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Linke-Chefin Lötzsch tritt überraschend zurück

Linke-Chefin Lötzsch tritt überraschend zurück

Die Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch ist wegen einer schweren Erkrankung ihres Mannes überraschend zurückgetreten. Ihre familiäre Situation lasse eine häufige Abwesenheit von ihrem Wohnort Berlin nicht mehr zu, erklärte die 50-Jährige am späten Dienstagabend.

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Knapp zwei Monate vor der Neuwahl der Linken-Führung gibt die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch ihr Amt auf.

Quelle: dpa

Berlin. Bundestagsabgeordnete wolle sie aber bleiben. Lötzsch führt die Linke seit Mai 2010 zusammen mit Klaus Ernst. Sie hatte im Herbst angekündigt, beim Bundesparteitag Anfang Juni in Göttingen wieder für den Parteivorsitz zu kandidieren. Welche Frau nun ihren Posten übernehmen wird, ist völlig offen. Laut Satzung muss der Parteispitze mindestens eine Frau angehören.

Lötzsch sagte, ihr Mann sei „altersbedingt erkrankt“ und musste am 31. März in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses gebracht werden. Sie habe deshalb bereits mehrere Wahlkampftermine in Schleswig-Holstein abgesagt. Ernst übernimmt bis zum Parteitag ihre Amtsgeschäfte. Dieser bedauerte den Rücktritt. „Wir haben in einer schwierigen Zeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt zusammen gearbeitet. Dafür danke ich ihr“, erklärte er. „Ich wünsche ihr und ihrer Familie Kraft und Gesundheit für die kommende Zeit.“

Thüringens Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow setzt bei der Neuwahl der Parteispitze auf Sahra Wagenknecht. „Die Idealkombination für den Parteivorsitz wäre für mich Wagenknecht und Dietmar Bartsch“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Für die Bundestagswahl wäre ein Gespann aus Oskar Lafontaine und Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi als Spitzenkandidaten seine Wunschvorstellung. „Es sind aber auch viele Zwischenvarianten denkbar.“ Der frühere Parteivorsitzende Lafontaine ist heute Linke-Fraktionschef im Saarland.

Der Vize-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, der als bisher einziger Mann eine Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt hat, wollte Lötzschs Schritt nicht bewerten: „Die Entscheidung von Gesine Lötzsch ist zu respektieren, nicht zu kommentieren.“ Die SPD sieht die Linkspartei nun vor einem Existenzkampf. „Nichts ist so schwach wie eine Idee, über die die Zeit hinweggegangen ist. Weder Lafontaine noch Wagenknecht werden den Niedergang der Linkspartei aufhalten“, sagte der Parlamentarische SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann.

Der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, begrüßte den Rücktritt. „Ich hoffe, dass die Zeit der DDR- und Kommunismusverklärung durch die Linke damit endlich ein Ende hat. Für die Opfer der SED-Diktatur war Frau Lötzsch eine Zumutung.“

Das Führungsduo Lötzsch/Ernst war in der Partei umstritten. Viele machten die beiden für Schlappen bei den Landtagswahlen, sinkende Umfragewerte und Mitgliederschwund verantwortlich. Zahlreiche Affären kennzeichneten die zweijährige Amtszeit. So brach Lötzsch zum Auftakt des Superwahljahres 2011 eine Kommunismus-Debatte vom Zaun, die der Linken viel Kritik einbrachte. Es folgten Debatten über die Bewertung des DDR-Mauerbaus, die Haltung zu Israel und ein Geburtstagsschreiben an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro.

Die als äußerst ehrgeizig geltende Lötzsch hatte bereits im vergangenen Oktober angekündigt, bei der Neuwahl der Parteiführung im Juni erneut für den Vorsitz zu kandidieren. Sie wolle mit ihrer Entscheidung „Klarheit für die Mitglieder schaffen, die dieser Debatte überdrüssig sind“, begründete sie seinerzeit ihre überraschende Entscheidung. Später gab dann Bartsch seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt. Lafontaine hat sich bislang noch nicht geäußert, ob er bereit ist in die Parteispitze zurückzukehren.

Lötzsch ist seit Ende der 80er Jahre mit dem heute 80-jährigen Sprachwissenschaftler Ronald Lötzsch verheiratet. Die Ost-Berlinerin war von 1984 bis 1990 Mitglied der DDR-Staatspartei SED, aus der dann die Linke-Vorläuferin PDS hervorging. Nach der Wiedervereinigung gehörte Lötzsch von 1991 bis 2002 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Im Oktober 2002 zog sie in den Bundestag ein.

dpa

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