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Mitteldeutschland Mehr Drogendelikte, weniger Einbrüche: Sachsen bleibt vergleichsweise sicher
Region Mitteldeutschland Mehr Drogendelikte, weniger Einbrüche: Sachsen bleibt vergleichsweise sicher
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22:03 12.09.2018
Die Zahl der Einbrüche ist im vergangenen Jahr in Sachsen gesunken. Quelle: dpa
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Leipzig

Die große Mehrheit der Sachsen fühlt sich im Freistaat sicher – auch wenn jeder Zweite meint, die Kriminalität habe in seinem Lebensumfeld in den vergangenen drei Jahren zugenommen. Das hat eine LVZ-Umfrage ergeben, für die das Leipziger Meinungsforschungsinstitut Uniqma vom 20. bis 28. August ins­gesamt 703 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte befragt hat. Ein weiteres Ergebnis ist: Jüngere (18 bis 29 Jahre) haben deutlich weniger Ängste als Ältere (über 50 Jahre). Insgesamt lässt sich laut der Erhebung von einem hohen Sicherheitsempfinden in Sachsen sprechen.

„Ohnehin ist Sachsen im Vergleich mit anderen Regionen vergleichsweise sicher“, kommentiert der sächsische Innenminister Roland Wüller (CDU) die vorliegenden Zahlen. Gleichwohl spiele das Sicherheitsgefühl der Menschen eine wichtige Rolle, so Wöller. „Es ist naturgemäß subjektiv und hängt von vielen Faktoren ab. Von persönlichen Erlebnissen, aber auch von Quelle, Art und Umfang der Informationen über Straftaten. Einzelne schwere Straftaten, über die medial berichtet wird, beeinflussen das Sicherheitsgefühl in hohem Maße“, meint der Innenminister. Das hätten „die Geschehnisse von Chemnitz“ in den vergangenen Wochen schmerzhaft vor Augen geführt.

Kriminalitätsstatistik: Weniger Einbrüche und Diebstähle

Nach Parteipräferenzen aufgesplittet, stellt sich in der LVZ-Umfrage ein äußerst unterschiedliches Sicherheitsempfinden dar: Während 21 Prozent der Grünen-Anhänger der Meinung sind, dass die Kriminalität in den zurückliegenden drei Jahren gestiegen ist, empfinden dies immerhin 78 Prozent unter den AfD-Sympathisanten. Dazwischen liegen Wähler von SPD (36 Prozent), Linken (40 Prozent), CDU (45 Prozent) und FDP (52 Prozent). Insgesamt – das zeigen die Befragungen ebenfalls – sind die der AfD zugeneigten Frauen und Männer erheblich ängstlicher als die große Mehrheit der Bevölkerung. Doch selbst in dieser Anhängerschaft meint noch jeder fünfte Befragte, dass die Kriminalität in seinem Lebensumfeld nicht zugenommen hat.

Das ist eine Aussage, die sich im Wesentlichen mit der sachsenweiten Kriminalitätsentwicklung des vergangenen Jahres deckt. Insgesamt wurden 323 136 Straftaten festgestellt, das sind 0,5 Prozent weniger als 2016. Die Aufklärungsquote lag bei 59,2 Prozent (plus 3,4 Prozent). Dabei seien insbesondere Straftaten zurückgegangen, die den Alltag der meisten Sachsen betreffen, erklärt das Landeskriminalamt (LKA). So ging die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche binnen Jahresfrist erstmals seit längerer Zeit zurück – um 13,1 Prozent auf 4071 Fälle. Das sei ein wichtiges Zeichen, sagt LKA-Chef Petric Kleine, da Einbrüche für Betroffene häufig erhebliche psychische Folgen haben, da ihre Privatsphäre verletzt wurde. Ein Fünftel dieser Einbrüche konnte 2017 aufgeklärt werden, die Polizei ermittelte 832 Tatverdächtige. Ein Viertel von ihnen stammt aus dem Ausland, überwiegend aus Tunesien, Tschechien und Georgien.

Sinkende Zahlen wurden auch bei Auto- und Ladendiebstählen registriert, daneben bei Sozialbetrug und dem Erschleichen von Leistungen. Daneben erreichte an der Grenze zu Polen und Tschechien die erfasste Kriminalität den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Auch die ausländerrechtlichen Verstöße gingen im vergangenen Jahr spürbar zurück. Parallel dazu gab es in einzelnen Bereichen eine Zunahme der Fälle: Im Jahr 2016 war das unter anderem bei Sachbeschädigungen und Körperverletzungen so, zuletzt wurden ebenfalls mehr Straftaten im Zusammenhang mit Drogen und bei sexuellen Übergriffen.

Innenministerium: Nur wenige Zuwanderer sind besonders kriminell

Das sächsische Innenministerium wertet die Fälle auch gesondert nach ausländischer Beteiligung aus. Demnach stiegen die Straftaten durch Zuwanderer im vergangenen Jahr leicht auf 19 769 (2016: 18 828) – bei insgesamt 323 136 Fällen in Sachsen. Illegale Einreisen sind hier nicht berücksichtigt. In den meisten Fällen ging es um Diebstahl, Körperverletzung und Rauschgift. Vor allem Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren werden laut der Kriminalitätsstatistik häufiger als Ältere straffällig. Mehr als 30 Prozent der Zuwanderer aus dieser Altersgruppe gerieten mit dem Gesetz in Konflikt. Das Bild wird dabei von sogenannten Mehrfach- und Intensivstraftäter geprägt. Diese Gruppe umfasste im Vorjahr 677 Personen: Ihr Anteil an allen Zuwanderern lag zwar nur bei 1,2 Prozent – sie sind aber für gut ein Drittel aller Straftaten (35 Prozent) verantwortlich.

Neben der sogenannten Alltagskriminalität stellt der Innenminister „Menschenhandel, organisierte Kriminalität, Cyberkriminalität und terroristische sowie extremistische Bedrohungen“ als Aufgaben heraus, auf die sich die Sicherheitsbehörden einstellen müssten. Hinzu kommt, sagt Wöller auch mit Blick nach Chemnitz: „Kriminelle äußerst gewaltbereite Gruppen – insbesondere aus dem rechtsextremen Lager – machen es ebenso notwendig, jetzt umso schneller, härter und effektiver auf die von ihnen ausgehenden Gefahren zu reagieren.“ Zudem haben Demonstrationen nicht nur zugenommen, sondern seien „auch aggressiver geworden“.

Das Sicherheitsempfinden soll im Freistaat in den nächsten Jahren mit einer Aufstockung der Polizei um tausend Beamte erhöht werden. „Denn nur mit mehr Polizisten werden wir die Sicherheit weiter stärken“, macht Wöller klar. Rein statistisch liegt Ostdeutschland in dieser Beziehung schon vor dem Westen: Hierzulande kommen auf 100 000 Einwohner 301 Polizisten – in der alten Bundesrepublik dagegen nur 272.

Von Andreas Debski

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