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Mitteldeutschland Leseprojekt in Sachsens Schulen zum Umgang mit Depressionen
Region Mitteldeutschland Leseprojekt in Sachsens Schulen zum Umgang mit Depressionen
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15:29 06.12.2018
Claudia Gliemann (links) und Antje Orgass von der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer bei der Lesung in der Astrid-Lindgrün Schule Quelle: Hanna Gerwig
Leipzig

Wer sich ein Bein bricht, der trägt einen Gips. Wer die Grippe hat, bekommt eine rote Nase und Fieber. Eine Depression dagegen kann man einem Menschen nicht auf den ersten Blick ansehen. Im Gegenteil: Betroffene wissen oft selbst nicht, was mit ihnen los ist. Um so weniger können es ihre Kinder erahnen. In der Astrid-Lindgren Schule in Leipzig-Schönefeld hat deshalb letzte Woche das Leseprojekt „Papas Seele hat Schnupfen“ stattgefunden. Dabei sollen die Kinder der dritten und vierten Klassen altersgerecht an das Thema psychische Gesundheit herangeführt werden – und erfahren, wo es für sie und ihre Eltern Hilfe geben kann.

Millionen Kinder bei erkrankten Eltern

Gezeigt wird das am Beispiel der kleinen Nele. Die lebt mit ihren Eltern, berühmten Artisten, im Zirkus. Eigentlich könnte alles gut sein, aber dann wird Neles Vater still und traurig und zieht sich zurück. Nele fängt an sich für ihn, der immer ihr Held war, zu schämen. Gleichzeitig fühlt sie sich wütend und traurig. Was in ihr vorgeht vertraut sie einem klugen Clown an. Der sagt ihr, dass die Seele ihres Vaters wohl einen Schnupfen habe, aber auch wieder gesund werden könne. Und dass dafür niemand die Schuld trage.

Geschrieben hat die Geschichte um Nele und ihre Familie Claudia Gliemann. Die Jugendbuchautorin und Verlegerin begleitet ihre Figuren mit selbst geschriebenen Liedern, in denen sie sie selbst zu Wort kommen lässt. Auf die Frage, wer sich in dem Buch wiederfindet, melden sich mehrere Kinder. Nicht ungewöhnlich, sagt Jana Paetz. Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin begleitet die Autorin auf ihrer Lesereise durch Ostdeutschland. In der Bundesrepublik seien etwa zwei bis vier Millionen Kinder von psychischen Erkrankungen ihrer Eltern betroffen – das erlebe sie auch in ihrem Praxisalltag immer wieder. Während der Lesung ist Jana Paetz für die Kinder ansprechbar. „Oft öffnen sie sich spontan“, sagt sie. Dabei gehe es dann auch um Probleme in der Familie, wenn etwa die Oma gestorben sei, oder die Trennung der Eltern anstehe. Es sei sehr wichtig, den Kindern Ansprechpartner an die Hand zu geben. Denn zwar gehe das Buch gut aus – die Realität jedoch nicht immer.

Übersicht über Hilfsangebote

„Manchmal hat man als Lehrer das Gefühl, dass in den Familien etwas schief läuft“, sagt Gela Kriese, die in der Astrid-Lindgren-Schule Klassenlehrerin ist. Sie ist deshalb froh, dass die Schule das Projektangebot angenommen hat. Während die Kinder Claudia Gliemann zuhören, kann man eine Stecknadel fallen hören. Auch die neunjährige Mayas und ihre Freundin Saosan hören aufmerksam zu. Sie sagen im Nachhinein, dass die Geschichte um Nele schön, aber auch sehr traurig gewesen sei. Im Anschluss werden die Fragen der Schüler besprochen, bevor sie selbst erzählen können, wie es ihnen geht und ob sie etwas belastet. Außerdem erhalten sie eine Übersicht über Hilfsangebote für Kinder, darunter auch die Nummer gegen Kummer.

Organisiert und begleitet werden die Lesungen in Sachsen von Antje Orgass von der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer. Sie steht zur Verfügung, wenn Schulen die Autorin einladen möchten. Finanziert und gefördert werden die Lesungen von der Krankenkasse AOK in Zusammenarbeit mit der Betroffenenvertretung Deutsche Depressionsliga, die sich für eine Entstigmatisierung von Depressionen einsetzt.

Von Hanna Gerwig

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