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Mitteldeutschland Möglicherweise Gräber der ersten Sachsen entdeckt
Region Mitteldeutschland Möglicherweise Gräber der ersten Sachsen entdeckt
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23:48 23.12.2009
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Merseburg

In Kleingräfendorf (Saalekreis) entdeckte ein Team des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt nun 22 Gräber aus dem 6. Jahrhundert, die möglicherweise sächsischen Stammesangehörigen als letzte Ruhestätte dienten.

"An mehreren Stellen haben wir Gebeine von Männern gefunden, die sowohl Krieger als auch Bauern gewesen sind", berichtet Helge Jarecki, der die Grabungen im Saalekreis koordiniert. Da einige Tote noch ihre Kurzschwerter, den sogenannten Sax, bei sich hatten, könnte es sich hier um Gräber der ersten Sachsen handeln, die vom heutigen Niedersachsen her in den Saale-Unstrut-Raum vorgedrungen waren. In dieser Region herrschten damals die Könige der Thüringer. Nach dem Sieg der mit den Sachsen verbündeten Franken in einer Schlacht bei Burgscheidungen an der Unstrut im Jahr 531 zerfiel das Thüringerreich.

Arnold Muhl vom Landesamt hält es für möglich, dass damals gemeinsam mit fränkischen Kriegern auch Sachsen nach Mitteldeutschland kamen. "Das Sax, von dem die alten Sachsen ihren Namen ableiteten, wurde allerdings auch von anderen germanischen Stämmen wie den Alemannen, Bajuwaren und Langobarden benutzt. Das einschneidige Kurzschwert war eine gefürchtete Hiebwaffe, galt aber auch als Waffe des kleinen Mannes. Höhergestellte Krieger trugen zur Zeit der Völkerwanderung zumeist Langschwerter", berichtet Mittelalterexperte Muhl. "Die anthropologische Untersuchung der entdeckten Gebeine steht noch bevor. Erst dann kann man eine eindeutige Stammes-Zuordnung vornehmen", betont Jarecki, dessen Team in den Wintermonaten vor allem mit Inventarisierungs- und Dokumentationsarbeiten beschäftigt ist.

Spannend findet der Archäologe auch die Beigaben für die bei Kleingräfendorf bestatteten Frauen. In den vier Gräbern wurden farbenprächtige aus Glasperlen bestehende Halsketten gefunden. Eine dieser filigranen Schmuckstücke war zudem mit Silberperlen als Abstandshalter versehen. Die Glasperlen sind aller Wahrscheinlichkeit nach Eigenproduktionen. Rätselraten herrscht unter den Experten über zwei Gräber, die von großen Findlingen überdeckt sind. "Man rollte schwere Steine aufs Grab, um die Rückkehr der Toten zu verhindern. Die Menschen glaubten damals an sogenannte Wiedergänger. Eventuell wurden diese beiden Toten dafür gehalten", vermutet Jarecki.

Bernd Lähne

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