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Mitteldeutschland Nach AfD-Eklat: Rügenwalder-Personal ist tief erschüttert
Region Mitteldeutschland Nach AfD-Eklat: Rügenwalder-Personal ist tief erschüttert
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15:53 07.12.2018
Der dunkelhäutige Mann im Werbespot der Rügenwalder Mühle ist seit vielen Jahren Mitarbeiter des Familienbetriebes und hat einen deutschen Pass. Quelle: Rügenwalder Mühle
Landkreis Leipzig/Bad Zwischenhahn

Der LVZ-Beitrag zur Hass-Mail des AfD-Pressesprechers im Landkreis Leipzig hat bundesweit für Aufsehen und Bestürzung gesorgt. Im niedersächsischen Familienbetrieb Rügenwalder Mühle, den Horst Juhlemann attackiert hatte, weil in einem Werbespot ein dunkelhäutiger Mann mitwirkte, herrschte auch am Freitag noch das blanke Entsetzen. „Die Sache hat sich schnell herumgesprochen – alle Kollegen haben es inzwischen gelesen und sind sehr betroffen“, erklärte Unternehmenssprecherin Gabriele Soballa.

Mitarbeiter von Rügenwalder sind auch Gesichter in Werbespots

Besonders dem betroffenen Mitarbeiter – seit vielen Jahren im Unternehmen angestellt – „geht es im Moment nicht sehr gut“, so Soballa. Geschäftsleitung und Belegschaftsvertreter haben noch am Donnerstagabend intern über die Mail Juhlemanns gesprochen. „Wir stehen zu allen unseren Mitarbeitern und halten Rassismus in jeglicher Form für absolut inakzeptabel. Wir haben deshalb klar die Aussagen des AfD-Vertreters verurteilt. Wir finden aber auch: Rassismus und der AfD-Pressesprecher verdienen es nicht, eine große Bühne und noch mehr Beachtung zu bekommen. Wir haben uns deshalb gegen weitere Maßnahmen gegenüber dem AfD-Vertreter entschieden“, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Moin zusammen, vielleicht habt ihr es bereits auf unseren Social-Media-Kanälen gesehen oder in den Medien verfolgt, dass...

Gepostet von Rügenwalder Mühle am Freitag, 7. Dezember 2018

Auch auf LVZ.de und den Facebookseiten der Leipziger Volkszeitung wurde die Mail Juhlemanns verurteilt und mit Häme bedacht. Userin Simone Waffenschmidt kommentierte: „Ob Herr Juhlemann seinem Parteikollegen Achille Demagbo auch kein ,harmonisches Integrieren’ zutraut?“ Und Kathrin Hahn meinte: „Immer wenn du denkst, die haben alle rassistische Kackscheiße durch, dann kommt so eine Meldung.“

Konsequenzen auf dem AfD-Kreisparteitag gefordert

Die AfD-Mitglieder im Kreisverband hatten sich am Donnerstag vorsorglich vom rassistischen Alleingang ihres Pressesprechers distanziert. Am Sonntag feiert der Kreisverband fünften Geburtstag. Und hält seinen Kreisparteitag ab – dort will AfD-Bundestagsabgeordneter Lars Herrmann dafür sorgen, dass die Personalie Juhlemann besprochen wird. Andere Parteimitglieder forderten den Rücktritt Juhlemanns von seinen politischen Ämtern. Der Bad Lausicker ist im Verbandsvorstand, als Stadt- und Kreistag tätig. Herrmann: „Zum Kreisparteitag am kommenden Wochenende werde ich das Thema ansprechen und auf eine Klärung sowie Konsequenzen drängen.“

Der „Afrikaner“ hat einen deutschen Pass

In Bad Zwischenhahn will man den Vorfall zumindest in der Öffentlichkeit nicht weiter forcieren. „Diese Mail hat uns zutiefst empört. Wir sind seit 184 Jahren ein Familienunternehmen und wir werben seit mehreren Jahren mit unseren Mitarbeitern. Da bei uns Menschen mit knapp 20 verschiedenen Nationalitäten arbeiten, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir dies auch in unserer Werbung genauso darstellen.“ Man spreche mit allen Mitarbeitern, die eine breite Solidarität für ihren Kollegen zeigen. Der, so Soballa, sei nämlich „ein sehr netter Kollege und Mensch.“ Noch dazu mit deutschem Pass.

Von Thomas Lieb

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