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Mitteldeutschland Fernstraßen-Bundesamt: Leipzig siegt dank guter Erreichbarkeit und Uni
Region Mitteldeutschland Fernstraßen-Bundesamt: Leipzig siegt dank guter Erreichbarkeit und Uni
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22:53 16.05.2018
Planung, Bau, Betrieb und Erhalt der Autobahnen, hier die A 14 (Dresden-Magdeburg) am Schkeuditzer Kreuz bei Leipzig, übernimmt ab 2021 das neue Fernstraßen-Bundesamt mit Hauptsitz in Leipzig. Rund 1000 sollen Jobs in der Groß-Behörde entstehen. Quelle: Armin Kühne
Leipzig/Berlin

Freude in Leipzig und Sachsen, lange Gesichter in Thüringen, wo mit Gera und Erfurt auch zwei Städte um die Nominierung gekämpft hatten. Als vor knapp vier Wochen das Bundesverkehrsministerium seine Entscheidung für die Ansiedlung des Fernstraßen-Bundesamtes bekannt gab, waren die Reaktionen gemischt. Gemeinsam herrschte Genugtuung nur darüber, dass nun endlich ein großes Bundesamt im Osten eine Heimat findet. Diese Forderung hatten zuvor die Ost-Ministerpräsidenten aufgestellt – und der Bund in Person von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat nun geliefert. Noch steht die letzte Zustimmung des Kabinetts zwar aus, auf LVZ-Nachfrage machte Scheuer aber klar, dass der Zuschlag für Leipzig nicht mehr kippen kann. „Die Länderverkehrsminister haben meinem Standortkonzept bereits einstimmig zugestimmt. Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung hat die Entscheidung ausdrücklich begrüßt. Ich bin zuversichtlich, dass meine Kabinettskollegen dies auch so sehen.“

Hintergrund der Pläne für die neue Groß-Behörde ist die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen. Bundesautobahnen werden demnach ab 2021 nicht mehr in Auftragsverwaltung durch die Länder, sondern in Bundesverwaltung geführt. Der Bund wird dann die alleinige Verantwortung für Planung, Bau, Betrieb, Erhalt und Finanzierung der Autobahnen haben. Scheuer bestätigte in dem Zusammenhang, dass mehrere Ost-Städte im Rennen um die Ansiedlung waren („Es gab natürlich Wettbewerb“) und dass neben dem Hauptsitz Leipzig noch bis zu vier weitere regionale Standorte im Osten, zehn Niederlassungen, 38 Außenstellen und mindestens 185 Autobahnmeistereien für das neue Fernstraßen-Bundesamt geplant seien. „Die Standortkonzepte sind ausgewogen zwischen Nord, Süd, West und Ost. Wir stärken die regionale Verantwortung und zeigen breite Präsenz in der Fläche.“

Den Zuschlag für die sächsische Messemetropole wertet der Bundesminister als „ein starkes Signal für die neuen Länder“. Der Erfolg habe sich letzten Endes aus mehreren Standort-Faktoren ergeben. „Für Leipzig spricht zum einen die Erreichbarkeit“, sagte Scheuer. Die Stadt sei hervorragend angebunden an Straße, Schiene und den Luftverkehr. Zudem lobte der Minister die Qualität der Alma Mater an der Pleiße. „Leipzig ist eine Universitätsstadt mit exzellenten Köpfen.“ Wichtig, so Scheuer, sei zudem die unmittelbare Nähe zum Bundesverwaltungsgericht, „einer auch für Infrastrukturprojekte wichtigen Institution“.

Beim Kampf um die Groß-Behörde für Sachsen hat laut Scheuer auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eine entscheidende Rolle gespielt. „Ich habe mich intensiv mit ihm ausgetauscht und er hat immer wieder Angebote gemacht, wie man den Standort perfektionieren und damit für den Bund attraktiv machen kann“, sagte der Bundesminister. „Es ist also auch zu einem Großteil sein Verdienst.“ Den zeitlichen Rahmen steckte Scheuer klar ab. „Wir wollen das Fernstraßen-Bundesamt noch in diesem Jahr errichten. Ab dem 1. Januar 2021 wird es seine Arbeit voll aufnehmen“, sagte er. Es werde dann insbesondere für die Planfeststellungs- und –genehmigungsverfahren im Autobahnbereich verantwortlich sein.

Eher bedeckt hielt sich der Minister dagegen noch bei konkreten Angaben zu künftigen Mitarbeiter-Zahlen und dem genauen Standort in Leipzig. Im Gespräch sind bislang rund 1000 Jobs für die Zentrale in Leipzig und in allen Standorten. „Wir legen jetzt nach und nach die Strukturen fest. Dazu gehört der organisatorische Zuschnitt und die Größe des Hauptsitzes sowie der weiteren Standorte des Fernstraßen-Bundesamtes“, sagte er. Bis spätestens Ende Juni stehe aber das konkrete Standort-Konzept fest. Fest steht aber jetzt schon, welche Berufsgruppen in der neuen Bundesbehörde besonders gute Chancen haben. „Wir brauchen die besten Köpfe: Planer, Bauingenieure, Juristen und Verwaltungsexperten“, machte Scheuer klar.

Von André Böhmer

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