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Mitteldeutschland Lutherbonbons zu Halloween: Kirche in Mitteldeutschland will irritieren
Region Mitteldeutschland Lutherbonbons zu Halloween: Kirche in Mitteldeutschland will irritieren
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08:00 28.10.2018
Alternative zu Halloween: Lutherbonbons als süße Erinnerung an den Reformationstag. Quelle: dpa
Magdeburg/Leipzig

Alle Jahre wieder gibt es am 31.Oktober die Glaubensfrage: Reformationstag oder Halloween-Party? Vor allem Kinder entscheiden sich klar für den Gruselspaß: An vielen Orten in Sachsen und Thüringen gibt es Veranstaltungen und Kostümpartys. So ziehen beispielsweise in Görschlitz (Nordsachsen) am Mittwoch ab 15 Uhr kostümierte Kinder beim traditionellen „Halloween-Schnorren“ von Haus zu Haus und bitten um Süßigkeiten – begleitet werden sie von den kreischenden Görschlitzer Hexen.

Jede zweite Familie gibt 30 Euro für Vampirkostüme aus

Halloween liegt ungeachtet kritischer Stimmen aus den Reihen der Kirchen im Trend: Jede zweite Familie gibt für Vampirkostüme und Süßigkeiten im Schnitt 30 Euro und mehr aus. Doch immerhin: Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Ostdeutschen verbinden das Datum 31.Oktober noch mit dem Reformationstag. Im Westen sind es nur knapp mehr als die Hälfte (55 Prozent). Das ergab eine Umfrage der evangelischen Nachrichtenagentur idea im letzten Jahr. Trotzdem: Immer mehr Familien feiern mit ihren Kindern am Mittwoch Gruselparty.

ChurchNight mit Silent-Disco und Riesenkicker

Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland (EKM) will in diesem Jahr kreativ dagegen halten und mit einem Angebot an Jugendliche an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 erinnern. Junge Gemeinden der EKM laden an vielen Orten zur „ChurchNight“ ein. Mit Gottesdiensten, Workshops, Filmen, Aktionen, Gebeten und Musik soll der Reformationstag als Geburtstag der evangelischen Kirche anders gefeiert werden. So gibt es zum Beispiel in Elbingerode Mitmachangebote wie Klettern, Riesenkicker und Gospel-Workshops. In Magdeburg ist am Dienstagabend in der Trinitatisgemeinde eine Silent-Disco und Livemusik geplant „Jugendliche sollen den Raum der Kirche bewusst ganz anders als sonst erleben, manche Kirchen werden dafür komplett umgestaltet“, so EKM-Sprecher Friedemann Kahl.

Landesjugendpfarrer: Gruselfest lässt sich besser vermarkten

Dass es schwer wird, gegen den Trend der heidnischen Gruselpartys zu bestehen, weiß auch EKM-Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth. Er will allerdings keinen neuen Streit befeuern. „Ich lasse mich nicht in eine Konkurrenz zwischen Halloween und Reformationsfest hineinziehen“, so Herrfurth. Halloween als Gruselfest lasse sich zwar besser vermarkten als das Reformationsgedenken. Das eine habe einen spannenden mystischen Hintergrund – mit christlichen Bezügen. Dem anderen liege ein eher trockener theologischer Disput zugrunde – der Thesenanschlag Luthers. „Beides hat aber im Grunde nur eines miteinander zu tun: Nämlich das Datum.“

HalloLuther statt Halloween

Herrfurth wirbt um einen entspannten Umgang von Tradition und neuem Trend am Vorabend von Allerheiligen (1.November). „Ich denke, es bringt nichts, das eine zu loben und das andere zu verteufeln. Wenn es an der Tür bimmelt und Kinder Süßes statt Saures einfordern, empfehle ich, sie mit Lutherbonbon und Lutherkeksen zu irritieren als mit dem drohenden Zeigefinger: ,Wir feiern aber Reformation!‘“ Man könne also die Freude am Grusel der Kinder akzeptieren und zugleich das Reformationsfest ins Spiel bringen. „Da finde ich die Wortschöpfung „HalloLuther“ sehr gelungen.“

Geschnitzte Kürbisse gehören dazu: Zeigt Halloween tatsächlich die böse Fratze? Quelle: ZB

Bibellesebund: „Halloween zeigt die böse Fratze“

Weniger entspannt sieht dagegen Nicole Eker vom Bibellesebund den Halloween-Kult. Eker, die innerhalb des christlichen Werkes für Kinderarbeit zuständig ist, übte zuletzt harte Kritik in einem Gastbeitrag für die evangelische Nachrichtenagentur idea. Ekers Vorwurf: Längst habe der für den Kommerz so einträgliche Tag das Reformationsfest verdrängt. Und schlimmer noch: „Halloween ist mehr als ein harmloses Gespensterspiel von Kindern. Hinter Halloween steckt Totenkult.“ Und dieser dunkle Hintergrund bewirke nichts Gutes: Wer nichts Süßes gebe, werde mit Eiern oder Müll beworfen. „Selbst Polizisten graut es vor diesem Abend, denn das Böse und Brutale kann unter dem Schutz eines angeblich harmlosen Kinderbrauches ungezügelt ausbrechen.“ Nicole Eker meint: Christen sollten bei diesem Brauch nicht mitmachen. Denn: „Halloween zeigt die böse Fratze des Widergöttlichen.“

Kompromiss-Versuch: Keltisches Herbstfest in einer Kirche

Auch Versuche, Brücken zwischen kirchlichem Fest und heidnischem Brauch zu schlagen, stoßen auf Widerspruch. So will in diesem Jahr in Köln eine Gemeinde ein „Keltisches Herbstfest“ in ihrer Kirche feiern. Der Förderverein der Lutherkirche in der Kölner Südstadt wirbt am Reformationstag ab 17 Uhr für eine Familienparty unter dem Motto „HalloFeen! Tanz am Tor zur Anderswelt“. Kinder sind hier eingeladen, sich als Elfe, Kobolde, Moor- oder Wassergeister zu verkleiden.

Widerspruch aus der Landeskirche

Lutherkirchen-Pfarrer Hans Mörtter erläuterte die Herbstfest-Idee laut idea.de damit, dass er dem „Halloween-Schwachsinn eine anspruchsvolle Form des Feierns“ entgegensetzen wolle. Dieses Motiv überzeugt bei der Landeskirche im Rheinland nicht jeden. So meint Landespfarrer Andrew Schäfer, zuständig für Weltanschauungsfragen: Ihm sei unklar, „warum ein keltisches Herbstfest ausgerechnet in einer Kirche gefeiert werden muss.“

Reformationstag in den meisten Bundesländern frei

Am Reformationstag erinnern die Protestanten an den Thesenanschlag des Reformators Martin Luther (1483-1546) an der Schlosskirche in Wittenberg 1517, der zur Spaltung der Kirche führte. Evangelische Christen feierten im letzten Jahr ein ganzes Jahr das Jubiläum „500 Jahre Reformation“. In den meisten Bundesländern (außer im Süden sowie in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Berlin) ist der Reformationstag arbeitsfreier Feiertag.

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Von Olaf Majer

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