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Mitteldeutschland Leipziger Polizeichef Merbitz will in Nordsachsen für Landtag kandidieren
Region Mitteldeutschland Leipziger Polizeichef Merbitz will in Nordsachsen für Landtag kandidieren
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20:00 16.10.2018
Bernd Merbitz (62), der Leipziger Polizeipräsident, will in Nordsachsen nochmal angreifen. Quelle: André Kempner
Dresden/Leipzig

Es ist der nächste Paukenschlag von Bernd Merbitz: Der im Januar 2019 aus dem Amt scheidende Leipziger Polizeipräsident will bei der Landtagswahl nun doch nicht in Leipzig für die CDU kandidieren – sondern im Wahlkreis Torgau/Oschatz. „Ich habe durch viele Gespräche bemerkt, dass aus der Region Nordsachsen heraus ein ehrliches Interesse besteht, mich zu nominieren. Mir hat gefallen, wie man in Nordsachsen mit mir spricht, man hat sich da wirklich intensiv um mich bemüht. Das habe ich in Leipzig vermisst“, erklärt Merbitz gegenüber der LVZ seine überraschende Kandidatur. Er sei von vielen Menschen und auch Bürgermeistern sowie Unternehmern angeschrieben worden, sagt Merbitz, dem auch ein Angebot aus dem Kreis Leipzig vorgelegen hat.

Showdown beim Kreisparteitag

Das Pikante daran ist jetzt allerdings: Der nordsächsische Wahlkreis gilt im Vergleich zu Leipziger Alternativen nicht nur als relativ sicher für die CDU, sondern wurde jahrelang von Frank Kupfer als Platzhirsch dominiert. Kupfer, bis vor kurzem Fraktionschef im Landtag, hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug erklärt – und, in Absprache mit der Parteispitze, seine Büroleiterin Christiane Schenderlein als Nachfolgerin vorgeschlagen. Am 9. November wird es deshalb zum Showdown beim Kreisparteitag in Bad Düben kommen: Merbitz, der langgediente Polizist sowie Beisitzer im CDU-Landesvorstand, fordert Schenderlein heraus, die als Hoffnungsträgerin bei den Jüngeren in der Partei gilt und nach umstrittenen Äußerungen ihrer damaligen Chefin Bettina Kudla als deren Büroleiterin gekündigt hatte. Der Verlierer oder die Verliererin dürfte kaum Chancen auf einen der aussichtsreichen Listenplätze haben, über die die Union Anfang des nächsten Jahres abstimmen wird.

CDU-Kreischef Wendt favorisiert Schenderlein

„Es ist ein offenes Verfahren, die Mitglieder entscheiden, wer eine Mehrheit bekommt“, sagt CDU-Kreischef Marian Wendt über die Kampfkandidatur. Zugleich formuliert der Bundestagsabgeordnete, was er sich wünscht: „Als Kreisvorsitzender ist mir die Verwurzlung des Kandidaten in Nordsachsen natürlich wichtig – sie oder er muss unsere Probleme kennen. Die CDU muss perspektivisch vor allem auch wieder für Familien, Frauen und junge Menschen wählbar sein. Mit frischen Gesichtern können wir glaubwürdig den Menschen hier eine Zukunftsperspektive geben.“ Merbitz setzt seine Erfahrung dagegen: „Ich möchte auch nach meiner offiziellen Dienstzeit im Freistaat noch viel bewegen. Gerade die Fragen der inneren Sicherheit und die Stärkung des ländlichen Raums sind wichtig – und das sind die Themen, die mir am Herzen liegen und weswegen mich viele Menschen angesprochen haben.“

Auch andernorts gibt es spannende Duelle

Doch der Kampf um die Spitzenkandidatur in Torgau/Oschatz ist nur eine der spannenden Geschichten, die sich gegenwärtig in der Sachsen-Union zutragen. Eine weitere ist beispielsweise: Justizminister Sebastian Gemkow wird seinen angestammten Leipziger Wahlkreis aufgeben und nach Nordsachsen wechseln, um in dem Wahlkreis zwischen Taucha, Eilenburg und Dommitzsch für die CDU anzutreten. Der bisherige Wahlkreis-Abgeordnete Jörg Kiesewetter soll im Gegenzug das Revier von Volker Tiefensee im nördlichen Nordsachsen übernehmen, der nicht mehr für den Landtag kandidiert. Auch hier zeichnet sich ein Duell ab: CDU-Kreisvize René Kinnigkeit möchte ebenfalls in die Landespolitik. Einen Machtkampf gibt es genauso im Erzgebirge: Dort konkurrieren der sächsische Junge-Union-Vorsitzende Tom Unger und Jörg Markert, der Büroleiter von Innenminister Roland Wöller (CDU), um die Nominierung.

Viele CDU-Wahlkreise wackeln

Für CDU-Generalsekretär Alexander Dierks spiegelt sich in den Bewerbungen ein „demokratischer Prozess“ wider – selbst wenn die Direktkandidaturen längst nicht mehr ohne Weiteres als Ticket in den Landtag gelten können. „Die Nominierung ist in vollem Gange. In vielen Wahlkreisen stehen mehrere Kandidatinnen und Kandidaten mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergründen zur Wahl. Darin drückt sich aus, dass wir Volkspartei sind und das ist auch gut so“, macht Dierks klar. Zwar hatte die Sachsen-Union vor vier Jahren immerhin 59 der 60 Wahlkreise im Freistaat für sich entschieden und einzig Juliane Nagel (Linke) in Leipzig den Vortritt lassen müssen.

Doch diese dominanten Zeiten sind vorbei. Die Konkurrenz ist insbesondere aufgrund des AfD-Erstarkens größer geworden. Laut den Meinungsforschern von www.wahlkreisprognose.de käme die CDU aktuell nur noch in 30 Wahlkreisen auf Platz eins bei den Erststimmen. Dagegen würde die AfD 26 Direktmandate gewinnen. Auch die Linke könnte zulegen und sich in vier Wahlkreisen durchsetzen. In 46 der 60 Wahlkreise zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.

Von Andreas Debski und Nico Fliegner

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