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"Nicht die richtige Art:" Leipziger Bürgerrechtler Schwabe kritisiert Einheitsfeier in Hannover

"Nicht die richtige Art:" Leipziger Bürgerrechtler Schwabe kritisiert Einheitsfeier in Hannover

Der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe hat zum Tag der Deutschen Einheit eine Verdrossenheit der Bürger beklagt. Im Interview in Hannover forderte er, Bürger mehr zu beteiligen.

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Uwe Schwabe

Quelle: Andreas Doering

Hannover.   

Frage:

Was ist für Sie bei dieser Einheitsfeier wichtig?

Schwabe:

Das Wichtigste ist für mich die Anerkennung der Leistung der Leute, die zu DDR-Zeiten etwas riskiert haben, die im Knast gesessen haben. Da gibt es noch viel zu tun, auch was die Haftentschädigung angeht. Da gibt es noch viele Menschen, die darunter leiden. Ich denke, da müsste man noch mehr tun.

Ist der Festakt mit 1500 Gästen und zwei Veranstaltungen angemessen?

Das ist die Herausforderung, nicht nur einmal im Jahr am 3. Oktober Sonntagsreden zu halten. Die Frage muss lauten, wie kann man die Bürger besser beteiligen, wie kann man diese Demokratie wieder lebendig werden lassen. Was ich bedauere, ist die Verdrossenheit, die in diesem Land herrscht. Da muss dringend was geschehen. Nur noch die Hälfte der Menschen geht wählen. Da kann man in jedes Bundesland schauen. Die andere Hälfte wird gar nicht mehr mitgenommen. Das ist die Herausforderung für die Zukunft. Wie geht man mit der Demokratieverdrossenheit um? Die Stimmung erinnert mich sehr an die letzten Jahre in der DDR, wo man auch nur noch gesagt hat, ich kann eh nichts ändern. Die Regierung macht doch eh was sie will.

Ist die Feier zu sehr kommerzialisiert? 

 

Ich finde, wie in Leipzig der 9. Oktober begangenen wird, ist die richtige Art, den Tag zu begehen. Da gibt es keine Bratwurstbuden oder Bierstände, und da gibt es auch keine Werbung von den Sponsoren. Es gibt eine sehr emotionale Herangehensweise an die Art, wie man einen solchen Tag begehen kann. Da käme niemand auf die Idee, ein Werbeschild von VW oder Porsche aufzustellen, obwohl sie das Fest mitfinanzieren.

Was bedeutet der Tag für Sie persönlich?

Für mich ist es wichtig, dass immer wieder thematisiert wird, dass es die Leute auf der Straße waren, die die friedliche Revolution und damit die Veränderungen in Europa möglich gemacht haben. Was die Menschen damals verändert haben, lasse ich mir auch nicht schlecht reden von den Nörglern.

ZUR PERSON:

Uwe Schwabe (52) engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung in Leipzig und zählte 1989 zu den Begründern des Neuen Forums und den Organisatoren der Montagsdemonstrationen. Heute ist der gelernte Instandhaltungsmechaniker Vorstandsvorsitzender des Archivs Bürgerbewegung Leipzig. Im Juni wurde er gemeinsam mit anderen Akteuren des Wendeherbstes mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt.

Interview: Marco Hadem

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