Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nach Snowden-Affäre: Sachsen Justizminister Martens zum Datenschutz im Freistaat

Nach Snowden-Affäre: Sachsen Justizminister Martens zum Datenschutz im Freistaat

Sachsen zieht Konsequenzen aus der Affäre um Ausspäh-Aktionen amerikanischer Geheimdienste: Der Freistaat überprüfe derzeit erneut die Verwaltungsabläufe auf mögliche undichte Stellen, sagt Justizminister Jürgen Martens (FDP).

Voriger Artikel
Bislang mehr als 100 Wiederaufbau-Anträge nach Hochwasser gestellt
Nächster Artikel
Neue Ermittlungen beim Kreuzworträtselmord: Ex-Freundin verstrickt sich in Widersprüche

Der sächsische Justizminister Jürgen Martens (FDP, Archivfoto).

Quelle: dpa

Dresden. Vor allem aber werde Sachsen sensible Daten in einem eigenen Verbundnetz sichern. Die ersten Testphasen seien bereits abgeschlossen.

Frage: Seit Edward Snowden und der Abhöraffäre um den US-amerikanischen Geheimdienst NSA ist der Datenschutz wieder im Kommen. Gilt das auch für Sachsen?

Jürgen Martens: Es scheint so, als würden die Bürger allmählich begreifen, dass Datenschutz keine abstrakte Veranstaltung ist, um die sich allein der Datenschutzbeauftragte zu kümmern hat. Er betrifft vielmehr jeden einzelnen, jeden Tag und überall. Plötzlich wird uns klar: Moment mal, die E-Mail, die ich gerade meiner Freundin oder der Oma schicke, könnte abgefangen und von Leuten gelesen werden, von denen ich bisher noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Dabei existieren Programme, die gehen weit über das bisher Erahnte hinaus.

Wie weit?

Das jetzt zu traurigem Ruhm gelangte NSA-Programm namens "Prism" ist ja fast schon banal. Denn es ist nur darauf gerichtet, Verbindungsdaten zu speichern. Dass diejenigen, die es installiert haben, aber immer nur die Briefumschläge abschreiben und den Inhalt unbeachtet lassen, glaubt kein Mensch. Schon die Stasi hat das anders gehandhabt. Denn selbstverständlich interessiert vor allem der Inhalt der Briefumschläge. Und wer einen solchen Aufwand betreibt, um die Verbindungsdaten festzustellen, der hat natürlich das Werkzeug und in bestimmten Fällen auch die Absicht, ebenso den Inhalt der Nachricht zu erfahren.

Was wollen Sie gegen Ausspäh-Aktionen à la NSA unternehmen?

Bei uns gibt es den Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste, der ist meinem Haus unterstellt. Der ist verantwortlich für den Datenverkehr der sächsischen Verwaltung, für Telefongespräche oder für die Kommunikation von Kommunen und dem Freistaat. Dabei geht es um Millionen Datensätze, darunter auch persönliche. Derzeit überprüfen wir die Verwaltungsabläufe ein weiteres Mal.

Was kann denn ein kleiner Freistaat wie Sachsen angesichts weltpolitischer Interessenlagen überhaupt bewirken?

Wir können da schon eine ganze Menge tun, zumindest zu unserem eigenen Schutz. Eine entscheidende Frage lautet: Wo wollen wir unsere Daten speichern, auf welchen Servern sollen die abgelegt werden?

In Mode sind internationale Speichereinheiten mit Rechnern irgendwo in Kalifornien ...

Genau das wollen wir nicht. Wir sind vielmehr daran interessiert, dass die Daten bei uns in Sachsen gespeichert werden, in einem Verbundnetz, das aus mehreren Rechenzentren besteht. Dann wissen wir, wo das Ganze abgelegt wird - nämlich bei uns. Und dann zapft es auch keiner mehr an. Bei den großen Anbietern, die die Daten anonym in Riesenpaketen irgendwohin verschieben, wissen wir das nicht.

Wie weit ist das Projekt vorangeschritten?

Wir haben die ersten Testphasen hinter uns.

Und wo stehen die Rechner konkret?

Natürlich in Sachsen.

Wo liegen die größten Gefahren?

Informationen sind vielfältig nutzbar, dahinter muss nicht immer irgendein Geheimdienst stehen. Kriminelle zum Beispiel haben es auf Kontodaten abgesehen, dabei geht es um Vermögensdelikte. Möglich sind aber auch Erpressungen oder Angriffe auf wirtschaftlich oder staatlich wichtige Institutionen. Unsere Stromnetze werden per Computer gesteuert, ein digitaler Angriff auf solche Schaltzentralen kann erhebliche Schäden anrichten - bis hin zum Totalausfall in einer ganzen Stadt. In der Androhung, man plane einen Angriff auf die Kühlanlage einer Blutbank oder auf eine Säuglingsstation, liegt erhebliches Erpressungspotenzial.

Bekommt der alte Satz "Wissen ist Macht" damit eine völlig neue Bedeutung?

Wissen war schon immer Macht, und das Wissen im digitalen Zeitalter ist potenziert.

Interview: Jürgen Kochinke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr