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Mitteldeutschland Nach Vorfällen in Chemnitz: DDR-Bürgerrechtler wehren sich gegen Vereinnahmung
Region Mitteldeutschland Nach Vorfällen in Chemnitz: DDR-Bürgerrechtler wehren sich gegen Vereinnahmung
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22:06 05.09.2018
DDR-Bürgerrechtler wie Uwe Schwabe wehren sich gegen die Vereinnahmung des Leipziger Spruchs "Wir sind das Volk". (Archivbild) Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Die tödliche Messerattacke auf einen Deutschen und die Ereignisse von Chemnitz haben jetzt auch DDR-Bürgerrechtler auf den Plan gerufen. Grund sind die Versuche von populistischen Gruppierungen, das Erbe der Friedlichen Revolution für sich zu vereinnahmen.

Vor allem die Übernahme des legendären Leipziger Spruchs von 1989 „Wir sind das Volk“ durch Populisten stößt vielen DDR-Widerständlern bitter auf. Mit einer „Gemeinsamen Erklärung zu Chemnitz“ haben sich deshalb am Mittwoch mehr als 60 von ihnen an die Öffentlichkeit gewandt.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Gesine Oltmanns, Gisela Kallenbach, Stephan Bickhardt, Uwe Schwabe und Gunter Weißgerber (alle Leipzig) sowie Thomas Lehmann und Peter-Christian Bürger (beide Chemnitz).

„Menschenverachtende Propaganda“

Die DDR-Bürgerrechtler empört vor allem die Instrumentalisierung der Straftat für „menschenverachtende Propaganda“. Die große Mehrheit "friedlich trauernder und zu Recht über die Politik-Versäumnisse verärgerte Bürger“ wollen sie von dieser Kritik aber ausdrücklich ausnehmen.

Zudem verwahren sich die Oppositionellen dagegen, dass Pegida- und AfD-Sympathisanten sich auf die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley (1945–2010) beziehen. Sie habe unter den SED-Machthabern gleich zwei Mal im Gefängnis gesessen, hält die „Erklärung“ fest.

„Den von ihr nach 1989 gesprochenen Satz ,Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat‘ verstehen wir als Appell für mehr Gerechtigkeit für die Opfer der SED-Diktatur, für politisch Verfolgte und Benachteiligte in Ostdeutschland.“

André Böhmer

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