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Laserpointer-Angriffe auf Flugzeuge in Leipzig und Dresden häufen sich

Laserpointer-Angriffe auf Flugzeuge in Leipzig und Dresden häufen sich

Es ist der Horror für Piloten: Attacken mit Laserpointern häufen sich an Sachsens Flughäfen. An den Airports Leipzig/Halle und Dresden wurden 2012 insgesamt 27 Fälle gezählt.

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Laserpointer-Attacke auf Flugzeug-Piloten: An keinem mitteldeutschen Airport wurden 2012 so viele Fälle registriert wie in Leipzig/Halle (Symbolbild).

Quelle: Screenshot Youtube PolizeiZuerich

Leipzig. Besonders in den Sommermonaten werden laut Deutscher Flugsicherung (DFS) viele Angriffe auf Jets registriert. Die Täter sind allerdings schwer zu fassen. Die Pilotenvereinigung Cockpit schlägt deshalb Alarm und fordert ein generelles Verbot lichtstarker Laser-Geräte.

Erst am Dienstag vergangener Woche wurde erneut ein Pilot im Landeanflug auf den Flughafen Leipzig/Halle von Unbekannten geblendet. „Der Laserpointer-Angriff erfolgte kurz vor Mitternacht von der B 91 am Chemiepark Leuna“, berichtet Sprecherin Antje Hoppen von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd auf Anfrage von LVZ-Online. Der Kapitän der Frachtmaschine alarmierte den Tower, das Polizeirevier Saalekreis schickte mehrere Streifenwagen los. „Die Kollegen untersuchten den gesamten Bereich auf verdächtige Fahrzeuge oder Personen. Ohne Erfolg“, erklärt Hoppen. Die Maschine konnte zum Glück sicher landen.

Bundesweit 720 Fälle in einem Jahr – Tendenz steigend

Am Flughafen Leipzig/Halle ist das kein Einzelfall: Insgesamt 19 Mal wurden der Flugsicherung im vergangenen Jahr Laserpointer-Attacken bei Starts oder Landungen gemeldet, in Dresden waren es acht Fälle – Tendenz steigend. Erfurt blieb bislang weitestgehend verschont. „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, sondern hochgefährlich“, betont DFS-Sprecher Stefan Jaekel. Im günstigsten Fall kann eine Landung vom Co-Piloten übernommen werden – im schlimmsten Fall muss sie abgebrochen werden.

Bundesweit stieg die Zahl der Blendungen 2012 dramatisch an: Die DFS zählte 720 Fälle, im Vorjahr waren es noch 636. Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig, dem nur die deutschen Airlines Laserpointer-Attacken melden, registrierte allein 342 Fälle. Seit 2009 haben sich die Angriffe damit insgesamt verzehnfacht. An der Spitze der Flughäfen rangierten 2012 Frankfurt/Main (38 Fälle), Köln/Bonn (31) und Stuttgart (30). Experten schätzen jedoch, dass die Dunkelziffer weit darüber liegt.

Piloten kurzzeitig blind

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In den Sommermonaten häufen sich die Fälle – meist in den Abendstunden zwischen 18 und 23 Uhr.

Quelle: Armin Kühne

Die Pilotenvereinigung Cockpit beobachtet die Laser-Attacken mit Sorge. „Eine solche Blendung ist vor allem im Landeanflug extrem gefährlich“, sagt Sprecher Martin Locher. Die Piloten berichten von Sehstörungen oder sogar kurzzeitiger Blindheit, häufig können sie ihre Instrumente nicht mehr ablesen. „Das Flugzeug kann so in einen unkontrollierbaren Zustand geraten, der einen Unfall nach sich ziehen kann“, so Locher. Auch die Gesundheit der Piloten wird akut gefährdet: 2012 mussten sich laut Luftfahrt-Bundesamt sechs Besatzungsmitglieder wegen Laserpointer-Attacken in augenärztliche Behandlung begeben.

In den Sommermonaten häufen sich nach DFS-Angaben die Fälle – meist in den Abendstunden zwischen 18 und 23 Uhr. Die Angreifer verwenden in der Regel besonders lichtstarke Geräte, die eine Reichweite von mehreren Kilometern besitzen und im Internet frei erhältlich sind. „Das sind keine normalen Pointer, mit denen man bei einem Vortrag an die Wand strahlt“, weiß DFS-Sprecher Jaekel.

Laserstrahl bis ins Weltall – in Deutschland legal

Marktübliche Büro-Geräte haben eine Leistung von nur etwa einem Milliwatt – die Leistung der gefährlichen Leuchtstifte liegt dagegen um das hundert- oder tausendfache darüber. Im Umlauf sind sogar Pointer mit bis zu zwei Megawatt Leistung, mit denen man selbst Satelliten anleuchten kann. Der Besitz ist hierzulande – anders als beispielsweise in Großbritannien – legal. Die Blend-Attacken auf Flugzeuge gelten jedoch als gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr und damit als Verbrechen. Bei einer Verurteilung drohen hohe Geldstrafen oder bis zu zehn Jahre Haft.

Für die Ermittler ist die Fahndung nach den Tätern ein Wettlauf gegen die Zeit, wie Sprecher Jens Damrau von der Bundespolizei in Leipzig erklärt. Werde ein Pilot geblendet, melde er dies zunächst dem Tower. Die Fluglotsen alarmieren anschließend die zuständigen Polizeireviere. „Hierbei vergehen wertvolle Minuten. Bevor die Einsatzkräfte vor Ort eintreffen, sind die Täter meist schon verschwunden“, so Damrau. Auch Hubschrauber mit Wärmebildkameras führen selten zum Erfolg.

Täter werden nur bei "konkreter Gefährdung" belangt

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Anders als oft vermutet, stehen die Täter so gut wie nie direkt am Flughafenzaun sondern weiter entfernt in der Einflugschneise.

Quelle: dpa

Erschwerend kommt hinzu: Die Piloten können den genauen Ort der Angreifer meist nur grob lokalisieren. „Das ist, als würde eine Taschenlampe an- und ausgeschaltet“, schildert Damrau. Besonders schwierig zu orten sei die Attacke, wenn sie aus einem Wohngebiet oder einem Wald heraus erfolge, ergänzt Flugsicherheits-Experte Jaekel. Denn anders als oft vermutet, stünden die Täter so gut wie nie direkt am Flughafenzaun sondern weiter entfernt in der Einflugschneise.

Die Pilotenvereinigung macht sich bereits seit Jahren für ein Verbot der leistungsfähigen Laserpointer und härtere Sanktionen zur Abschreckung stark. Gerichte würden die Täter bislang nur belangen, wenn eine konkrete Gefährdungssituation vorgelegen habe, beklagt Cockpit-Sprecher Locher. Er fordert jedoch, bereits die Blendversuche hart zu bestrafen – und die Geräte unter das Waffengesetz stellen zu lassen.

Robert Nößler

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