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Mitteldeutschland Nach Karstadt-Aus in Leipzig keine Doppelstandorte in Mitteldeutschland mehr
Region Mitteldeutschland Nach Karstadt-Aus in Leipzig keine Doppelstandorte in Mitteldeutschland mehr
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21:00 30.11.2018
Der neue Konzern wird nach dem Aus für das Karstadt-Kaufhaus in Leipzig nur mit Karstadt vertreten sein. Quelle: André Kempner
Essen/Köln/Leipzig

Deutschland hat einen neuen Warenhausriesen. Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof wurde am Freitag offiziell vollzogen. Überschattet wurde der Schritt allerdings durch massive Querelen hinter den Kulissen.

Der Kaufhof-Chef Roland Neuwald und einige seiner engsten Mitarbeiter werden den neuformierten Warenhauskonzern verlassen. Geleitet werden soll das Unternehmen vom bisherigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Auch weitere wichtige Schlüsselpositionen sollen mit Karstadt-Leuten besetzt werden.

Fanderl soll aus den beiden Unternehmen nun einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden. Und er hat schon bei der Bekanntgabe des Zusammenschlusses keinen Zweifel gelassen, dass dies „harte Arbeit“ erfordern wird.

Leicht ist die Aufgabe nicht, glaubt Jörg Funder, Handelsprofessor an der Hochschule Worms: „Die Infrastruktur beider Häuser – ihre Steuerungs- und Beschaffungssysteme – zusammenzuführen, wird deshalb eine Mammutaufgabe.“

Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson’s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Die Mehrheit am neuen Gemeinschaftsunternehmen hält der bisherige Karstadt-Eigentümer René Benko. Der Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company bleibt als Minderheitseigentümer an Bord.

Wie vielen Warenhäusern im Zuge der Fusion das Aus droht, ist bislang noch ein gut gehütetes Geheimnis. Benko hat lediglich versichert, „um jede Filiale kämpfen“ zu wollen. Doch mit einer massiven Schließungswelle ist nach Einschätzung von Funder ohnehin nicht zu rechnen.

„Einen Kahlschlag wird es nicht geben. Maximal sind pro Jahr vielleicht vier bis sechs Filialen gefährdet. Filialschließungen im größeren Stil sind gar nicht möglich. Das wäre schon wegen der lange laufenden Mietverträge viel zu teuer“, meint der Branchenkenner.

Die Gewerkschaft Verdi forderte eine „sofortige Einbindung“ der Betriebsräte und der Gewerkschaft. „Für Verdi und die Gesamtbetriebsräte steht bei allen Überlegungen die Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die Bindung an den Flächentarifvertrag an erster Stelle“, erklärte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Kaufhof und Karstadt rechtlich als zwei Unternehmen zu führen, sei eine richtige Entscheidung, weil dies die größten Chancen für den Erhalt der Doppelstandorte biete.

In Leipzig zumindest ist schon klar, wo es hingeht: Das Karstadt-Warenhaus in der City macht am 31. Januar dicht. Das hatte das Unternehmen schon vor dem Zusammenschluss angekündigt. Seit Oktober läuft der Ausverkauf, allen 400 Mitarbeitern wurde bereits gekündigt.

Grund: Karstadt wollte eine Mieterhöhung um 68 Prozent nicht akzeptieren – und will das traditionsreiche Warenhaus nun Ende März besenrein an den Vermieter übergeben. Beobachter glauben aber, dass dem Unternehmen die Mieterhöhung ganz genehm kam, um den Leipziger Markt zu bereinigen – und dem Vermieter die Schuld zuschieben zu können.

In der Messestadt ist die fusionierte Warenhauskette dann nur noch mit der Kaufhof-Filiale schräg gegenüber vertreten. Überschneidungen im Filialnetz gibt es zumindest in Mitteldeutschland dann nicht mehr. Leipzig war hier die letzte Stadt, in der sich beide Konkurrenz machten. In Dresden, Dessau, Erfurt und Magdeburg gibt es nur Karstadt, in Chemnitz und Halle nur Kaufhof. Aus Gera hatte sich Kaufhof Anfang September verabschiedet.

Was aus dem Leipziger Karstadt-Haus nach dem Auszug des Mieters wird, ist völlig offen. Ikea hat bereits abgewinkt. Was alles gehen könnte, darauf gibt aber bereits die Karstadt-Filiale in Düsseldorf einen Vorgeschmack. Dort ist kürzlich Aldi ins Untergeschoss eingezogen. Das sei eine gute Idee, findet Funder. „Das Kernproblem der Warenhäuser ist, dass sie viel zu groß sind. Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil der Flächen an Fremdsortimente und Dienstleister abzugeben.“

Von Erich Reimann und Frank Johannsen

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