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Mitteldeutschland Rathenow zu Stasi-Archiv: Wahl von Leipzig als Standort vorschnell – Schwabe widerspricht
Region Mitteldeutschland Rathenow zu Stasi-Archiv: Wahl von Leipzig als Standort vorschnell – Schwabe widerspricht
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22:42 15.03.2019
Lutz Rathenow möchte Stasiakten lieber in Chemnitz einlagern. Quelle: Andre Kempner
Dresden

Der sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, hat die Wahl Leipzigs als Archivstandort für Stasi-Unterlagen kritisiert. „Die vorschnelle Fokussierung auf Leipzig als Archivstandort, ohne Chemnitz und Dresden geprüft zu haben, finde ich falsch“, teilte er am Freitag in Dresden mit. In Sachsen werde es die in Berlin vorgesehene Bündelung von Überlieferungen nicht geben. In Chemnitz und Dresden würden die Überlieferungszusammenhänge auseinandergerissen und damit die Recherchemöglichkeiten verschlechtert.

Chemnitz hat noch Defizite

Rathenow plädierte hingegen für Chemnitz als Standort. Dort gäbe es noch Defizite in der Auseinandersetzung mit dem Thema Stasi. Die herausragende Bedeutung von Sachsen spreche aber auch für zwei Standorte.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und der Chef des Bundesarchivs, Michael Hollmann, hatten ein Konzept zum weiteren Umgang mit den Millionen geretteten Stasi-Dokumenten vorgestellt, über das nun der Bundestag entscheiden muss. Für die Stasi-Akten, Filme, Fotos und Tonaufzeichnungen soll demnach künftig das Bundesarchiv verantwortlich sein. Es gilt als Kernstück der Behörde. Das Konzept sieht außerdem vor, dass es in den ostdeutschen Bundesländern je einen Archivstandort geben soll, an dem die Akten fachgerecht aufbewahrt werden können.

Prüfung von nur einem Standort

In dem Konzept scheine es, als ob die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für jeden Außenstellenstandort eine Machbarkeitsstudie vorlegen würde, so Rathenow. Mit keiner Silbe werde dabei erwähnt, dass sie nur einen Standort pro Bundesland prüfe und dass die Frage, welcher Standort als künftiger Archivstandort geprüft werde, bereits entschieden sei. In Sachsen sei dies Leipzig.

Schwabe widerspricht entschieden

Der Leipziger Uwe Schwabe will die Sichtweise Rathenows so nicht stehen lassen. „Alle Standorte der Außenstellen wurden von der BStU (Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Anm. der Red.) unter bestimmten Kriterien geprüft. Hier spielten Kriterien wie vorhandene Bauflächen, die Anbindung an die vorhandene Aufarbeitungslandschaft, wie Gedenkstätten, Museen und Archive genauso eine Rolle wie die Bereitschaft der Städte. Also auch Chemnitz und Dresden wurden geprüft“, so Schwabe, der Vorstandsvorsitzender Archiv Bürgerbewegung Leipzig und Mitglied des Beirates der BStU ist.

Erst nach Auswertung dieser Kriterien seien die ausgewählten Orte von der BStU zur weiteren Prüfung an die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten übergeben. Auch die Behauptung die Recherchemöglichkeiten würden sich verschlechtern sei schlichtweg falsch und auch das wisse der Landesbeauftragte, so Schwabe weiter.

„Es geht um die Zusammenlegung der Archive und nicht der Außenstellen. Die Außenstellen bleiben als Ort wo man Anträge stellen und Akten lesen kann erhalten“, erklärte das Beiratsmitglied. Es werde sich also nichts verschlechtern.

Von LVZ