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Mitteldeutschland Kaum Hunde-Kontrollen in Leipzig – 1,8 Millionen Euro Hundesteuer
Region Mitteldeutschland Kaum Hunde-Kontrollen in Leipzig – 1,8 Millionen Euro Hundesteuer
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09:54 25.08.2018
Einwohner pro Hund in Mitteldeutschland. Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Am Wochenende zieht es wieder Zehntausende Gäste auf die Leipziger Messe „Hund & Katz“. Erwartet werden 35 000 Besucher. Doch wie sieht die Realität für Tierfreunde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus? Die LVZ wollte es genau wissen und hat in den acht mitteldeutschen Großstädten eine Umfrage zum Thema „Hundehaltung“ gemacht. Aus den Antworten ergibt sich die wichtigste Nachricht: Magdeburg ist die mitteldeutsche Hunde-Hauptstadt Demnach kommt in der Elbestadt auf etwa 19 Einwohner ein Hund. Die im Vergleich wenigsten Hunde sind in Dresden registriert. Hier sind es fast 43 Einwohner auf einen Vierbeiner.

Beim Thema Hundesteuer kommen die Einwohner von Jena am besten weg. Über alle Vierbeiner hinweg sind im Durchschnitt gut 84 Euro im Jahr pro Tier zu zahlen, dicht gefolgt von Leipzig (87,3) und Magdeburg (88,3). Zwei Städte reißen sogar die 100-Euro-Latte: Chemnitz und Dresden. Während in der südsächsischen Metropole gut 102 Euro zu berappen sind, müssen Halter in der Landeshauptstadt fast 108 Euro an die Kommune zahlen.

Leipzig geht mit Hundehaltern vergleichsweise großzügig um. Sollten mehr Kontrollen stattfinden?

 Preiswert, kaum Kontrollen, wenig Bußgeld, die meisten Hundewiesen – in Leipzig dürften sich Herrchen und Hund ziemlich wohl fühlen. ist der Umgang mit Hundehaltern in Leipzig zu lasch?

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Die größte Gefahr, kontrolliert zu werden, besteht für Hundebesitzer in Halle. Fast jeder wird im Schnitt einmal jährlich vom Ordnungsamt einer Prüfung unterzogen. In Dresden wird hingegen nur jeder 30. Besitzer kontrolliert. In Leipzig, Chemnitz und Gera ist es jeder zehnte Hundehalter, der Kontakt mit den städtischen Angestellten oder der Polizei hat.

Die großzügigsten – vielleicht auch hundefreundlichsten – Mitarbeiter im Ordnungsamt scheinen die Leipziger zu haben. Nur 30 Cent Bußgeld werden pro Jahr durchschnittlich von jedem Hundehalter kassiert. In Halle sind es hingegen stolze 2,50 Euro. Die Saalestadt erhebt mit fast 25 000 Euro auch die absolut höchste Bußgeldsumme aller acht mitteldeutschen Großstädte. Zum Vergleich: Das deutlich größere Leipzig kassiert gerade einmal knapp 6300 Euro – in etwa so viel wie Gera. Drei Städte sahen sich nicht in der Lage, die Höhe der eingenommenen Bußgelder zu beziffern.

Geht man nach der Anzahl der Anzeigen, scheinen in Chemnitz deutlich weniger Hundefreunde oder mehr Hundehasser zu wohnen als in den anderen sieben anderen Städten. Für fast jeden 38. Hundehalter gab es im Vorjahr durchschnittlich eine Anzeige. Deutlich gelassener sind da die Magdeburger – nur auf jeden 144. Halter kommt hier eine Anzeige, in Leipzig sogar nur bei auf jedes 149. Halter.

Um die Hundefreundlichkeit einer Kommune besser einschätzen zu können, reichen Hundesteuer, Kontrollen, Anzeigen und Bußgelder bei weitem nicht aus. Nimmt man beispielsweise die Anzahl der Hundewiesen für den Auslauf der Vierbeiner, hat Leipzig sowohl absolut als auch prozentual meilenweit die Nase vorn. Auf 44 Hundewiesen kann die Messestadt verweisen. In Jena gibt es keine einzige. Chemnitz hat mit 18 nur wenig mehr als Halle (11), dafür hat Magdeburg immerhin 25 Spiel- und Auslaufplätze für Hunde. Dresden und Gera beantworteten diese Frage nicht.

Dresden streng, Leipzig locker und viele Kontrollen in Gera

Für viele Mitmenschen ist er der treueste Freund und Helfer, für andere ein Dauerärgernis: Beim Thema Hund gehen die Meinungen oft weit auseinander. Eine Umfrage der LVZ ergab neben vielen Fakten auch interessante Details, wie in den acht mitteldeutschen Städten die durchschnittlichen Lebensbedingungen für die Vierbeiner sind. Hier ein Überblick, wobei nicht alle Kommunen Antworten auf sämtliche Fragen gaben.

Leipzig: Preiswert, kaum Kontrollen, wenig Bußgeld, die meisten Hundewiesen – in Leipzig dürften sich Herrchen und Hund ziemlich wohl fühlen. Auch die 165 „vermutet gefährlichen und im Einzelfall als gefährlich registrierten Hunde“. Der Hauptanteil der knapp 140 Anzeigen bezog sich in der Messestadt auf Hundehalter, die den Leinenzwang in bestimmten Teilen der Stadt missachteten. Das Hundesteueraufkommen ist mit 1,8 Millionen Euro das höchste in Mitteldeutschland.

Dresden: Verstöße gegen die Leinenpflicht sind in der Landeshauptstadt ein Dauerärgernis. Rund 82 Prozent der ermittelten Fälle beziehen sich hierauf. Hunde auf Spiel- und Sportplätzen wurden 43 Mal erwischt. In einem Fall musste im Vorjahr die Haltung eines Hundes dauerhaft untersagt werden, weil das Tier als gefährlich eingestuft wurde und der Halter nicht über die entsprechende Zuverlässigkeit verfügte. In Dresden gibt es einen Tierfriedhof und 64 Plätze für Hunde im Tierheim der Stadt. In der Landeshauptstadt gibt es 56 Hundebeutelspender/Kotbehälter. Die Bestückung mit 1,2 Millionen Kotbeuteln jährlich schlägt mit 26 000 Euro zu Buche.

Chemnitz: Nur drei Kampfhunde sind in Chemnitz gemeldet – die Haltung eines Hundes wurde im Vorjahr aber niemandem untersagt. Auffällig im gelieferten Zahlenwerk der Stadt ist, dass über ein Fünftel der festgestellten und geahndeten Verstöße nicht bezahlte Hundesteuer-Delikte sind. Hundekotbeutel werden nach einigen erfolglosen Versuchen vor allem wegen Vandalismus nicht mehr zur Verfügung gestellt – die Entsorgung ist in circa 1000 städtischen Papierkörben im öffentlichen Grün möglich. Ein kommunales Tierheim gibt es nicht, ebenso keinen Tierfriedhof.

Halle: In der Saalestadt sind immerhin 82 Hunde als gefährlich eingestuft und werden dementsprechend steuerlich behandelt. Bei den Bußgeldern rangieren Verstöße gegen die Leinenpflicht mit 56 Prozent weit vor Meldepflichtverstößen (25), Hundesteuer (17) und Hundekot (2). Für immerhin knapp 72 000 Euro stellt die Stadt kostenlose Hundebeutel zur Verfügung. Neben einem privat geführten Tierfriedhof gibt es an der Saale zwei Tierheime mit insgesamt 32 Plätzen.

Magdeburg: In der Hunde-Hauptstadt Magdeburg wird davon ausgegangen, dass eine etwa zwölfprozentige Dunkelziffer bei nicht angemeldeten Tieren existiert. Die Elbestadt hat 289 „Vermutungshunde“ – also Kampfhunde bestimmter Rassen – sowie 203 Vorfallshunde regis-triert. Letztere haben in mindestens einem Fall Menschen oder Tiere gebissen. Nur drei Verstöße gegen Nichtbeseitigung von Hundekot wurden festgestellt, dafür aber zwei wegen Lärms, 27 wegen Führens von Hunden ohne Leine und 168 wegen Verstößen gegen die Hundesteuersatzung. Allein 85 Anzeigen wegen Beißvorfällen sind aktenkundig, eine Untersagung der Haltung gab es im Vorjahr aber nicht. In den Bürgerbüros gibt es kostenlose Hundekotbeutel, wofür die Kommune 2500 Euro ausgibt. Zur Entsorgung stehen im gesamten Stadtgebiet über 2800 Papierkörbe – darunter 87 Hundetoiletten – zur Verfügung. Magdeburg verfügt über einen privaten Tierfriedhof und ein städtisches Tierheim mit 50 Plätzen für Hunde. Zudem ermöglicht die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Mensch-Tier-Bestattungen

Erfurt: Die thüringische Landeshauptstadt ist Vizemeister unter den mitteldeutschen Kommunen, was die Anzahl der Hunde im Vergleich zur Gesamtbevölkerung betrifft. Auf 21,2 Einwohner kommt ein Vierbeiner. Sonst rangiert die Stadt eher im Mittelfeld. Keinem Hundehalter wurde im Vorjahr der Besitz eines Tieres untersagt. Hundetütenspender wurden wieder abgeschafft, sechs Hundewiesen stehen zur Verfügung. Die Stadtwerke betreiben einen Tierfriedhof sowie ein kommunales Tierheim mit zwei Standorten. Der Standort Lutherstein ist speziell für Hunde ausgelegt und bietet 67 Plätze.

Jena: Neben dem „Meistertitel“ für die niedrigste Hundesteuer kann die Universitätsstadt in wenigen anderen Feldern besonders punkten. Hundekotbeutel, Hundewiesen und einen Tierfriedhof gibt es keine – der neue Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) hat sich aber neue und mehr Hundetoiletten auf die Fahnen geschrieben. Und es besteht die Möglichkeit der Mensch-Tier-Bestattung. Das Tierheim bietet Platz für 21 Hunde. Für sämtliche Hundehalter ist es Pflicht, den Hund mit einem Mikrochip kennzeichnen zu lassen.

Gera: Die Nummer 3 beim Hundehauptstadt-Ranking (22 Einwohner auf ein Tier) nimmt mit 1,4 Euro auch die drittmeisten Bußgelder pro Tier ein. Ebenso Bronze holt sich die Kommune beim Thema Kontrollen. Gut jeder 13. Halter wurde im Vorjahr überprüft. Die meisten Verstöße gab es bei unangeleinten Tieren, gefolgt von einer fehlenden Tierhaftpflichtversicherung. Vier Hunde sind aufgrund von Beißvorfällen als gefährlich eingestuft, eine Untersagung der Haltung gab es nicht. Die Stadt verfügt über 13 Hundefreilaufflächen sowie im städtischen Tierheim über 18 Zwinger im Hundehaus und sieben Zwinger in der Quarantäne.

Sonstiges: Zum Thema Hunde gibt es natürlich noch jede Menge andere Analysen. Je nach Ausrichtung und Fragestellung ergibt es auch für die mitteldeutschen Städte ein jeweils unterschiedliches Meinungsbild. Das Internetportal Betreut.de hat bundesweit die besten Städte unter dem Motto „Bester Wohlfühlspaß für Hunde“ zusammengetragen. Dort belegt die Saalestadt Halle von fast 80 Kommunen Rang 5 vor Jena (6), Chemnitz (7), Dresden (11), Leipzig (21), Erfurt (30) und Magdeburg (38). Unter anderem wurde die Anzahl der Hundesalons, Tiergeschäfte und Hundesitter zurate gezogen und mit der Einwohnerzahl ins Verhältnis gesetzt. In der Kategorie Hundesalons belegte Halle bundesweit Rang vier, Chemnitz (Tiergeschäfte) und Jena (Hundesitter) sicherten sich ebenso die Blech-Medaille.

Von Martin Pelzl

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