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News Mäuse, Ratten, Fische: Mehr als 73.000 Tierversuche pro Jahr in Sachsen

Mäuse, Ratten, Fische: Mehr als 73.000 Tierversuche pro Jahr in Sachsen

Die Zahl der Tierversuche verharrt in Sachsen auf einem hohen Niveau. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen wurden im Jahr 2012 insgesamt 73.090 Tiere im Freistaat für Versuche eingesetzt, wie die Landesdirektion Sachsen mitteilte.

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Mehr als 73.000 haben sächsische Forscher 2012 unternommen.

Quelle: dpa

Leipzig. Die meisten Tiere würden in der Technischen Universität Dresden und an der Universität Leipzig genutzt - am häufigsten Mäuse, Ratten und Fische.

Hochschulen und Forschungseinrichtungen rechtfertigten die Beibehaltung der umstrittenen Tierversuche mit dem aus ihrer Sicht überwiegenden Nutzen für den Menschen. Kritiker bestreiten dagegen die Übertragbarkeit der im Tierversuch gewonnenen Erkenntnisse. Wie die Landesdirektion Sachsen weiter mitteilte, stieg die Zahl der zu wissenschaftlichen Zwecken verwendeten Tiere zwischen 2008 und 2010 von gut 62.600 auf fast 84.000 an. Im Jahr 2011 wurden dann noch rund 74.000 Tiere eingesetzt.

„Mehr als die Hälfte der Versuchstiere wurden in Sachsen in den letzten beiden Jahren in der biologischen Grundlagenforschung eingesetzt“, berichtete Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion. Anträge auf den Einsatz von Tierversuchen seien in den vergangenen Jahren nicht abgelehnt worden. Habe die Behörde im Lauf von Genehmigungsverfahren den Antragstellern mitgeteilt, dass Bedenken gegen die Versuche bestünden, seien Anträge zurückgezogen und mit Korrekturen neu gestellt worden.

Zellen ud Organe entnommen

Nach Angaben der Universität Leipzig kommen an der Veterinärmedizinischen Fakultät vor allem Nutztiere wie Rinder, Schweine, Geflügel, Pferde und Schafe „in Lehre und Forschung“ zum Einsatz. Seltener wurden Haustiere verwendet. Dabei stehe die Erforschung von Entstehung und Behandlung von Krankheiten im Vordergrund. „Dazu werden meist die Zieltierarten genutzt, da die Vergleichbarkeit hier am besten ist“, hieß es.

An der Medizinischen Fakultät wird der größte Teil der Tiere diesen Angaben zufolge nicht im Experiment eingesetzt. Vielmehr werden aus den getöteten Tieren Zellen und Organe gewonnen, an denen dann weiter geforscht wird. Zudem gibt es ein Labor für sogenannte Tierversuchsersatzmethoden.

Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gibt es nach den Worten von Sprecherin Susanne Hufe keine Tierversuche. Auf Drängen der Landesdirektion sei jedoch eine Genehmigung beantragt worden. „Dabei geht es im Rahmen eines Forschungsprojekts darum, Amseln mit Sendern am Bein ausstatten zu dürfen.“ Die Forscher wollen herausfinden, wie die Tiere auf den „Verlust der Nacht“ durch zunehmendes Kunstlicht reagieren. Auch Embryonen von Fischen würden zur Ermittlung von Schadstoffbelastungen in Gewässern eingesetzt. Diese hätten jedoch noch kein Schmerzempfinden entwickelt.

An der TU Dresden werden Tiere in der Erforschung von Behandlungsmethoden für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verwendet. „Es ist momentan nicht möglich, darauf zu verzichten und Ergebnisse zum Beispiel aus Zellkulturen direkt auf den Menschen zu übertragen“, teilte die Universität mit. Die komplexen Wechselwirkungen, die in einem Gesamtorganismus eine wichtige Rolle spielten, fehlten.

Radioaktive Substanzen entwickeln

Auch am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf werden Tiere eingesetzt, um neue radioaktive Substanzen für die Diagnose von Krebs sowie dessen Bekämpfung im Körperinneren zu entwickeln. Dazu werden den Tieren meist menschliche Tumore implantiert. Es sei gesetzlich geregelt, dass die radioaktiven Substanzen zunächst am Tier getestet werden müssten, hieß es.

Die Organsiation Ärzte gegen Tierversuche ist der Auffassung, dass Tierversuche generell abgeschafft werden müssten. Sie seien nicht nur ein ethisches Problem, sondern führten auch in eine Sackgasse. Tierversuche seien nicht einfach nicht auf den Menschen übertragbar, hieß es. Auch Medikamente, die in Versuchen an Tieren bestanden hätten, lösten bei Menschen oft schwere Nebenwirkungen aus.

Jörg Aberger, dpa

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