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Mitteldeutschland Landesstelle: Zu wenige Jobs für suchtkranke Menschen
Region Mitteldeutschland Landesstelle: Zu wenige Jobs für suchtkranke Menschen
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15:20 31.03.2018
Für die Therapie suchtkranker Menschen gibt es in Sachsen aus Sicht der Landesstelle gegen die Suchtgefahren zu wenige geeignete Jobs. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Dresden

Für die Therapie suchtkranker Menschen gibt es in Sachsen aus Sicht der Landesstelle gegen die Suchtgefahren zu wenige geeignete Jobs. "Die Arbeits- und Beschäftigungsförderung ist da unzureichend", kritisiert Geschäftsführer Olaf Rilke in Dresden. "Arbeitsmöglichkeiten werden aber gebraucht, um den Therapieerfolg zu stabilisieren." Seinen Angaben zufolge gibt es landesweit nur etwa 500 solcher Arbeitsplätze, die in der Regel von den Wohlfahrtsverbänden angeboten werden. "Das ist zu wenig."

Die Anstrengungen der Kommunen bei der Suchtberatung hält Rilke prinzipiell für ausreichend. Diese engagierten sich unterschiedlich - je nach Finanzkraft. Die personelle Situation habe sich vor allem unter dem Eindruck des Crystals-Problems, der illegalen Droge Nummer eins, gut entwickelt. "Aus meiner Sicht sind Therapieplätze ausreichend vorhanden", sagt er. In den nächsten Monaten kämen 50 weitere hinzu. "Suchtkranke könnten in der Regel relativ schnell mit einer Therapie beginnen."

26.000 Menschen bei Suchtberatung

Dem Suchtbericht 2017 der Landesstelle zufolge haben in Sachsen 2017 mehr als 26.000 Menschen die Suchtberatung aufgesucht. Das ist etwas weniger als in den beiden Vorjahren. Allerdings hat der Anteil derer etwas zugenommen, die wegen illegaler Drogen professionelle Hilfe suchten. Das war 2017 fast das jeder dritte Betroffene (31 Prozent).

Die häufigste Suchtdiagnose - jede vierte - bezog sich demnach auf Alkohol. Bei illegalen Drogen rangiert Crystal weiter ganz vorn. Allerdings: Erstmals seit sieben Jahren war die Nachfrage nach Beratungen und Behandlungen hier rückläufig. Eine steigende Tendenz weist der Bericht allerdings für Cannabis aus.

In Dresden muss es laut Förderrichtlinie für die etwa 536.000 Einwohner rechnerisch 21,45 Vollzeitfachkräfte für eine Suchtberatung geben. Das werde zwar abgedeckt, heißt es. Rechnerisch 19,175 Berater seien es bei freien Trägern, 7,3 bei der Stadt. Um Menschen, die riskante Suchtmittel konsumieren, möglichst gut individuell zu beraten und zu behandeln, seien in bestimmten Bereichen jedoch mehr Personal und Mittel wünschenswert, sagt eine Stadt-Sprecherin.

Mehr Prävention notwendig

Finanzbedarf wird vor allem in der Prävention gesehen. Auch die Suchtversorgung junger Patienten und Geflüchteter sei schwierig. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie fehlten akut Plätze und Fachärzte. Minderjährige warteten aktuell etwa vier Monate auf eine ambulante Behandlung, im stationären Bereich seien es sogar bis zu sechs Monate, so die Sprecherin.

Auch die Behandlung junger Erwachsener (18 bis 21 Jahre) sei schwierig. Sie würden auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht mehr aufgenommen, gehörten aber noch nicht zur Erwachsenenpsychiatrie.

Die Arbeitsgelegenheiten für Suchtmittelkonsumenten reichten hingegen aktuell aus. "Ein Einstieg in vom Jobcenter finanzierte Maßnahmen ist in der Regel innerhalb eines Monats möglich", sagt die Sprecherin. Die Diakonie bietet mit "Inthis" ein Beschäftigungsprojekt mit zusammen 32 Plätzen für Suchtkranke an.

Therapieplätze und Langzeit-Reha

In Chemnitzer Suchtberatungen bewegt sich die Zahl der Klienten nach Angaben der Stadt seit mehreren Jahren konstant bei etwa 1500. Die Zahl der Berater liegt sogar leicht über dem empfohlenen Schlüssel von einer Fachkraft je 20.000 Einwohner. Die Suchtberatungsstellen hätten 2017 unter anderem 7182 Beratungen von je mindestens 50 Minuten abgedeckt.

26 stationäre Therapieplätze für Suchtkranke gibt es im Klinikum Chemnitz, Angebote für alkohol- oder medikamentenabhängige Männer in der Suchtfachklinik "Magdalenenstift" der Stadtmission. Dort gebe es 30 Behandlungsplätze für eine Langzeit-Reha. Zwar gebe es in der Stadt mehrere Arbeitsgelegenheiten für Suchtkranke. "Bei den Angeboten übersteigt der Bedarf oft die verfügbaren Kapazität", heißt es.

LVZ

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