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Mitteldeutschland Pödelwitz: Pfarrer Wolff warnt vor „Zerstörung der Schöpfung“
Region Mitteldeutschland Pödelwitz: Pfarrer Wolff warnt vor „Zerstörung der Schöpfung“
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13:31 05.08.2018
Das Dorf Pödelwitz südlich von Leipzig soll für den Braunkohleabbau weichen. Quelle: dpa
Pödelwitz

Der langjährige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, warnt vor der Zerstörung der Schöpfung durch den Braunkohleabbau und vor menschlicher Selbstgerechtigkeit. Wenn der Mensch sich zur letzten Instanz aufschwinge und sich zum Herrn über Himmel und Erde und über die Moral erkläre, werde es gefährlich, sagte Wolff am Sonntag in seiner Predigt in einem Umweltgottesdienst in dem von der Abbaggerung bedrohten Dorf Pödelwitz bei Leipzig. „Denn dann beginnt die Bereitschaft, über Leichen zu gehen und die Schöpfung Gottes zu zerstören“, so Wolff.

„Die Schöpfung ist nicht unser Eigentum“, betonte Wolf. „Sie ist ein uns anvertrautes Gut, mit dem wir verantwortlich umzugehen haben.“ Zugleich wies der Pfarrer auf die Schwierigkeit eines nachhaltigen Lebensstils hin. „Auch wir, die wir uns zum Klimacamp versammelt haben und uns darin einig sind, dass dieser Ort Pödelwitz erhalten bleiben muss, auch wir leben nicht widerspruchsfrei“, erklärte Wolff. „Auch wir sind beteiligt an der Zerstörung von Gottes Schöpfung.“ Dies dürfe aber nicht dazu führen, zu resignieren. „Wir stehen in der Verantwortung“, sagte er.

Abbaggerung ab 2026 geplant

Pödelwitz liegt am Rand des Tagebaus „Vereinigtes Schleenhain“. Nach Plänen der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) soll das Dorf voraussichtlich ab 2026 der Kohleförderung weichen und abgebaggert werden. Rund 100 Dorfbewohner wurden bereits umgesiedelt. 27 Verbliebene um die Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“ weigern sich hartnäckig, ihre Heimat zu verlassen.

Hunderte Gegner des Braunkohleabbaus haben sich am Samstag zu einem Aktionstag des Klimacamps Leipziger Land im Örtchen Pödelwitz versammelt. Die Gemeinde ist durch die geplante Erweiterung des Tagesbaus "Vereinigtes Schleenhain" in ihrer Existenz bedroht. Mit Blockaden und Demonstrationen wollen die Protestierenden für eine alternative Energiepolitik werben.

Um gegen die Abbaggerung von Pödelwitz zu protestieren, fand in den vergangenen Tagen ein Klimacamp in Pödelwitz statt. Rund 1000 Teilnehmer waren gekommen und diskutierten bis Sonntag in Workshops und Podien unter anderem über gesellschaftliche Solidarität und Nachhaltigkeit.

Aktivisten blockieren Kraftwerk

Als Höhepunkt des Klimacamps fanden am Samstag Sitzblockaden und Demonstrationen in dem Braunkohlevier bei Leipzig statt. Etwa 350 Klimaschützer blockierten bis zum Abend die Zufahrten zum Braunkohlekraftwerk Lippendorf, fünf Umweltaktivisten brachten vorübergehend ein Kohleförderband zum Stillstand, nachdem sie sich daran angekettet hatten. Zudem fand eine Fahrraddemonstration mit etwa 150 Menschen durch das Revier statt. Die Polizei sprach von einem weitgehend friedlichem Verlauf der Aktionen.

Von LVZ