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Lotte will keine Hausfrau sein - Auktion mit Ulbricht-Dokumenten

Erste Jahre in Leipziger Gottschedstraße Lotte will keine Hausfrau sein - Auktion mit Ulbricht-Dokumenten

Walter Ulbricht war von Beruf „Parteisoldat“ und fuhr 1945 einen luxuriösen Opel. Seine Frau Lotte heiratete dreimal und litt unter einer „unübersteigbaren Mauer“. Dokumente einer Auktion in Hamburg enthüllen unbekannte Details des Paars.

Personalausweis von Walter Ulbricht.

Quelle: dpa

Hamburg - . Nach seiner Rückkehr aus dem Moskauer Exil stellte Walter Ulbricht (1893-1973) die Weichen für einen „Arbeiter- und Bauernstaat“, die spätere DDR. Er selbst war von Anfang an einer der mächtigsten kommunistischen Funktionäre, die Deutschland nach sowjetischem Vorbild umgestalten sollten. Auf seiner Mitgliedskarte der 1946 gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) gab er als Beruf allerdings nur „Parteiarbeiter“ an. Seine Frau Charlotte („Lotte“) wählte auf ihrer Mitgliedskarte die gleiche Berufsbezeichnung. Die Parteiausweise sind Teil des Nachlasses des Paares, der am Samstag (21.10.) in Hamburg unter den Hammer kommt.

Die Auktion umfasst zahlreiche Ausweise, Dokumente und Briefe der Ulbrichts. Als Startpreis hat Auktionator Carsten Zeige für alle Einzelstücke zusammen eine Summe von 10.000 Euro aufgerufen, er rechnet aber mit einem weit höheren Preis. Besonders Sammler von Ausweisen seien interessiert, sagt Zeige. „Die von bekannten Persönlichkeiten sind besonders reizvoll.“

Auktionator Carsten Zeige

Auktionator Carsten Zeige.

Quelle: dpa

Hochzeit wirft Fragen auf

Die Dokumente könnten aber auch für Historiker von Interesse sein. Das Familienstammbuch, die Heirats- und eine Scheidungsurkunde werfen Fragen auf. Demnach heirateten Charlotte Kühn und Walter Ulbricht im Jahr 1950. Ihren Nachnamen hatte Kühn aber schon 1946 mit Genehmigung des Polizeichefs von Sachsen in Ulbricht geändert. Zuvor war sie mit dem Parteifunktionär Erich Wendt verheiratet gewesen, der in der Sowjetunion unter Stalin in Ungnade gefallen war. Es gab aber noch einen weiteren Ehemann, den sie 1923 geheiratet hatte, und zwar Otto Schultchen. Eine Gerichtsurkunde im Nachlass belegt, dass dieser sich 1942 von Charlotte Schultchen, geb. Kühn scheiden ließ. Grund: Sie sei nach Moskau ausgewandert.

„Kein Talent als Hausfrau“

Dort hatte die spätere First Lady der DDR schon 1938 gelernt, was es heißt, hinter einer „unübersteigbaren Mauer“ zu leben. So formulierte sie damals in einem Brief an den Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, Georgi Dimitroff. Sie bettelte ihn um eine Beschäftigung an, denn auch sie war im Rahmen der stalinistischen Säuberungen kaltgestellt worden. „Da ich fast 20 Jahre ununterbrochen beruflich und politisch tätig bin und ausserdem weder Lust noch Talent zur Hausfrau habe, bedeutet dieser Zustand nicht nur geistigen Stillstand, d.h. Rückschritt, sondern auch schwere gesundheitliche Schädigung“, klagte sie laut Abschrift eines Briefes an den „lieben Genossen Dimitroff“.

Der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht (r), dessen Gattin Lotte (vorn) und Willi Stoph, damals Mitglied des Politbüros (links hi

Der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht (r), dessen Gattin Lotte (vorn) und Willi Stoph, damals Mitglied des Politbüros (links hinter Ulbricht), werden nach der Besichtigung der neu eröffneten Gaststätte «Teepott» am Warnemünder Leuchtturm am 8. Juli 1968 von der Bevölkerung begrüßt.

Quelle: dpa

Ihr Mann Walter fuhr unter den Russen besser. Ein Dokument zeigt, dass ihm die sowjetischen Behörden am 11. Mai 1945, also unmittelbar nach Kriegsende, die Erlaubnis erteilten, einen Opel Super 6 zu nutzen. Einen Freifahrtschein für die Reichsbahn hatte er auch. Doch der Ausweis sieht wenig benutzt aus. Etwas abgenutzter erscheint ein „Behelfsmäßiger Personalausweis“, ausgestellt am 1. März 1946 in Berlin. Obwohl das Passbild den damals 52-Jährigen mit Stirnglatze, dunklen Haaren und dem charakteristischen „Spitzbart“ zeigt, heißt es in der Beschreibung: „Haarfarbe: blond, besondere Kennzeichen: keine“. Ein Abdruck des rechten Zeigefingers sollte wohl die zweifelsfreie Identität garantieren.

Sammlung eines Generals

Zusammen mit den Ulbricht-Urkunden kommen auch zahlreiche DDR-Orden, Uniformen und Auszeichnungen anderer Funktionäre unter den Hammer. Sie stammen aus einer Sammlung sowie dem Nachlass eines Generals. Zeige hat sich in dem Bereich bereits einen Namen gemacht. Der in Ost-Berlin aufgewachsene Auktionator versteigerte vor zehn Jahren Nachlassobjekte des DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph. Es folgten weitere Auktionen zu Stasi-Minister Erich Mielke und zuletzt Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Der Vaterländische Verdienstorden der DDR

Der Vaterländische Verdienstorden der DDR.

Quelle: dpa

Zeige selbst hat nach eigenen Angaben keine besonderen Beziehung zu den DDR-Größen. Er erinnert sich jedoch, Ulbricht an einem staatlichen Feiertag aus der Ferne gesehen zu haben: „Ich bin als Sechs-, Sieben- oder Achtjähriger in Ost-Berlin als Jungpionier an Ulbricht vorbeimarschiert.“

Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren und verlebte seine ersten Jahren in der Gottschedstraße, im heutigen Haus Nummer 25. Dort wohnte später auch der spätere Reichskanzler Gustav Stresemann als Student.

Von Bernhard Sprengel

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