Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nach Fahrstuhlbrand in Jena: 87-Jährige sitzt seit Wochen in Wohnung fest

Nach Fahrstuhlbrand in Jena: 87-Jährige sitzt seit Wochen in Wohnung fest

Seit genau einem Monat ist Ruth Kochan eine Gefangene ihrer eigenen Wohnung: Am 6. November brannte der Aufzug des Elfgeschossers im Jenaer Plattenbauviertel „Lobeda“ - seitdem ist der Fahrstuhl außer Betrieb.

Voriger Artikel
Sachsens Skigebiete rechnen am Wochenende mit Besucheransturm
Nächster Artikel
Ex-MDR-Unterhaltungschef Foht soll erpresst worden sein - Staatsanwaltschaft ermittelt

Mehrere Menschen sitzen seit Wochen in einem Haus in Jena-Lobeda fest.

Quelle: dapd

Jena. „Ich habe seitdem das Haus nicht mehr verlassen“, klagt Kochan. Treppensteigen kann die 87-Jährige nicht mehr. „Ich bin auf einen Rollator angewiesen. Mit dem komme ich die Stufen nicht hinunter“, sagt sie. Vielen anderen älteren Menschen im Haus geht es ähnlich. Viele Bewohner sind wütend - und entdecken gleichzeitig ihre Hausgemeinschaft neu.

Vor vier Jahren war Ruth Kochan extra in eine kleine Wohnung im sechsten Obergeschoss des sanierten Plattenbaus gezogen, des Komforts wegen. „Von der Haustür waren es nur wenige Schritte bis zum Fahrstuhl. Ich muss keine Treppen gehen, um dorthin zu kommen“, sagt die 87-Jährige. Das wurde ihr vor vier Wochen zum Verhängnis - seitdem sitzt sie fest.

Immerhin nimmt Kochan die Situation mit Humor. Am Tag des Brandes habe sie noch viele Dinge eingekauft und sei mit dem „Wesentlichen versorgt“, sagt sie. Brot, Brötchen und Butter brächten nun Freunde und Bekannte mit. Viele andere Bewohner sind inzwischen entnervt, wütend, enttäuscht, verbittert, ratlos - ebenso wie Paketboten, Handwerker, Mitarbeiter von Pflegediensten, die die endlosen Treppenstufen zurücklegen müssen, die eine Etage von der nächsten trennen: „Wir fühlen uns wirklich allein gelassen“, sagt die 60-jährige Ingrid Beyer.

Sie wohnt im zehnten Obergeschoss, ganz am Ende des Flurs und hatte damals die Feuerwehr gerufen, als der Brandgeruch durch einen alten Kabelschacht in ihre Wohnung drang. „Irgendwas liegt hier im Argen. Es weiß bloß keiner, was“, sagt sie. Es könne auf jeden Fall nicht normal sein, dass einen Monat nach dem Brand der Aufzug noch immer nicht wieder funktioniere.

Verwaltung sucht nach Hilfsangeboten

Warum genau die Reparatur des Aufzuges so lange dauert, kann auch die zuständige Hausverwaltung nicht sagen. Vermutlich gebe es Klärungsbedarf zwischen dem Eigentümer des Hauses - einer luxemburgischen Fondsgesellschaft - und der zuständigen Gebäudeversicherung, sagt Treureal-Sprecher Heinz Colligs. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Schadensregulierung „ungewöhnlich lange“ dauere. Das Unternehmen habe derweil Kontakt zu Hilfsdiensten wie der Caritas gesucht, um eine Übergangslösung für die dringendsten Probleme der älteren Mieter zu organisieren.

Bis es soweit ist, bleibt den Bewohnern nur das zu tun übrig, was sie bereits sein Wochen tun: sich gegenseitig helfen. So bringt etwa Ingrid Beyer den älteren Menschen im Haus kleinere Einkäufe mit, leert den Postkasten und schaut regelmäßig nach dem Rechten. „Die Hausgemeinschaft ist auch jetzt nicht mehr ganz so eng wie vor der Wende, aber mit dem Feuer sind wir wieder näher zusammengerückt“, sagt Beyer.

Noch zwei Wochen sind es bis Weihnachten. Gerade für die Älteren könnten diese Tage dann noch mal eine echte Herausforderung werden - wollten viele von ihnen doch zu ihren Kindern und Enkeln fahren und das Familienfest gemeinsam feiern. Ob sie den langen Weg über die Treppe in Angriff nehmen, wissen sie noch nicht. Kochan hat Glück. Ihr Sohn, sagt sie, komme sie besuchen. Und auch die Freunde von der Skatrunde haben sich schon angekündigt. Die wollen die 87-Jährige die Treppen hinuntertragen, um eine Runde Skat spielen zu können.

dapd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr