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Mitteldeutschland Protest-Forscher: Pegida wird zunehmend aggressiver
Region Mitteldeutschland Protest-Forscher: Pegida wird zunehmend aggressiver
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16:56 13.10.2015
Protestforscher Dieter Rucht  Quelle: dpa
Dresden

 Jede Demonstration wird angereichert durch Symbole. Die Galgen-Attrappe bei einer fremdenfeindlichen Pegida-Demonstration in Dresden drückt aus Sicht des Berliner Protestforschers Dieter Rucht aber eine Verschärfung der Stimmung aus. „Da gibt es ganz deutlich eine Steigerung der Wut, der Aggressivität und des Attackierens, die sich auch in Bildern ausdrückt“, sagte der emeritierte Professor der Deutschen Presse-Agentur im Interview.

Frage: Ist die Galgen-Attrappe programmatisch für die Pegida-Bewegung oder eine Symbolik von vielen in der Menge von Menschen?

Dieter Rucht: Es bedeutet in meinen Augen eine Steigerung dessen, was man bisher gesehen hat. Sprüche wie „Volksverräter“ sind ja schon gang und gäbe. Das Galgen-Beispiel ist etwas, was in der Form bislang noch nicht zu sehen war im Kontext von Pegida. Da gibt es ganz deutlich eine Steigerung der Wut, der Aggressivität und des Attackierens, die sich auch in Bildern ausdrückt. Und hochwahrscheinlich wird auf der Gegenseite reagiert. Man schaukelt sich gegenseitig hoch.

Welche Symbole sind denn typisch für welche Protestbewegungen?

Dieter Rucht: Es gibt etwa Symbole, mit denen Gegner lächerlich gemacht werden. Andere Symbole bringen die Attacke, den Angriff, die Zerstörung des Gegners zum Ausdruck. Dazu zählt auch der Galgen. Zu einer weiteren Kategorie gehören Symbole, die eine Bedrohung oder abstrakte Gefährdung anzeigen. Beispiele sind das Skelett- oder Sensenmann-Kostüm oder Särge, auf denen dann etwa steht, dass die Bildungsreform zu Grabe getragen wird.

Wird die Symbolik bei Demonstrationen insgesamt drastischer?

Dieter Rucht: Jede Demonstration wird angereichert durch diverse Formen der Symbole, Slogans. Es ist ein Bedürfnis der Demonstrierenden, Inhalte nicht nur verbal zu transportieren, sondern immer auch zu visualisieren. Ich sehe im Zeitverlauf aber keine Entwicklung in die eine oder andere Richtung.

Lutz Bachmann stellt das Foto des Galgens auf seiner Facebook-Seite mit einem Plakat gegenüber, auf dem eine Faust gegen seinen Kopf prallt und dieser wiederum in zwei Teile reißt. Ist das eine Symbol radikaler als das andere?

Dieter Rucht: Da mag man eine kleine Differenz reininterpretieren, die ist aber insgesamt unerheblich. Entscheidend ist die Tatsache, dass durch solche Symbole zu physischen Attacken, zur Vernichtung des Gegners, im konkreten Fall des Galgens sogar zum Tod aufgerufen wird.

 

Von Lena Klimkeit

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