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Mehr als vier Millionen hören Abschiedsbrief von Udo Reiter in ARD-Talkshow

Mehr als vier Millionen hören Abschiedsbrief von Udo Reiter in ARD-Talkshow

Moderator Günther Jauch (58) hat mit dem Verlesen des Abschiedsbriefes von Ex-MDR-Intendant Udo Reiter eine heftige Debatte im Fernsehpublikum ausgelöst. 4,34 Millionen sahen am Sonntagabend die Ausgabe der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ zum Thema selbstbestimmter Tod und Sterbehilfe.

Berlin/Leipzig. In den Stunden nach der Sendung gingen auf der Facebook-Seite des Senders zahlreiche Kommentare ein.

Jauch hatte in seiner Sendung eine Erklärung Reiters verlesen, die dieser kurz vor seinem Tod verfasst hatte. Darin erklärte Reiter seine Befürchtungen, bei einem Weiterleben vollkommen von Pflegern abhängig zu werden.

Die vorgelesene Erklärung von Udo Reiter im Wortlaut:

„Nach fast 50 Jahren im Rollstuhl haben meine körperlichen Kräfte in den letzten Monaten so rapide abgenommen, dass ich demnächst mit dem völligen Verlust meiner bisherigen Selbstständigkeit rechnen muss. Vor allem die Fähigkeit, aus eigener Kraft die Toilette zu benutzen und das Bett zu erreichen, und wieder zu verlassen, schwindet zunehmend. Parallel dazu beobachte ich auch ein Nachlassen meiner geistigen Fähigkeiten, das wohl kürzer oder später in einer Demenz enden wird. Ich habe mehrfach erklärt, dass ein solcher Zustand nicht meinem Bild von mir selbst entspricht und dass ich nach einem trotz Rollstuhl selbstbestimmten Leben nicht als ein von Anderen abhängiger Pflegefall enden möchte. Aus diesem Grund werde ich meinem Leben jetzt selbst ein Ende setzen. Ich haben vielen zu danken, die meinen Weg begleitet und meinem Leben Freude und Sinn gegeben haben."

In Jauchs Sendung schilderte zudem Thomas Gottschalk ein Treffen mit seinem engen Freund und Förderer Udo Reiter zwei Wochen vor dessen Tod. Dabei habe er von den bevorstehenden Plänen seines Freundes nichts bemerkt so Gottschalk. Zu Gast in der Sendung waren außerdem der frühere SPD-Politiker Franz Müntefering, die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Nikolaus Schneider.

Nach der Verlesung wirkte Gottschalk sehr berührt. Auf der Facebook-Seite der ARD entwickelte sich eine heftige Debatte. „Herr Reiter hat absolut egoistisch gehandelt“, meinte ein Nutzer. Eine Userin betonte dagegen: „Jeder sollte, jederzeit, über sein Leben und auch über seinen Tod entscheiden.“

Udo Reiter hatte sich am 9. Oktober mit 70 Jahren selbst getötet. In seinen letzten Jahren hatte er sich mehrfach vehement für das Recht auf einen selbstbestimmten Tod und für Sterbehilfe eingesetzt. So auch im Januar 2014 in der Sendung von Günther Jauch.

chg / dpa

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