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News Räuber ohne Scheu: Wenn Wölfe durch Wohngebiete streifen

Räuber ohne Scheu: Wenn Wölfe durch Wohngebiete streifen

Die Angst vorm bösen Wolf ist in Deutschland nicht mehr nur eine Sache aus dem Märchen. Bislang feierten Naturschützer die Rückkehr der Tiere nach Deutschland, doch in den letzten Wochen tauchten Wölfe mehrfach in der Nähe von Menschen auf - zum Teil sogar, ohne sich rasch wieder vertreiben zu lassen.

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(Archivbild)

Quelle: dpa

Berlin. Ein eher untypisches Verhalten.

„Es gibt mehr Wölfe, die nur eine geringe Scheu vor Menschen haben“, sagt Norman Stier von der TU Dresden. „Bei Tieren ohne diese Scheu können leichter kniffelige Situationen entstehen.“ Umweltbehörden und Naturschützer beruhigen zwar, es gäbe keine konkrete Gefahr, doch gleichzeitig suchen sie nach Lösungen, wie sie die Wölfe von den Menschen fernhalten können.  

Im niedersächsischen Wildeshausen streunte vor ein paar Tagen ein Wolf durch eine Wohnsiedlung. Am Mittwoch wurde er von mehreren Menschen im Nachbarkreis Cloppenburg entdeckt. In Goldenstedt bei Vechta ist die Stimmung angespannt, seit eine Frau einen Wolf in der Nähe eines Waldkindergartens entdeckte. Die Eltern fühlen sich unwohl, einen Wolf in der direkten Nachbarschaft will dort niemand haben.  

Auch andernorts ist die Skepsis groß. In Bayern zum Beispiel leben zwar - noch - keine Rudel, doch immer mal wieder kommen Wölfe über die Landesgrenze. Zuletzt tauchte ein Wolf am vergangenen Wochenende in der Nähe eines Wohnhauses auf. Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst schnell. Geschätzt 25 Rudel mit etwa 200 Tieren gibt es derzeit, heißt es beim Projekt „Wolfsregion Lausitz“. In den letzten zwei Jahren hat sich ihre Zahl damit fast verdoppelt.

Die Tiere beanspruchen große Gebiete für sich. Gerade junge Rüden kundschaften deshalb ihre Umgebung aus.  „Wölfe leben dort, wo auch Menschen leben. Dass sie auch mal in Wohngegenden kommen, in die sie eigentlich gar nicht wollten, ist ganz normal“, erklärt Helen Möslinger von der „Wolfsregion Lausitz“. Begegnen die Tiere bei ihren Streifzügen Menschen, sollte eigentlich ihr Fluchtreflex greifen. Doch machen die Wölfe nie schlechte Erfahrungen mit Menschen, lässt der Reflex irgendwann nach.

In den betroffenen Regionen wird deshalb über den Umgang mit dem Wolf heftig diskutiert. Einige fordern, ihn ins Jagdrecht aufzunehmen. „Wer will denn die Verantwortung übernehmen, wenn wirklich ein Kind angefallen wird?“, fragt Bürgermeister Willibald Meyer aus Goldenstedt. Und auch Landwirte beschweren sich - über gerissene Schafe. In Mecklenburg-Vorpommern überwies das Land seit 2007 Schadenersatz von 31.000 Euro für getötete Tiere an die Landwirte.

In Niedersachsen soll der streunende Wolf nun mit Gummigeschossen verscheucht oder mit einem Betäubungsgewehr gestoppt werden. Die Aufgabe werde von Tierärzten oder speziell ausgebildeten Polizeibeamten übernommen, hieß es. Erst, wenn der Wolf Menschen bedrohe, dürfe er getötet werden, erklärt das Landesumweltamt.

Zoologe Stier hält das Vorgehen für sinnvoll. „Die Tiere müssen schlechte Erfahrungen machen und dürfen sich nicht an den Menschen gewöhnen“, sagt er. Reicht die Maßnahme nicht, hält auch er eine Tötung des Wolfs in letzter Konsequenz für notwendig. Denn würden sich Menschen durch die Tiere bedroht fühlen, werde es schwierig für die Wölfe. „Die Tiere haben bei uns nur eine Chance, wenn sie auch breite Akzeptanz finden.“

Rebecca Krizak

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