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Mitteldeutschland Mehr Geld für Nachwuchsmediziner
Region Mitteldeutschland Mehr Geld für Nachwuchsmediziner
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22:38 14.01.2019
Übersicht zu Geld-/Sachleistungen für Studierende im Praktischen Jahr Quelle: Patrick Moye
Leipzig

Sächsische Medizinstudenten sollen mit frühzeitigen finanziellen Anreizen dafür gewonnen werden, nach ihrem Studium als Arzt im Freistaat zu bleiben. Darauf dringen die sächsischen Grünen. Insbesondere die derzeit ungleiche Vergütung des Praktischen Jahres (PJ) an Universitätskliniken, Lehrkrankenhäusern oder in Lehrpraxen nach dem 10. Semester des Studiums ist ihnen ein Dorn im Auge.

Während beispielsweise in Kliniken von Städten wie Hannover oder Heidelberg, aber auch in Jena ein Satz von 596 Euro gezahlt wird, klafft die Schere in Sachsen weit auseinander. Die Vergütung mit Geld- oder auch Sachleistungen wird von den einzelnen Krankenhäusern und Praxen völlig unterschiedlich geregelt. Das geht aus einer Antwort des Sächsischen Wissenschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Während ein Praktikant am Klinikum Döbeln beispielsweise auf 597 Euro im Monat, kostenlose Unterkunft und Mittagessen hoffen darf, gibt es am Uniklinikum Leipzig (UKL) lediglich das Mittagessen zum Nulltarif.

UKL-Sprecherin Helena Reinhardt begründet das so: „Als Universitätsklinikum ist es uns bislang nicht möglich, die umfängliche und intensive Ausbildung der PJ-Studenten vor Ort zu refinanzieren.“ Die begrenzten finanziellen Mittel müssten für die Aufrechterhaltung des Gesamtbetriebs sowie für die Ausbildung ausreichen. Dennoch fielen allein bei den Kosten für die kostenlosen Mahlzeiten der Studenten jährlich rund 75.000 Euro an.

Das UKL sei allerdings sowohl mit der Medizinischen Fakultät der Uni Leipzig, dem Freistaat Sachsen als auch Krankenkassen im Gespräch, wie eine Aufwandsentschädigung umgesetzt werden könnte. Konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht. „Eine bundesweit einheitliche Vergütung halten wir für den falschen Weg“, unterstreicht Reinhardt. Grundsätzlich sollte jedes Krankenhaus unabhängig und eigenverantwortlich über die Vergütung entscheiden.

Im Gegensatz zum UKL stellen andere Kliniken wie das Kreiskrankenhaus Delitzsch Büchergutscheine in Höhe von 150 Euro im Monat und einen Fahrtkostenzuschuss in Aussicht. Innerhalb des Dresdner Uniklinikums Carl Gustav Carus hängt es von der konkreten Klinik ab, ob die Aufwandsentschädigung 400 oder 0 Euro beträgt.

Grünen-Sprecherin Claudia Maicher warnt, das PJ werde von den allermeisten Studierenden in Vollzeit abgeleistet: „Da bleibt keine Zeit, nebenbei noch arbeiten zu gehen. Wer kein BAföG erhält, muss sich anders finanzieren oder auf Ersparnisse zurückgreifen.“ Daher fordern die Grünen die Staatsregierung auf, sich über eine Bundesratsinitiative für eine Novellierung der Approbationsordnung für Ärzte einzusetzen, um unter anderem eine einheitliche Mindestvergütung zu erreichen.

Dem hält das Stange-Ministerium allerdings entgegen, dass eine Verpflichtung sächsischer Unikliniken zur Zahlung einer PJ-Vergütung rechtlich gar nicht möglich sei, da diese als Anstalten öffentlichen Rechts nur der Rechtsaufsicht und nicht dem Ministerium unterlägen. Mehr noch: Das Wissenschaftsministerium habe auf die Mehrheit der Krankenhäuser keinen Einfluss, weil diese in kommunaler oder privater Trägerschaft sind, so Ministerin Eva-Maria Stange (SPD). Zudem wüchse mit einer einheitlichen Mindestvergütung die Gefahr, dass sich Studierende noch mehr an die Universitätskliniken in den Großstädten Leipzig und Dresden statt an Akademischen Lehrkrankenhäusern auf dem Lande bewerben könnten, warnt sie.

„Die Höhe der Ausbildungsvergütung wird offenbar auch als ein Instrument genutzt, um für angehende Ärzte die zukünftige Tätigkeit im eigenen Haus beziehungsweise der Region attraktiv zu machen“, gibt Stange zu bedenken. Eine Differenzierung könne also sogar sinnvoll sein. Besonders Kliniken im ländlichen Raum lockten mit kostenloser Kost und Logis, mit Büchergeld und höheren Aufwandsentschädigungen.

Auch der Fördermitteltopf der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen richtet sich nach diesem Prinzip. So erhalten PJler akademischer Lehrpraxen 500 Euro monatlich, in den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz aber lediglich 200 Euro.

Die Grünen-Politikerin Maicher sieht allerdings keine Gefahr für ländliche Krankenhäuser: „Eine einheitliche Vergütung würde auch die Zahlung in Krankenhäusern auf dem Land erhöhen. Es gibt kein Lehrkrankenhaus in Sachsen, das den BAföG-Höchstsatz zahlt.“ Der liegt derzeit bei 735 Euro und soll in diesem Jahr nach Willen der Bundesregierung auf 850 Euro steigen. Dazu könnten dann über zusätzliche Anreize weitere Steuerungsmöglichkeiten geschaffen werden. „Das würde dem ja nicht entgegenstehen.“ Maicher mahnt: „Zustände wie an der Uniklinik Leipzig, wo es gar keine Vergütung gibt, müssen dringend beendet werden.“ Die besser bezahlenden Kliniken befänden sich noch immer außerhalb Sachsens, und dies führt laut Sächsischer Landesärztekammer dazu, dass Medizinstudenten nach ihrem Studium auch dort blieben.

Der Chef des Sächsischen Hartmannbundes, Thomas Lipp, sagt, es gebe Kliniken in Sachsen, die nichts bezahlen, aber eine hervorragende Ausbildung leisten. Während andere Krankenhäuser, die Mitarbeiter suchen, etliche hundert Euro zahlten. „Da werden sich viele Studenten eher dafür entscheiden, weil sie einfach knapp bei Kasse sind“, fürchtet der Arzt. Es dürfe aber keinen Preiswettbewerb geben, sondern der Student müsse frei wählen können. „Eine einheitliche Honorierung wäre dienlicher“, so Lipp.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS) bekräftigt das Interesse der Krankenhäuser, dem dringend benötigten Fachkräftenachwuchs optimale Arbeits-, Ausbildungs- und somit auch Vergütungsbedingungen zu bieten. „Allerdings ist dies in starkem Maße abhängig von den wirtschaftlichen Möglichkeiten des einzelnen Hauses“, so Geschäftsführer Stephan Helm. Eine bundeseinheitliche Vergütungsregelung könne zu einer Entschärfung des zunehmenden Wettbewerbs um PJler beitragen – vorausgesetzt, diese Vergütung fände in den Budgets der Krankenhäuser entsprechende Berücksichtigung.

Die Grünen haben nun einen Antrag „Praktisches Jahr nicht zum Null-Tarif – Medizinstudium attraktiver machen“ in den Landtag eingebracht. Er soll voraussichtlich noch im Januar behandelt werden. Außerdem fordern sie ein sächsisches Monitoring, um die Entwicklungen um Abwanderung von Medizinstudenten zu beobachten.

Von Roland Herold

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