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Mitteldeutschland NSU mordete laut Ermittlern aus Fremdenhass - Auswahl „unarischer“ Männer als Opfer
Region Mitteldeutschland NSU mordete laut Ermittlern aus Fremdenhass - Auswahl „unarischer“ Männer als Opfer
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13:50 15.01.2012
Screenshot aus einem Video des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU). Foto: Der Spiegel Quelle: dpa
Karlsruhe

„Die terroristische Zwecksetzung des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) wird dadurch weiter belegt.“

Nach Informationen des „Spiegels“ haben die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ihre Mordserie womöglich nach dem Vorbild amerikanischer Rassisten geplant. In einem frühen, bislang unveröffentlichten Bekennervideo erscheinen demnach Kästchen, die sich jeweils mit dem Datum eines Attentats füllen. Auffällig sei, so heiße es in einem Ermittlungsbericht des Bundeskriminalamts, „dass bei den Einblendungen immer 14 umrahmte Felder zu sehen sind“.

Die Zahl 14 habe „in der rechtsextremistischen Szene eine besondere Bedeutung“ und beziehe sich auf die ideologische Leitlinie eines amerikanischen Rassisten, die aus 14 Wörtern bestehe. Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass die Neonazis für jedes dieser Wörter einen Mordanschlag begehen wollten.

In Zwickau gefundene Aufzeichnungen legen laut „Spiegel“ nahe, dass sich Böhnhardt und Mundlos bei der Auswahl ihrer Opfer auf „unarische“ Männer im zeugungsfähigen Alter konzentrierten. In einem Fall sollen die Täter von der geplanten Ermordung eines türkischen Unternehmers in Dortmund abgesehen haben, weil er über 60 Jahre alt war.

Zwickauer Versäumnisse haben personelle Folgen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat dem „Spiegel“ zufolge personelle Konsequenzen im Zusammenhang mit Versäumnissen nach dem Abtauchen des Zwickauer Terrortrios gezogen. BfV-Präsident Heinz Fromm habe den Abteilungsleiter Artur Hertwig seiner Zuständigkeit für den Rechtsextremismus enthoben. Die 2006 zusammengelegten Abteilungen für Links- und Rechtsextremismus wolle Fromm wieder trennen. Ein BfV-Sprecher sagte am Sonntag auf Anfrage, sein Haus äußere sich zu Personalfragen grundsätzlich nicht.

Ende November hatte Fromm in einem Vortrag erklärt, es sei weder gelungen das Abtauchen der Mitglieder des nationalsozialistischen Untergrunds zu verhindern noch Hinweise auf Unterstützer zu erhalten. Nach „Spiegel“-Informationen soll Hertwigs Posten von Dinchen Franziska Büddefeld übernommen werden. Sie habe Erfahrung bei der Bekämpfung islamistischer Terrorzellen und kenne die Kooperation mit den Ländern im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum.

dpa

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