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Mitteldeutschland Nach Wolfsattacke in der Oberlausitz: Sachsen-CDU will Abschuss-Kampagne verstärken
Region Mitteldeutschland Nach Wolfsattacke in der Oberlausitz: Sachsen-CDU will Abschuss-Kampagne verstärken
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19:21 11.10.2018
Drama bei Förstgen: Tote Schafe der Herde der Naturschutzstation “Östliche Oberlausitz“ liegen auf einer Wiese. Wölfe haben nahe der ostsächsischen Ortschaft Förstgen eine Schafherde angegriffen und dabei wohl mehrere Dutzend Tiere gerissen. Quelle: dpa
Dresden

Der verheerende Wolfsangriff bei Niesky Anfang dieser Woche hat Folgen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will sich am Freitag selbst ein Bild von der zugespitzten Lage machen und besucht die Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ in Förstgen (Kreis Görlitz). Kretschmer und die Sachsen-CDU machen seit längerem Druck auf den Bund und fordern deutlich lockere Regeln beim Wolfsabschuss.

Herde trotz Elektrozaun angegriffen

Nahe der Ortschaft Förstgen hatten in der Nacht zum Dienstag Wölfe eine Herde von trächtigen Schafen und Ziegen angegriffen. Von 151 Tieren überlebten wohl nur 61, obwohl die Herde mit einem Elektrozaun gesichert war. 39 Moorschnucken und Burenziegen wurden tot gefunden, rund 50 Tiere werden noch vermisst. Das Landratsamt Görlitz hat das sächsische Umweltministerium informiert und prüft einen Wolfsabschuss. Mindestens vier Wölfe waren nach bisherigen Erkenntnissen über die Schaf- und Ziegenherde hergefallen. Laut Wolfsstatistik ist es der zweitgrößte gemeldete Rissschaden seit der Wiederansiedlung der Wölfe in Sachsen. Die Region hat inzwischen die höchste Dichte an diesen streng geschützten Tieren in Europa.

CDU-Internet-Aktion: 2000 Unterstützer für leichteren Wolfsabschuss

Die sächsische CDU sieht sich nach dem Drama in der Oberlausitz in ihrer Forderung nach einer Lockerung der Abschussregeln für den Wolf bestätigt. Seit mehreren Wochen läuft dazu eine Internet-Kampagne, über 2000 Unterstützer zählt die Aktion bereits. Der Zuspruch war nach dem Vorfall in der Lausitz spürbar gestiegen. CDU-Generalsekretär Alexander Dierks sagte auf Anfrage von lvz.de: „Es ist traurig, dass es zu dem Zwischenfall mit den 40 getöteten Tieren in der Lausitz kam. Wir sehen uns dadurch leider in unserer Kampagne bestätigt, hätten uns aber gewünscht, dass von Anbeginn eine sachliche Diskussion zu dem Thema geführt worden wäre.“

Grünen-Vorwurf: Billige Stimmungsmache

Vor allem die sächsischen Grünen und der Nabu hatten der Union „billige Stimmungsmache“ und Wahlkampf auf Kosten des Wolfes vorgeworfen. Dierks hält dagegen: „Wir handeln beim Thema Wolf und freuen uns über den großen Zuspruch für unsere Kampagne.“ Man wolle weiter verstärkt um Unterstützung werben. Die Ereignisse in der Lausitz hätten bewiesen, dass es ein ernstzunehmendes Problem ist, das viele Menschen beschäftigt. „Im Übrigen wollen die meisten Menschen im Freistaat ebenso wie die Sächsische Union keinen wahllosen Abschuss. Sie wollen eine geregelte Verbreitung und vernünftige Maßnahmen für den Fall, dass es zu Problemen kommt – das kann bei manchen Fällen auch die gezielte Entnahme durch Abschuss sein.“

Gemeinsamer 10-Punkte-Plan mit Brandenburg und Niedersachsen

Doch allein bei der Werbung um Unterstützung für gelockerte Abschussregeln soll es nicht bleiben: “Unser Regierungschef Michael Kretschmer und Umweltminister Thomas Schmidt setzen das Thema Wolf auf die Tagesordnung im Bundesrat. Gemeinsam mit Brandenburg und Niedersachsen bringen wir einen 10-Punkte-Entschließungsantrag ein.“ Dierks sieht den Bund dringend in der Pflicht: Er müsse für mehr Klarheit und mehr Handlungsspielraum sorgen. „Die Nutztierhalter dürfen nicht allein gelassen werden. Es muss klare Regeln für den Umgang mit dem Wolf und für den Abschuss geben. Zudem muss eine volle Kostenübernahme durch den Bund bei Prävention und Entschädigung der Tierhalter her.“

Von Olaf Majer

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