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Mitteldeutschland Lebenserwartung steigt: Sachsen werden heute älter als zur Zeit der Wiedervereinigung
Region Mitteldeutschland Lebenserwartung steigt: Sachsen werden heute älter als zur Zeit der Wiedervereinigung
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14:58 05.04.2015
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Ostdeutschland ist seit der Wiedervereinigung deutlich gestiegen (Symbolfoto). Quelle: dpa
Leipzig

Allgemein nahm die Lebenserwartung in den Ost-Bundesländern laut BBSR-Atlas stärker zu als im Westen.

Demnach werden Frauen in Sachsen 83 Jahre alt, Männer erreichen das 76. Lebensjahr. Spitzenreiter ist Dresden, wo Frauen fast 85 und Männer knapp 80 Jahre alt werden. In der Landeshauptstadt und in Leipzig werden Frauen heute rund fünf und Männer sechseinhalb Jahre älter als in den frühen 1990er-Jahren. Den größten Zuwachs seit der Wende gab es im Landkreis Meißen, wo Frauen mittlerweile sechs und Männer sieben Jahre länger leben.

Die Thüringer werden auch älter, liegen aber bei den Alterszuwächsen im Schnitt ein Jahr unter den Sachsen. So werden im Altenburger Land Frauen knapp vier und Männer fünf Jahre älter als vor einem Vierteljahrhundert. Insgesamt aber werden Westdeutsche noch zwei bis vier Jahre älter als Ostdeutsche. Die ältesten Deutschen leben in Stuttgart. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und Faktoren wie Wohlstand, Arbeitsbelastung, soziale Kontakte und Krankheitsvorsorge. Auch der Bildungsstand wirke sich auf die Lebenszeit aus. Der BBSR-Atlas enthält Informationen zu Bildung, Wirtschaft, Wohnen und Umwelt. In die Datenbank fließen mehr als 600 statistische Angaben ein.

Mit der Lebenserwartung steigt das Durchschnittsalter, derzeit liegt es laut Statistischem Landesamt bei 46,5 Jahren und wird bis 2025 auf 50 Jahre steigen. Obwohl die Geburtenrate zuletzt leicht anstieg, wird die Zahl der Geburten bis 2025 in Sachsen um rund ein Viertel auf 25.000 sinken, weil die Anzahl potenzieller Mütter immer weiter zurückgeht. „Diese demografischen Trends wirken sich auf das Renten- und das Gesundheitssystem aus“, sagt der Dresdner Demografie-Experte Marcel Thum voraus. „Bei der Rentenversicherung steigt die Last für kommende Generationen, weil immer weniger Junge für immer mehr Alte aufkommen müssen.“ Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 habe diesen Effekt zwar leicht abgemildert, „doch hat die Regierung Wahlgeschenke wie Rente mit 63 gemacht, die diesen Reformen zuwiderlaufen.“

Als Leiter einer Expertenkommission gab der Finanzwissenschaftler Sachsens Regierung vor Jahren Empfehlungen. Die Umsetzung sei allerdings ernüchternd, so der Volkswirtschaftsprofessor. Er habe den Eindruck, „dass die Anstrengungen, die Folgen der demografischen Entwicklungen zu begrenzen, erlahmt sind“. Es sei unpopulär, wenn in Regionen mit Bevölkerungsschwund auch Schulen oder Wasserwerke zurückgebaut werden müssen: „Aber ohne solche Maßnahmen explodieren die Kosten.“

Winfried Mahr

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