weiteren Kindern, dem zweieinhalbjährigen Naser N. und Hadi S.-H. (15), hat das Kunstherz ermöglicht, die lange Wartezeit bis zur Transplantation zu überleben. "Mir geht es viel besser als vorher", sagte Hadi. Er hofft, in einem Monat wieder zur Schule gehen zu können.

Soweit ist Pascals Familie noch lange nicht. "Wir gehen jetzt in die Reha. Und dann endlich nach Hause", erzählt seine Mutter Kathrin (31). "Pascal kennt sein Zuhause ja kaum noch." In den 841 Tagen mit Kunstherz beschränkte sich sein Radius auf das Krankenhaus und den Park darum herum. Die Eltern, die die gesamte Zeit im Ronald MacDonald-Haus lebten, kümmerten sich im Schichtdienst um ihren Sohn, schoben ihn auch schon mal oben auf dem fahrbaren 'Berlin Heart' durch den Park. "Sonn- und Feiertag gab es nicht", berichtet Vater Danny (34). Von ihren Jobs mussten sie sich während der nervenzehrenden Wartezeit beide beurlauben lassen.

Infektionen und Blutgerinnsel sind dabei die zwei großen Gefahren, die den Kunstherz-Patienten drohen. "Deshalb werden die Geräte auch zweimal am Tag sorgfältig von Technikern durchleuchtet", berichtet Berger. Während es für erwachsene Patienten mittlerweile neuartige, implantierbare Unterstützungspumpen gibt, ist das 'Berlin Heart' für Kinder bislang das weltweit einzige Verfahren. "Bislang gelingt es nicht, die neuen Pumpen klein genug zu bauen. Und wenn die Kinder wachsen, müssten die Unterstützungspumpen durch leistungsstärkere ausgetauscht werden", berichtete Dirk Lauscher von der Berlin Heart GmbH.

Derzeit warten in Deutschland rund 1000 Menschen auf ein Spenderherz, etwa 170 wurden in diesem Jahr bislang transplantiert. Doch die Zahl der Organspenden sinkt insgesamt seit Jahren: 2012 waren es rund 13 Prozent weniger als im Vorjahr, 2013 verstärkt sich der Trend weiter, wie die Stiftung Organtransplantation berichtet. Hier machen sich die Missbrauchsfälle in der Vergabepraxis bemerkbar, die 2012 für Schlagzeilen sorgten. "Die hatten sehr negativen Einfluss auf die Bereitschaft, Organe zu spenden", sagte Prof. Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des DHZ.

Pascals Eltern sind beide Organspender - und sie hoffen, dass bald wieder so etwas wie Normalität in ihr Leben kommt. Kurz nachdem Pascal schwerstkrank an die Herz-Pumpe angeschlossen worden war, erlitt er einen Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel. "Sprechen und laufen muss er jetzt erst wieder richtig lernen", sagt seine Mutter. Der Unterschied nach der Herz-Transplantation sei aber deutlich zu spüren. Sie lacht. "Er hat jetzt echt Hummeln im Hintern."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2013

Andrea Barthélémy

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