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Mitteldeutschland Mehr gefährliche Gegenstände an Sachsens Gerichten gefunden
Region Mitteldeutschland Mehr gefährliche Gegenstände an Sachsens Gerichten gefunden
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19:29 07.04.2018
An den Türen der rund 50 Gerichte und Staatsanwaltschaften in Sachsen werden immer öfter gefährliche Gegenstände sichergestellt. (Archivbild) Quelle: dpa
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Dresden

Vom Reizgas bis zur Schreckschusswaffe: An den Türen der rund 50 Gerichte und Staatsanwaltschaften in Sachsen werden immer öfter gefährliche Gegenstände sichergestellt. Die Anzahl ist nach Einschätzung des Justizministeriums erheblich. Das Spektrum reicht von Scheren über Reizgasspray bis zur Schusswaffe.

2017 zogen die Beamten und Wachtmeister 41.459 solcher Utensilien ein, rund drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Zuwachs war allerdings moderater als 2016. Ein Drittel der knapp 14.400 Messer, die nicht unter das Waffengesetz fallen, fand sich bei Besuchern und Prozessbeteiligten im Dresdner Justizzentrum.

Nagelfeilen oder Scheren

Die Menge der sonstigen gefährlichen Gegenstände wie Nagelfeilen oder Scheren habe landesweit zugenommen, sagte ein Ministeriumssprecher. Sie wuchs gegenüber 2016 deutlich um 4000 auf mehr als 23.000. Das zeige, dass die Kontrollen wichtig seien.

Im Vergleich zu 2014 wurden rund 40 Prozent mehr verbotene Dinge in Verwahrung genommen, bis deren Eigentümer die Gebäude wieder verließen - abgesehen von Fällen illegalen Besitzes. 2014 wurden auch zwei Schusswaffen entdeckt, 2016 vier und 2017 eine Schreckschusswaffe. Zudem hatte ein Mann fünf Kleinkaliberpatronen dabei.

Weniger Messer

Auch 145 Messer, die unter das Waffengesetz fallen, nahmen die Beamten in Verwahrung - 24 weniger als 2016. Sie fanden auch weniger Reizstoffspray. „In den meisten Fällen ist es Nachlässigkeit. Die Leute denken oft nicht daran, welche potenziell gefährlichen Gegenstände sie dabei haben“, sagte der Ministeriumssprecher. So kam etwa ein Besucher mit Akkupunkturnadeln in ein Dresdner Gericht, andere mit Dartpfeilen oder Werkzeug wie Schraubendreher.

Sachsen hatte nach dem gewaltsamen Tod einer Zeugin im Dresdner Landgericht 2009 mehrere Millionen Euro in mehr Sicherheit an Gerichten investiert. Auch die Zugangskontrollen wurden verstärkt - inklusive mobiler Handsonden und Schleusen sowie mehr Personal.

Ständige Kontrollen

Die Ägypterin Marwa El-Sherbini war bei einer Berufungsverhandlung am 1. Juli 2009 vom Angeklagten aus Fremdenhass erstochen worden. Sie hatte ihn wegen rassistischer Beleidigung angezeigt. Die Bluttat hatte bundesweit Entsetzen, Proteste in der islamischen Welt sowie eine Debatte über die Sicherheit an Gerichten ausgelöst.

An Landgerichten und Justizzentren wird seitdem ständig am Einlass kontrolliert, an kleineren Amtsgerichten sporadisch. „Entweder ordnen Richter sie an, oder sie finden spontan ohne Anlass statt“, sagt der Ministeriumssprecher. Gravierende Gewalttaten habe es auch dank der gründlichen Arbeit der Wachtmeister nicht mehr gegeben, betonte Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) und mahnte: „Waffen und andere gefährliche Gegenstände haben in Justizgebäuden nichts zu suchen.“

LVZ

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