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Mitteldeutschland Neue «Welt der Sinne» für Kinder im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Region Mitteldeutschland Neue «Welt der Sinne» für Kinder im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
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21:24 22.03.2018
Die neunjährige Shahed (r) und die elfjährige Mariam stehen bei der Eröffnung des neu konzipierten Kindermuseums am überdimensionalen Modell einer Zunge. Quelle: dpa
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Dresden

«Hallo, hallo», ruft Mariam in das riesige pelzige Hasenohr. Dabei verschwindet das Gesicht der Neunjährigen fast in der kuscheligen Höhle. «Ja?», antwortet Shahed. Die dunkelhaarigen Mädchen haben sichtlich Spaß beim Hörtest im Deutschen Hygiene-Museum (DHMD) Dresden. Sie gehören am Donnerstag zu den ersten Besuchern des neu gestalteten Kindermuseums. Dort können Vier- bis Zehnjährige mit Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden auf interaktive Weise die «Welt der Sinne» durchstreifen.

Neugestaltung nach zwölf Jahren

Nach zwölf Jahren mit über einer Million Besuchern brauchte auch das Herzstück des Hauses eine Neugestaltung, wie Vizedirektorin Gisela Staupe erklärt. Entstanden sei ein «Welt-Erforschungsort» - interaktiv und barrierearm. Die Gestalter wurden von Drittklässlern einer Dresdner Grundschule beraten. Das könnte Schule machen, bemerkt Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). «In Museen werden Kinder schon stärker mitgedacht.» Es sei wünschenswert, dass sie ebenso wie Ausstellungen als «Orte größtmöglicher Langeweile» der Vergangenheit angehören.

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen

Den Dresdner Kuratoren standen auch Fachmediziner zur Seite. «Die Sinne können nicht mehr nur zu Fuß, sondern auch mit dem Rollstuhl erkundet werden», berichtet Staupe von einer Novität. Entstanden ist ein spannender Parcours, der Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen ebenso erfahrbar mache wie «dass jeder Mensch die Welt auf seine eigene Weise wahrnimmt». Dabei helfen überdimensionale Modelle von Ohr, Nase, Auge, Zunge, Haut, Hörtexte und Illustrationen, Erklärfilme und Experimente.

«Es soll Spaß machen, aber wir haben auch den Anspruch, etwas zu vermitteln», erklärt Kuratorin Carola Rupprecht. Hinter der schweren Glastür entfaltet sich ein Kosmos des Wissens, mit authentischen Objekten wie einer Lunette-Brille aus dem 19. Jahrhundert oder einem alten Hörrohr. Dazu kommen ein Spiegelkabinett, ein Kuschelautomat - und ein dosierter Einsatz von Multimedia. «Hm, das ist total lecker!» Binh-An kann ihre Nase gar nicht von dem Rohr nehmen, das im Regal der Gerüche in eine Dose mit Kakaobohnen reicht.

Staunen, Entdecken, Spaß haben und Lernen

Eine «museale Spur» aus fünf Originalobjekten der hauseigenen Sammlung sollen nachhaltig Lust auf Museen machen. Alle seien eingeladen «zum Staunen, Entdecken, Spaß haben und Lernen», sagt Staupe. Der Rundgang über fünf Inseln lässt Besucher auch die eigenen Sinne erkunden: ob sie einen Pups oder Schritte im Schnee hören, wie schnell der Schall ist oder wie ein Wal sieht. Obendrein können sie sich in einem dunklen Tunnel entlang tasten.

Relaunch ohne Handicap

Der mit Hilfe von Bund, Land und Sponsoren wie Ostdeutschem Sparkassenverband realisierte Relaunch ermöglicht auch, dass Mädchen und Jungen mit Handicap uneingeschränkten Zugang zum Wissens- und Erlebnisangebot des Dresdner Kindermuseums haben. Sogar in eine der drei Höhlen - Rückzugsorte mit Lichtspiel und Geräuschkulisse - passen Rollstühle. Von den Objekten aus der Museumssammlung gibt es Kopien, die angefasst werden dürfen und Erklärungen auch in Gebärdensprache. Die können alle Besucher ausprobieren und zudem ihren Namen auf einem Brett in Braille-Schrift stecken.

«Es ist kein Spielplatz, sondern ein Ort des Wissens», sagt Rupprecht. So wird optisch getäuscht, auf die Zunge und unter die Haut geschaut, ins Ohr gequakt, der Duft von «Schulklo» oder «Turnhalle» nachempfunden oder der Streichelautomat bemüht. «Es ist eine sinnliche Erfahrung dessen, was unser Leben ausmacht», stellt Dresdens Bürgermeisterin für Kultur, Annekatrin Klepsch (Linke), fest. Kein Streichen über Tablets, kein technisches Gerät könne Empathie und Sinnlichkeit vermitteln. «Die Herzens- und Sinnesbildung in Museen wird gerade in Zeiten von Fake News und "Alternative facts" immer wichtiger.»

Simona Block

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