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Mitteldeutschland Tausende bei Demonstrationen in Chemnitz – Konzert gegen Fremdenhass
Region Mitteldeutschland Tausende bei Demonstrationen in Chemnitz – Konzert gegen Fremdenhass
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22:31 07.09.2018
Blick am Freitagnachmittag auf das Karl-Marx-Monument / Gegendemonstranten Quelle: Dirk Knofe / Matthias Roth
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Chemnitz/Leipzig

Fünf Tage nachdem in Chemnitz 65.000 Menschen zu einem Konzert gegen Ausländerhass zusammengekommen waren, sind in der Großstadt erneut Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Zum Protestmarsch der rechtspopulistischen Initiative Pro Chemnitz am Freitagabend kamen laut Polizeiangaben etwa 2350 Menschen. Diese zogen zum Teil im Dauerregen durch die Straßen rings um das Karl-Marx-Monument, skandierten dabei „Widerstand, Widerstand“, „Wir sind das Volk“, „Lügenpresse“ und „Merkel muss weg“. 

Zu Ausschreitungen, wie noch bei ähnlichen Veranstaltungen in der vergangenen Woche, kam es nicht. Die Behörden registrierten sechs Straftaten. Wie Behördensprecherin Silvaine Reiche erklärte, waren alles Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Zudem wurde kurz vor dem Start der Kundgebung von Pro Chemnitz ein Teilnehmer von den Beamten abgeführt und einer Identitätsfeststellung unterzogen. Dieser soll in der vergangenen Woche an gleicher Stelle einen Hitlergruß gezeigt haben. 

Am Freitagabend ist es in Chemnitz erneut zu Demonstrationen gekommen. Pro Chemnitz traf sich zur Kundgebung am Marx-Monument, die Gegendemonstranten versammelten sich vor der Stadthalle.

Die Polizei sicherte die Demonstration am Freitag mit einem Großaufgebot ab. Nach Informationen von LVZ.de waren elf Hundertschaften im Einsatz, die Beamten kamen dafür aus mehreren Bundesländern in die sächsische Großstadt. Wie ein Sprecher zur Abschlusskundgebung bei Pro Chemnitz sagte, soll auch am kommenden Freitag eine Protestkundgebung der Initiative Pro Chemnitz am Karl-Marx-Monument stattfinden.

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Lesen Sie zu den Ereignissen in Chemnitz und dem Rest von Sachsen einen Kommentar von LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer

Gegen den Aufmarsch der Rechten engagierten sich am Freitag etwa 1000 Demonstranten, darunter viele aus Dresden und Leipzig. Auch hier blieb es friedlich. Nach einer Auftaktkundgebung vor der Chemnitzer Stadthalle, auf der Redner unter anderem Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen für seine Äußerungen vom Freitag scharf kritisiert wurden, zogen die Teilnehmer in Richtung Hauptbahnhof und beendeten dort auch die Demonstration. 

Parallel zu den beiden Veranstaltungen fand auf dem Platz vor dem Chemnitzer Theater ein Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit statt. An diesem beteiligten sich Hunderte Künstler aus mehr als 40 Kulturhäusern der gesamten Bundesrepublik. Auf dem Programm des Abends stand Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Schätzungen zufolge sollen etwa 5000 bis 6000 Zuhörer dabei gewesen sein.

LVZ.de begleitete die Ereignisse am Abend mit einem Liveticker. Im Folgenden ist dieser Nachzulesen.

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