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Mitteldeutschland Michael Kretschmer – vom Wahlverlierer zum Parteikapitän
Region Mitteldeutschland Michael Kretschmer – vom Wahlverlierer zum Parteikapitän
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15:22 10.12.2017
Stanislaw Tillich überreichte seinem Nachfolger Michael Kretschmer (rechts) auf dem Parteitag in Löbau symbolisch das Steuerrad der sächsischen CDU.   Quelle: dpa
Löbau

 Wenn Michael Kretschmer neuer Regierungschef von Sachsen wird, gehört er zu den jüngsten deutschen Politikern in diesem Amt. Auch wenn Helmut Kohl bei seinem Amtsantritt als Länderchef 39 Lenze zählte und Sigmar Gabriel erst 40 war – aktuell wäre er mit 42 Jahren der jüngste deutsche Ministerpräsident. Am Samstag wurde er auf einem Parteitag der Sachsen-CDU in Löbau als Nachfolger von Ministerpräsident Stanislaw Tillich zum Parteichef gekürt. Mit 90 Prozent fiel die Zustimmung überraschend deutlich aus. Am kommenden Mittwoch soll er zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

Dabei sah noch Ende September die politische Karriere des gebürtigen Görlitzers alles andere als rosig aus. Bei der Bundestagswahl verlor Kretschmer ausgerechnet in seiner Heimatregion das Direktmandat gegen einen bis dato namenlosen AfD-Mann. Am Tag darauf gab er zu, wie schon seit 2002 mit einem Sieg gerechnet zu haben. Einen „Plan B“ habe er nicht, sagte der zweifache Vater geknickt.

De Maizière attestiert Kretschmer großes Talent

Kretschmer sprach von einem „ordentlichen Magenschwinger“, den er genau wie die CDU erhalten habe. „Das ist eine Zäsur für mich persönlich.“ Denn Kretschmer war genauso erfolgsverwöhnt wie die CDU im Freistaat, die nach der Wende dreimal hintereinander die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen errang und erst seit 2004 die Macht mit anderen teilen muss. Seit 2005 amtierte Kretschmer als Generalsekretär der Sachsen-CDU, 2009 wurde er Vizefraktionschef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und war unter anderem für Forschung und Bildung verantwortlich.

Beim CDU-Parteitag in Löbau hat Stanislaw Tillich das Ruder an Michael Kretschmer übergeben.

Dabei erwies er sich als fähiger Netzwerker, holte immer wieder Fördermittel des Bundes in den Freistaat. Die guten Kontakte zur Bundesebene könnten Kretschmer nun in seinem neuen Amt von Vorteil sein. Vorschusslorbeeren gibt es aus den eigenen Reihen. „Er hat großes rednerisches Talent, er hat Charisma, er stammt von hier“, sagt CDU-Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Politisch gesehen ist Kretschmer so etwas wie ein Wendekind. „Für Politik begeisterten mich Freunde aus der Jungen Gemeinde, mit denen ich im Wendeherbst 1989 die Friedensgebete in Görlitz besuchte. Eine bis heute prägende Zeit“, schreibt Kretschmer - Jahrgang 1975 - in seiner Biografie auf seiner Website. Tatsächlich stieg er schon mit 19 Jahren in den Politikbetrieb ein - als Stadtrat in Görlitz. Der gelernte Informationselektroniker studierte später an der Dresdner Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen.

Kretschmer steht vor Mammutaufgabe

Schon lange wurde Kretschmer als Kronprinz für eine spätere Nachfolge von Tillich gehandelt. Dass der Wechsel nun so früh stattfindet, kam für ihn selbst überraschend. Kretschmer steht vor einer Mammutaufgabe. In nur zwei Jahren muss er die Union in Sachsen wieder so aufstellen, dass sie wieder stärkste Kraft im Freistaat wird und die AfD auf Abstand hält.

Die Opposition hält Kretschmer freilich nicht für einen Regierungschef. Die Linken halten ihm vor, als „Wasserträger“ die Politik des scheidenden Ministerpräsidenten mitgetragen haben. Grüne und Linke machen Kretschmer zudem für einen Rechtskurs in der Union verantwortlich.

Von Jörg Schurig und Martin Fischer