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Mitteldeutschland Nach Chemnitz: Runder Tisch in Sachsen soll „Miteinander reden!“ heißen
Region Mitteldeutschland Nach Chemnitz: Runder Tisch in Sachsen soll „Miteinander reden!“ heißen
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07:54 27.09.2018
“Wir wollen keine Show-Veranstaltungen“: Die Leipziger Politik-Professorin Astrid Lorenz setzt als Moderatorin von „Miteinander reden!“ auf ernsthafte Gespräche an Brennpunkten in Sachsen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wie weiter in Sachsen nach Chemnitz? Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte Anfang September als Reaktion auf die tödliche Messerattacke und nachfolgenden Ausschreitungen den Runden Tisch als Gesprächsformat angeregt. Diese Art des Bürgerdialogs, der im Herbst 1989 entstanden war, soll den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ in Sachsen wiederherstellen, so die Hoffnung Kretschmers. Als Moderatoren sind unter anderem Sachsens Ex-Innenminister Heinz Eggert und die Leipziger Politologin Astrid Lorenz vorgesehen. Name, Art und Beginn der Gespräche waren bislang noch unklar. Jetzt gibt es erste Details.

Auftakt der Gesprächsreihe im November

„Wir haben uns entschieden, das Vorhaben „Miteinander reden!“ zu nennen, weil wir es wichtig finden, dass wir alle mehr miteinander statt nur übereinander reden“, sagt Lorenz auf LVZ-Anfrage. Ziel sei es, dass alle Regionen und Gesellschaftsgruppen mitmachen. Start soll eine Auftaktveranstaltung im November sein. „Wir wollen dabei mit Funktionsträgern aus Verwaltung, organisierten Vereinen, Verbänden und gesellschaftlichen Gruppen die Ziele des Vorhabens abstecken und Abläufe absprechen. Danach geht es in die Landkreise und Städte“, so Lorenz.

Keine Show-Veranstaltungen, Frauen besonders willkommen

„Wir wollen keine Show-Veranstaltungen“, betont die Leipziger Uni-Professorin. Viel wichtiger sei es, nachhaltig Dinge anzuschieben, die dann selbstorganisiert vor Ort weiterlaufen. „Deshalb möchten wir die ernsthaft Interessierten ansprechen. Die zweifelnden Engagierten sind besonders willkommen.“ Gemeint seien damit Menschen, die bereits viel leisten und Verantwortung übernehmen in Schulen, im Sportverein oder bei Rettungsdiensten, Feuerwehr und in der Kultur. „Viele von ihnen schrecken bisher vor größerem politischen Engagement zurück, weil sie sich keiner Partei nahe fühlen und sich von politischen Übertreibungen und Beleidigungen abgestoßen fühlen“, so Lorenz. Gerade aber diese Skeptiker hätten oft gute Ideen, deshalb seien gemischte Teams die besten. Auch Frauen seien besonders willkommen.

Langer Atem zur Problemlösung nötig

„Wir gehen vor allem dorthin, wo Regierungspolitiker in letzter Zeit noch nicht waren und in die regionalen ,Hauptstädte’, um noch mehr Menschen einen direkten Austausch zu ermöglichen“, kündigt Lorenz an. In den Veranstaltungen sei es erklärtes Ziel, neben den Problemschilderungen möglichst viele gemeinsame Lösungsideen für die künftige Politik in Sachsen zu entwickeln und Menschen dafür zu vernetzen. „Da braucht man Gleichgesinnte, ein richtiges Konzept und einen langen Atem.“

Einladungen gehen in den nächsten Wochen raus

Politologin Lorenz hofft, dass neben Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften oder Kammern möglichst viele Entscheidungsträger aus der Regierung und der jeweiligen Region kommen, „damit man direkt Antworten auf Fragen erhält und Wissen verknüpfen kann.“ So sei es für einen echten Dialog wichtig, wenn Landräte und Oberbürgermeister, die Dezernenten und Regierungsmitglieder teilnehmen. „Polizeichefs, Leiter der Straßenbauverwaltung oder Schuldirektoren dabei zu haben, hilft, die Probleme besser zu verstehen und Personen zu vernetzen, die diese dann auch gut lösen können“, so Lorenz. Entscheidend sei, dass Menschen zusammenkämen, die Gesprächsbedarf haben und ihre Meinung auch klar vertreten können. Die Einladungen sollen demnächst rausgehen. „Wer darüber hinaus teilnehmen möchte, darf auch gern kommen.“

Veranstaltungen sollen ohne Medien stattfinden

In den Foren sollen dann Personen gewählt werden, die die Gespräche vor Ort weiter führen. „Idealerweise tun sich die Teilnehmer zusammen, um auf Nachfolgeveranstaltungen ohne uns weiter an den Lösungen zu arbeiten.“ Ziel von „Miteinander reden!“ sei es, dass konkrete Vorschläge entstehen, „die dann direkt in Politik und Verwaltung eingespeist werden können.“ Damit möglichst offene Gespräche möglich sind, sollen Journalisten außen vor bleiben. „Wir wollen ohne Medienvertreter sprechen. Es geht nicht um Fensterreden an die Welt und gute Presse, sondern um ernsthaften Austausch in der Sache. Hinterher werden die Teilnehmer und wir gern den Medien berichten, wie es lief“, kündigt Astrid Lorenz an. Und: Trotz des neuen Formats „Miteinander reden!“ sollen die Sachsengespräche des Ministerpräsidenten wie geplant weitergehen.

Von Olaf Majer

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