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Ost-Sushi und DDR-Kaffee-Mix

Ost-Sushi und DDR-Kaffee-Mix

Anregendes für Geist und Appetit ist ab Freitag im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. "Is(s) was?! Essen und Trinken in Deutschland", so heißt die Ausstellung, in der sich die Leipziger Volkszeitung vorab umschaute.

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Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Wenn's ums Essen geht, kann jeder mitreden - und auch mitmachen. Ausstellungs-Regisseurin Anne Martin (53) vom Zeitgeschichtlichen Forum konnte deshalb auf breite Unterstützung bauen. Ihr Kollege Bernd Lindner (60) brachte aus dem Amerika-Urlaub ein in der Metropole Seattle geschossenes Foto mit. Es zeigt, dass im dortigen Lokal "The Berliner" eine (aus US-Sicht) durch und durch deutsche Spezialität geboten wird: Döner in allen Variationen.

Leipzig. Anregendes für Geist und Appetit ist ab Freitag im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. "Is(s) was?! Essen und Trinken in Deutschland", so heißt die Ausstellung, in der sich die Leipziger Volkszeitung vorab umschaute.

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Rainer Eckert (63), Direktor des Leipziger Geschichtshauses, knüpfte im heimatlichen Schöneiche bei Berlin Kontakte zu einer in der Nachbarschaft wohnenden Buddhistin. "Unsere Hunde kannten sich", erläutert er sein raffiniertes Vorgehen. Ergebnis: Die Schau zeigt in der Unterabteilung über Essen und Religion die Opferschale, mit der vor dem örtlichen Supermarkt bislang Lebensmittelspenden eingesammelt wurden. Vorübergehend ist das in Schöneiche beheimatete buddhistische Kloster auf ein Ersatzgefäß umgestiegen.

Eckert, immer kooperativ, ist auch bereit, fürs Zeitungsfoto mit einem ausgestellten künstlichen Schwein zu posieren. Seine praktischen Koch-Kenntnisse begrenzen sich indes auf Versuche mit Tomaten-Tütensuppen. Nach traumatisierenden Erfahrungen - Topf auf Herd vergessen - kocht er inzwischen nicht einmal mehr Wasser.

1200 Objekte hat Anne Martin zusammengetragen - von Tim Mälzers Küchenmesser bis zum Oberlausitzer Rezept für Teichelmauke. Zwar stoßen Besucher zunächst auf das Original des ältesten deutschsprachigen Kochbuchs von 1350, dennoch erwartet sie keine chronologische Geschichtsausstellung. Es geht um Moden, Trends und Lebensstile.

Der Hunger der Nachkriegszeit steht in scharfem Kontrast zu heutigen Luxuslebensmitteln wie einem mit Goldstaub dekorierten Vollmondbrot oder Brotpellets, die als Heizmaterial produziert werden. Ebenso zu sehen ist die nächtliche Beute eines anonymen Leipziger Mülltauchers, der - illegal - völlig Unverdorbenes aus Abfall-Containern von Discountern fischte.

Von Antibiotika in Tierfutter bis zur jüngsten Aufregung um heimlich untergemischtes Pferdefleisch in Fertiggerichten reicht die Liste der dargestellten Lebensmittelskandale. Der größte in der DDR hieß Kaffee-Mix, und der Ausstellungsmacherin ist es gelungen, an eine verschlossene Originalpackung heranzukommen. "Die sind hoch begehrt", erzählt sie stolz. Um beim Import von Bohnen zu sparen, jubelte die Staatsmacht ihren Bürgern 1977 eine Mischung aus richtigem und Malzkaffee unter. "Den daraufhin einsetzenden Proteststurm", erläutert Martin, "hat die SED unterschätzt."

Im Westen gab es schon 1952 die erste Pizzeria, doch auch der Osten entdeckte die Exotik der internationalen Küche. 45 Schaustücke - darunter ein Kimono - stammen aus dem legendären "Waffenschmied", von dem jüngst der Film "Sushi in Suhl" erzählte. Dort konnten Ostler - nach langer Voranmeldung - seit den 1960er Jahren das Flair eines japanischen Restaurants genießen.

iAb morgen bis 2. Februar 2014, Di. bis Fr. 9-18 Uhr, Sa./So. 10-18 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Str. 6, Eintritt frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Armin Görtz

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